Emily Gould’s Blog Confessions
I had made my existence so public in such a strange way, and I wanted to take it all back, but in order to do that I’d have to destroy the entire Internet.
Es lohnt sich wirklich, den Artikel der Bloggerin und Autorin Emily Gould über Ihre Zeit beim US-amerikanischen Blogriesen Gawker.com zu lesen. Der Text ist im letzten New York Times Magazine erschienen (für uns hier) und handelt vom Reiz großer Aufmerksamkeit, vom Drang, die eigene Geschichte zu erzählen und wie das – in diesem Fall – am Ende einfach nur schiefgeht. Es liest sich eher wie eine Kurzgeschichte als wie ein Magazintext, ist aber ein sehr reales Beispiel dafür, wie sich der Umgang mit Privatem und Öffentlichkeit verändern kann, wenn das alte mediale Einbahnstraßenmodell von Sender und Empfänger auf dem Sterbebett liegt.
Man kann den Artikel kulturpessimistisch lesen, den Verfall von Qualität, Moral und Privatsphäre in Zeiten des Internets beweinen und sich Papier als einziges Textmedium zurückwünschen. Oder man kann den Artikel nüchtern als Zeichen sehen, dass sich Dinge ändern und dass Privatheit morgen vermutlich nicht mehr dasselbe bedeutet wie gestern – und dass wir uns Strategien überlegen müssen, damit umzugehen.
Und wer jetzt sagt, „das betrifft mich nicht – selber Schuld, wer seinen Privatkram ins Netz stellt”, der könnte sich fragen, ob er schonmal eine Email versehentlich an die falsche Adresse geschickt hat, wie viele peinliche Fotos er von sich auf seiner Festplatte hat und ob er garantieren kann, dass jeder, der etwas Unangenehmes über ihn weiß, damit so umgeht wie er sich das wünscht.