goldmag.de wird, wie unschwer zu erkennen, seit Längerem nicht mehr mit literaturnahen Texten, Bildern oder Trouvaillen aus der Onlinewelt befüllt. Das bedauern wir sehr, ändern es aber offensichtlich nicht.
Wer unsere Seite aus aktuellem Anlass angesteuert hat (20. open mike 2012), der findet unsere vormalige Berichterstattung zum Literaturwettbewerbda (2009) beziehungsweise dort (2010). Zum open mike-Blog 2012, für den auch eine GOLD-Autorin reaktiviert wurde, geht es hier.
Es wünscht frohes Lesen und grüßt recht herzlich: die GOLD-Redaktion
Seit gestern nicht mehr bei Arte+7, seit einer knappen Woche bei YouTube zu sehen: Die Dokumentation Romane made in New York. Die Post-9/11-Literatur, die hier gleichsam als Post-Lost-Generation-Literatur erscheint, kommt darin in Gestalt von fünf AutorInnen zu Wort. Jonathan Franzen, Rick Moodey, Nicole Krauss, Jonathan Safran Foer und Marisha Pessl werden, so die Programmankündigung, als Gefolgsleute Jay MacInerneys und Breat Gaston Ellis’ zur Tradition amerikanischer Literatur, zum Verhältnis von fact und fiction und natürlich zum 11. September befragt. Dass es um all diese Fragen selten geht, dass New York nur im Titel und als Kulisse vorkommt und dass eigentlich nur Jonathan Franzen etwas Interessantes zu sagen hat, sei als Korrekturhinweis wenigstens erwähnt. Aber zumindest Letzteres kann ja auch ganz heilsam sein.
Wer es noch nicht weiß und auch in Berlin ist: Jetzt am Samstag, 14. Mai 2011, findet in der Kreuzberger Oranienstraße die 13. “Lange Buchnacht” statt. Hurrah! Denn wieder mal gibt es viel zu sehen und zu hören: Ausstellungen, Lesungen und Gespräche, und das ganze ist wieder mal kostenlos. Um die 50 Orte in und um die Kreuzberger Oranienstraße machen mit.
Das Plakat zur Langen Buchnacht stammt übrigens von Rafael Varona, der an der UDK Berlin Illustration studiert. Das Programm und weitere Infos gibt es unter www.lange-buchnacht.de
Viele Gold-Autoren halten sich ja zur Zeit an den verschiedensten Orten in der Welt auf. Das wissen viele unserer Leser vielleicht noch gar nicht. Umso wichtiger, darauf einmal hinzuweisen. Denn von so anderen Kontinenten fällt es natürlich schwerer, über Berlin und junge Literatur und all diese Themen zu schreiben, die vor gar nicht langer Zeit noch so wichtig waren, aber nun so weit entfernt liegen. Ich finde das mal eine nicht irrelevante Mitteilung.
Dazu kommt natürlich, zumindest in meinem Fall, dass es ausserhalb Berlins mit der akademischen Leichtfüßigkeit auf einmal vorbei ist. In Amerika weht z.B. ein ganz anderer Wind. Das ist tatsächlich so: Da wird Arbeit und kapitalistische Ökonomie und so noch großgeschrieben, und zum bloggenden Müßiggang fehlt die Zeit und die Kraft, wenn man am Ende des langen Tages erschöpft, mit rotgeränderten Augen und zu keiner Regung mehr fähig in seinem winzigen Kämmerchen auf die Schlafstätte sinkt.
