18 Jan

Tiere, die arm dran sind (3)

Von Nikolai Preuschoff

NacktmullTiere faszinieren uns aus den unterschiedlichsten Gründen. Da gibt es Tiere, die sind blind. Da gibt es Tiere, die sind nackt. Wieder andere sind hässlich. Oder leben im Dunkeln, unter der Erde. Und dann gibt es Tiere, die sind blind, nackt, hässlich und leben im Dunkeln, unter der Erde.

Einer von ihnen ist der Grottenolm. Der Grottenolm lebt in der völligen Dunkelheit europäischer Höhlengewässer, vor allem im Karst zwischen Slowenien und Montenegro. Er ist der Ordnungsfamilie der Schwanzlurche zuzurechnen und zeichnet sich unter diesen dadurch aus, dass er die Larvenform nie verlässt. Er wird aalförmig 20-30cm lang. Seine über die Jahrtausende verkümmerten, winzigen Augen sind von Hautpigmenten überwachsen. Insgesamt ist seine rosaweisse Haut so dünn, dass Adern und Blutgefäße durchschimmern.

Sehkraft und dicke Haut braucht der Grottenolm nicht; er lebt dort, wo es kein Licht gibt und sich nie ein anderes Lebewesen hinverirrt. Keine Fledermaus, kein Käfer, keine Alge. Ab und zu findet er eine Wasserassel oder einen Flohkrebs. Die isst er dann. Ansonsten ist der Grottenolm ein Hungerkünstler. Bis zu sechs Jahren kommt er ohne Nahrung aus. Möglicherweise noch länger. Einige Grottenolme werden bis zu siebzig Jahren alt.

Entbehrt die asketische Lebensweise des Grottenolms nicht einer gewissen Eleganz, kann man beim Nacktmull kaum von einer solchen sprechen. Wie der Grottenolm ist der Nacktmull blind, nackt, hässlich. Er lebt in völliger Dunkelheit unter den Halbwüsten Ostafrikas. Der Nacktmull ist ein Nagetier und gehört zur Familie der Sandgräber. Entfernt ist er mit dem Stachel- und dem Meerschwein verwandt. Er wird zwischen 5 und 15cm groß. Über die Körperbehaarung muss man beim Nacktmull, mit Ausnahme einiger Borsten- und Tasthaare, keine zusätzlichen Angaben machen. Die Augen sind so winzig, dass wir sie hier ebenfalls vernachlässigen können. Auch die Ohröffnungen sind klein, die Tiere haben keine Ohrmuscheln.

Die Haut schimmert rosa und ist sehr elastisch, so dass sie schnell Falten wirft. Das Gesicht des Nacktmulls ist entstellt durch zwei paar vergleichsweise riesige Schneidezähne. Der Nacktmull ist in einem faschistischen Bausystem streng hierarchisch organisiert, an dessen Spitze sich die Nacktmull-Königin befindet. Die Königin ist immer von einer Anzahl Begatter umgeben. Die anderen Weibchen hält sie auf ihren Kontrollläufen durch die weit ausfächernden Gänge der Kolonie so unter Stress, dass diese keine Eierstöcke ausbilden können, also unfruchtbar bleiben.

Naturgemäß haben die Nacktmulle eine sehr hohe Inzestrate. Die vom Sexualleben ausgeschlossenen Nacktmulle unterteilen sich in Gräber, Erdauswerfer und Bewacher. Nacktmulle haben kein Schmerzempfinden. Es ist bekannt, dass einige Gräber Wurzeln als Staubmasken verwenden. Erwähnenswert ist noch, dass sich Nacktmulle rückwärts ebenso schnell bewegen können wie vorwärts. Außerdem können sie ihre Nagezähne einzeln bewegen.

Nacktmulle ernähren sich von Wurzeln, Knollen, Insekten und Larven.
Ihre Lebenserwartung liegt bei 10 bis 30 Jahren.

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