Straße, Marx, Garn, Dylan, Krebs, Wohnlage
Objekt der Rezension ist das Buch Quietschblanke Tage, spiegelglatte Nächte. Großstadtgeschichten. Es enthält neunzehn Texte. Sie wurden von vierzehn Autorinnen und fünf Autoren geschrieben. Fünf AutorInnen leben in Berlin, drei in Leipzig, zwei in Hamburg, zwei in Köln, jeweils eine/r in Frankfurt, Zürich, Hannover, Braunschweig, Dresden, Wien und Hildesheim. Acht der AutorInnen haben am Literaturinstitut in Leipzig studiert oder studieren dort. Eine oder mehrere eigene Buchveröffentlichungen weisen sieben der AutorInnen vor. Gewonnene Preise und/oder erhaltene Stipendium und/oder Teilnahmen an Wettbewerben weisen fünfzehn der AutorInnen vor. Es sind vertreten die Jahrgänge 1971 (zweimal), 1972, 1973, 1976 (zweimal), 1977, 1978, 1979 (viermal), 1980, 1982 (zweimal), 1983 (zweimal), 1984 und 1985.
Das Buch unterteilt sich in vier Abteilungen mit den Namen »Begegnen«, »Innehalten«, »Kreisen«, »Verlaufen« und »Flüchten«. Der kürzeste Text ist drei Seiten lang, der längste neun Seiten. Zehn Geschichten haben einen Ich-Erzähler. In der dritten Person erzählen acht Geschichten, in der zweiten eine. Fünf Geschichten werden in der Vergangenheitsform erzählt. Zwölf Geschichten werden in der Gegenwartsform erzählt. Bei zwei Geschichten handelt es sich um eine Mischung aus Vergangenheits- und Gegenwartsform. Ein Text kommt ohne Großbuchstaben aus. Ein anderer Text beginnt jeden Absatz mit Kleinbuchstaben anstelle von Großbuchstaben.
Es gibt ein Vorwort. »Manche Geschichten«, schreibt die Herausgeberin dort, »berichten von bekannten Lebensgefühlen«, andere »eröffnen neue Blicke«. Sie schreibt außerdem: »Während manche Texte zeigen, dass es immer noch möglich ist, Geschichten zu erzählen, wehren sich andere Texte heftig gegen das Erzählen und kreisen um sich selbst«.
Einige Texte sind hervorragend. Der erste Text beginnt mit den Worten »Mir wird mindestens einmal die Woche hinterhergepfiffen« und endet mit den Worten »Es kann natürlich auch jedes andere Pfefferminzbonbon sein, machen wir uns nichts vor«. Der fünfzehnte Text enthält die Sätze »Das ist normal, das geht ja vielen Menschen so, damit soll nichts erzählt werden, Erzählen ist widerlich« und »Eine Lady steigt in ungenügendem Schuhwerk auf einen Berg«.
Einige Texte sind gut. Der neunte Text enthält die Worte »Neuer Zahnbürstenkopf, Bücher zurückbringen, den Keller kann man immer entrümpeln, kochen braucht Zeit, es ist Zeit, wieder einmal ein Fest für alle zu feiern!« Der vierzehnte Text beginnt mit den Worten »Nichts, // sagt er. // Lässt sich vergleichen // mit Paris«.
Einige Texte sind nicht sehr gut. Ein Text benutzt die Ausdrücke »Scheiß drauf«, »Scheiße«, »Scheißcafé«, »Scheißfluglinie«, und »Scheißdiplomaten«. Ein anderer Text benutzt die Worte »Hux«, »Hax«, »Hex«, »Hix«, und »Hox« als Ortsbezeichnungen. In einem Text heißt es: »Ich trage den Schwindel der Stadt im Gesicht, in den Augen im Gesicht, an den Wangen im Gesicht, an den Schläfen«. Ein Text endet mit den Worten »ich schreibe auf, um nicht zu vergessen, ich werde davon erzählen, eines Tages, ich werde ihm davon erzählen«.
Ein Text endet mit den Worten »Ein Vogel fliegt dicht über dem Wasser, der helle Vogelschatten gleitet vorüber, fast berührt der Vogelkörper das Wasser, und nachdem er verschwunden ist, bleibt die Bewegung noch einen Moment in mir, wie der Nachklang eines Liedes.« Ein Text beginnt mit den Worten »Ich trage einen weißen Pullover und schwarze Anzug-Schuhe, aber eigentlich ist der Pullover verwaschen, weshalb er eher eierschalenfarben zu nennen wäre.« Ein anderer Text endet mit den Worten »Ich hab dich lieb. Auf der Straße. Im Stau. Unter der Erde. Aus Glas.«
Die Anthologie ist die erste aus dem Verlag »poetenladen«. Er ist aus dem gleichnamigen »virtuellen Raum für Dichtung« hervorgegangen. Es erscheint hier außerdem ein halbjährliches Magazin, »poet[mag]«. In direkter Verbindung zum Magazin und/oder zum virtuellen Raum stehen acht der AutorInnen des rezensierten Buches. Der Titel der Rezension setzt sich zusammen aus Wörtern, die in den Titeln der Geschichten des rezensierten Buches zu finden sind.
Quietschblanke Tage, spiegelglatte Nächte. Großstadtgeschichten , hg. von Katharina Bendixen. (Leipzig: poetenladen, 2008). 160 Seiten. 12 Euro.

Am 22. August 2008 um 21:57 Uhr
[...] sehr reellen Verlag. Bisher sind dort zwei Anthologien erschienen (von denen eine schon von uns besprochen wurde), nun kommt der erste Lyrikband hinzu: Eine Übersetzung der Gedichte David Lerners. Der [...]