Film im Kopf
Die neuesten Blockbuster kommen immer sonntags im Privatfernsehen. Viele von denen hat man im Kino nicht gesehen und kann es so nachholen. Wie ich aber weiß, haben viele von Euch gar keinen Fernseher. Andere unter Euch haben sonntags immer etwas anderes vor, und wieder andere können sich nicht entscheiden, welchen der angebotenen Filme sie sich ansehen wollen, entscheiden sich dann doch und verpassen dadurch die Alternative(n). Für alle die folgt jetzt eine Wiedergabe. Die wesentlichen Elemente eines Films sollen dabei in eine verständliche Form gebracht werden, so dass man anschließend mitreden kann, ohne Zeit vorm Fernseher verschwendet zu haben, denn das kann man sich heutzutage meist nicht leisten, außer man ist arbeitslos.
Beginnen wollen wir heute mit dem Film The Day After Tomorrow, ausgestrahlt gestern, am 6. April um 20:15 auf RTL. Er fängt an mit einer atmosphärischen Kamerafahrt über eine sonnendurchflutete Eisgegend, so dass man sieht, wie schön Eis sein kann. Im Film aber ist es eher destruktiv. Der Meteorologe Dennis warnt die amerikanische Regierung vor den Folgen der rasanten Klimaveränderung, die er selbst so auch nicht vorausgesehen hat. Aber ein Superrechner hat die Daten bestätigt. Die Herrschenden hören aber nicht zu, weil sie den Interessen der Wirtschaft verpflichtet sind. Jedoch bilden sich riesige Unwetter und ziehen extrem kalte Luft – 140 Grad minus – aus dem Universum. Wie schnell das geht, sieht man an drei Hubschraubern, die in der Luft einfrieren. Das Wetter spielt durch diese bedenkliche Entwicklung insgesamt verrückt. Los Angeles wird von mehreren Tornados verwüstet, und auch die Hollywood-Buchstaben werden zerstört, was ein Hinweis auf die Filmindustrie ist.
Die Frau von Dennis ist eine Ärztin. Sie liest einem tumorkranken Jungen Peter Pan vor, obwohl alle anderen schon geflohen sind. Ihr gemeinsamer Sohn Jake ist nach New York gefahren, weil er ein Mathegenie ist und in ein Mädchen mit sehr hübschen braunen Haaren verliebt ist. New York wird von einer Tsunamiwelle heimgesucht, und viele flüchten sich in die Stadtbibliothek. Schön, dass mal eine Bibliothek im Zentrum eines Films steht. Jakes Angebetete rettet noch die Handtasche einer französischen Afrikanerin aus einem Taxi und wird dann in letzter Sekunde von Jake vor der Riesenwelle gerettet.
In der Bibliothek telefoniert Jake mit seinem Vater und ertrinkt dabei beinahe, die ganze Szenerie kann man sich so ähnlich vorstellen wie in Titanic. Hier zeigt die Freundin nicht so viel Chuzpe wie bei der Französin, sie wartet nur ab. Aber Jake schafft es alleine und wird immerhin danach von ihr gewärmt, weil er ziemlich durchgefroren ist. Kurze Zeit später treibt noch ein russisches Geisterschiff durch die überflutete Avenue. Dann friert alles ein, und eine Weltstadt liegt im ewigen Eis begraben.
Es schneit immer mehr, und einige Leute gehen weg, aber Dennis hat Jake am Telefon gesagt, dass er besser warten soll, bis das Unwetter vorbei ist. Jake versucht die Leute zu warnen, aber nicht viele hören auf ihn. Das ist aber auch ganz gut so, denn die Lebensmittel sind begrenzt, es gibt nur einen Automaten mit Chips und M&Ms. Auf Jakes Geheiß werden Bücher gesammelt und in einem alten Kamin in einem gut eingerichteten Wohnzimmer im Obergeschoss der Bibliothek verbrannt. Nimmt man dazu Nietzsche oder Steuerrecht? Die Frage ist wohl klar, aber interessant, dass in so einer Situation noch über solche Sachen gestritten wird.
Jakes Vater Dennis macht sich währenddessen auf nach New York, seinen Sohn retten. Er hat Polarerfahrung und zwei Freunde kommen mit, einer stürzt aber bald durch das Eis in ein Kaufhaus und ist tot, der andere fällt kurz darauf um, wird aber von Dennis in einem Bündel hinterher gezogen. Die Freundin von Jake hatte sich am Bein verletzt, aber nichts gesagt über ihre Wunde, was jetzt zu einer Blutvergiftung geführt hat. Als Jake mit zwei Freunden auf das im Eis festsitzende russische Schiff geht, um Medikamente zu holen, werden sie von Wölfen angegriffen, die vorher in dem allgemeinen Durcheinander entlaufen waren. Einer der Freunde wird dadurch verletzt und muss in einem Gummiboot zurück in die Bücherei gezogen werden. Hier kommt der Sohn ganz nach dem Vater. Nach einigen dramatischen Zuspitzungen treffen sich die beiden schließlich. Es gibt nichts Schöneres für einen Vater, als seinem Sohn das Leben zu retten, noch dazu in Gegenwart von dessen zukünftiger Freundin. Das ist ein Signal der Hoffnung inmitten der Zerstörung.
Der Vizepräsident, der den toten Präsidenten ersetzt hat, macht am Ende eine Ansprache: Man ist sehr dankbar gegenüber Mexiko, weil sie nach anfänglicher Weigerung die Grenzen für die US-amerikanischen Flüchtlinge aufgemacht haben. Er sagt außerdem, dass man mit den Resourcen der Erde nicht so sorglos hätte umgehen dürfen. Hoffen wir, dass es in echt nie so weit kommt.
Am 7. April 2008 um 02:23 Uhr
Ich tippe auf Nietzsche.
Am 7. April 2008 um 10:49 Uhr
Ich muss auf dem Gegenteil bestehen!