Das einzige, was ich gerade so verfolge, sind eigentlich Nachrichten aus und über Detroit (also die Stadt, in der die Allheilkraft des Marktes immer noch großgeschrieben wird, aber niemand mehr Arbeit hat). Ich wohne zwar nur in der Nähe von Detroit (mit Gerhard Seyfried gesagt: ganz nah dran, aber gottlob nicht mittendrin), fühle mich aber doch so als Nachbar. Deswegen, als Start einer, äh, Reihe zu Detroit und Literatur hier zunächst mal zwei sehr gute Beiträge über Detroit in der Literatur, gefunden auf One More Spoke, einem “Detroit-based blog”:
Liebe Mitbürger, Gefängnisfilme sind ein schönes Genre, eine Mischung nämlich aus Action und Kammerspiel, wie ich finde. Ich erinnere mich noch genau an den Fall Marco W., der völlig unschuldig war wie auch seine Mutter Veronika Ferres. Die saß im heute abend versendeten Sat1 Eventfilm mit Vater Herbert Knaup am Strand, während der Sohn, der 17 ist, mit jungen Mädchen flirtet. Das Drama nimmt seinen Lauf, als Caroline, ein blondes Girl aus Manchester, mit Marco bekannt wird. Den ganzen Beitrag lesen »
Der erste von sechs Teilen der ZDF-Doku Der Wettlauf zum Südpol brachte heute abend 20:15 eine Neuauflage jenes Kampfes befreundeter Nationen ins Fernsehen, den der Bergfilm Nordwand vor kurzem in die Kinos getragen hatte: Deutschland gegen Österreich. Ich habe es mir angesehen und erzähle es jetzt nach, für alle diejenigen, die es verpasst haben, so gut ich kann, und so wie es wirklich passiert ist.
Das größte Abenteuer ihres Lebens begann. 400 Kilometer durch die Eiswüste. Deutschland gegen Österreich. Jeweils drei Männer und eine Frau. Den ganzen Beitrag lesen »
Als ich sieben oder acht Jahre alt war, habe ich mein ganzes Taschengeld für Sammelkarten ausgegeben – erst Fußball, dann Basketball – und sie in der Schule mit ebenfalls sammelnden Freunden getauscht. Was für ein Moment des Glücks war es, als mir eine Tante eine ganze Kiste mit Basketballkarten aus den USA mitbrachte! Man stelle sich den Grundschüler vor, um dessen amerikanischen Schatz sich in den Pausen die ganze sammelbesessene Klasse drängt.
Das New Yorker Blog Vol. 1 Brooklyn hat diese Tradition der trading cards wieder aufgegriffen. Statt Sportler kann man mit ihren Karten aber Literaten sammeln. Wöchentlich soll nun eine neue Karte, entworfen von der Designerin Margarita Korol, im Blog erscheinen. Los geht es mit David Foster Wallace, der in der letzten Woche 49 Jahre alt geworden wäre. Weil sich Blogeinträge schlecht sammeln lassen, bietet Vol. 1 die Karten über Cafe Press zum Kauf an. Zum Schulhofphänomen werden die literary trading cards wohl schon des Preises wegen nicht werden. Ein Exemplar in Minipostergröße - limited edition naürlich, soll ja Sammlerwert haben – kostet stolze $14.99. Dabei wäre es eine großartige Vorstellung: GrundschülerInnen (vielleicht wären literarische Karten ein weniger vergeschlechtlichter Sammelgegenstand) tauschen in den Pausen David Foster Wallace gegen Thomas Pynchon oder Don DeLillo.
Der Amsterdamer Schiphol Flughafen hat eine Bücherei. Nein, nicht noch eine Ketten-Buchhandlungs-Parzelle. Eine echte Bücherei! Fluggäste und andere können dort kostenlos in niederländischer Literatur, Bildbänden usw. herumlesen. 1200 sind es zur Zeit, übersetzt in 29 Sprachen. Die Idee: Anstatt in sterilen Fluren rumzugammeln und sich über 5-Euro-pro-Minute WLAN zu ärgern, sollen sich Reisende, wie sie zu dutzenden Millionen jährlich durch den Flughafen geschleust werden, lieber mal über niederländische Kultur informieren. Zumal knapp die Hälfte dieser Passagiere sonst überhaupt nichts von Holland sehen würde. Was für ein sinnvoller Gedanke und was für eine gigantischer PR-Maschine! Die niederländische Regierung lässt sich das 2008 gestartete Projekt wohl zwischen 250 und 400 000 Euro jährlich kosten. Klingt bei diesen Zahlen jetzt erstmal okay. Und geklaut wird auch nicht so viel.
Manche Menschen fragt man besser nicht, was sie gerade lesen. Julian Smith gehört definitiv dazu und liefert damit einen neuen Beitrag zu unserer Lesertypologie. Dem mobilen Leser steht er, scheint’s, näher als den – nur im Plural auftretenden – kollektiven Lesern. Zu letzteren bildet er eher den Antipoden.