06 Sep

Das Nicht-Vorhandensein des Kaffees

Von Anne-Dore

Neulich, im Zug von Berlin nach München: Enttäuschung. Das Bordbistro: geschlossen. Sonntagmorgen, sieben Uhr früh, ohnehin eine unwirtliche Zeit und dann das.

Da kratzt es in den Mikrofonen, der Schaffner meldet sich: “Sehr geehrte Damen und Herren, leider muss ich Ihnen mitteilen, dass das Bordbistro sich momentan in unbesetztem Zustand befindet. Den Grund müssen wir wie folgt zu Protokoll geben: Das zuständige Personal ist heute morgen durch Nicht-Erscheinen am Arbeitsplatz aufgefallen. Das Nichtvorhandensein unseres entsprechenden Personals bitten wir zu entschuldigen.”

“Sind wir hier auf dem Amt oder was?” ruft ein älterer Herr, dem das “Nichtvorhandensein” von Kaffee ordentlich auf die Laune geschlagen hat. Die anderen Fahrgäste verziehen ebenfalls die Gesichter. Aus den Mikrofonen krächzt der Bürokraten-Schaffner weiter:

“Die zuständigen Zuständigen und die entsprechenden Behörden wurden bereits informiert. Wir bedauern diesen Zustand und sind bemüht, eine Änderung spätestens ab Frankfurt einleiten zu können.”

Doch dann dringt noch ein Satz jenseits von Geschraubtheit aus den Mikrofonen, ein Satz, der die Fahrgäste durch seinen Kontrast zum Vorherigen noch mehr begeistert, ein Satz, der die Sache endlich auf den Punkt bringt:

“Bis zu den Hessen sitzen wa also uffm Trocknen, so ne Scheiße.”

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