19 Mai

Für immer ist eine lange Zeit

Von Michael Duszat

»Massais leben in der Gegenwart. Wenn man sie ins Gefängnis wirft, sterben sie, weil sie sich nicht vorstellen können, dass sich dieser Zustand jemals ändert.« Diese einfache Wahrheit begreift die junge Schweizerin Nina in dem Film Die weiße Massai (Free-TV-Premiere am 19.05.08 um 20 Uhr 15 auf Sat1) erst, als es zu spät ist. Aber wir müssen auch in dieser Nacherzählung eines aktuellen Film-Events am Anfang der Geschichte beginnen…

Irgendwo in Afrika. Die Schweizer Touristen Nina und Stefan treffen im Urlaub den edlen gutaussehenden Wilden Limibab. Es funkt sofort zwischen der jungen Frau aus der Schweiz und dem stolzen Bewahrer alter Stammestraditionen. Nina denkt: »Das isses. Dafür ist das Leben da.«

Stefan wird eifersüchtig und macht auch einen ziemlichen Fehler, weil er dem Massaikrieger für seine natürliche Freundlichkeit einen Geldschein gibt. Nina entscheidet, sie kommt nicht mehr mit nach Hause. Sie sagt, sie muss es tun und erinnert sich an die Geschichte eines Mannes, der einmal ohne ersichtlichen Grund in eine Sicherheitszone im Flughafen gelaufen war und hinterher sagte: Ich musste es einfach tun. Stefan versteht das nicht, fügt sich aber und fliegt alleine heim.

Nina muss feststellen, dass Lemabai bereits weg ist. Kurzentschlossen fährt sie ihm in einem abenteuerlichen Bus mit vielen bunten Koffern oben auf dem Dach nach in dessen Heimatort. Sie findet es gut, dass der Ort nicht im Reiseführer steht. Die afrikanischen Menschen im Bus sind alle sehr freundlich. Aus dem Fenster sieht Nina farbenfroh gekleidete afrikanische Bauern und ein Kamel.

Angekommen, wartet die junge Frau aus der Schweiz auf den Krieger, der gerade nicht da ist und trifft derweil eine andere weiße deutschsprachige Frau, die schon in dem Dorf verheiratet ist. Diese sagt ihr direkt, dass eine Frau hier nicht viel zählt. Aber die junge Schweizerin lässt sich nicht abschrecken und geht mit dem stolzen Krieger in die Wildnis. Dort heißt es zunächst mit der Sprachbarriere klar zu kommen und das örtliche, zunächst fremdartige Essen auszuprobieren. Nina wiederum bringt Lambai die Liebe bei: nicht zu schnell bitte, ganz langsam kann es auch viel Spaß machen!

Ein italienischer Priester, der mit einem Gewehr in einem Garten zwischen vertrockneten Feldfrüchten steht, springt zunächst nicht auf die freundliche, offene Art der jungen Schweizerin an: Er braucht das Auto für Krankentransporte und kann sie daher nicht mit in den nächsten Ort nehmen, damit sie vernünftiges Essen kaufen kann. Es gibt auch Probleme mit den örtlichen Behörden, die Nina mitteilen, dass sie als Weiße gar nicht einfach so an dem Ort leben darf. »Warum das denn nicht?« fragt Nina, denn für sie spielt Hautfarbe überhaupt keine Rolle.

Aber sie muss sich in Nairobi registrieren lassen oder gehen. Beim Immigrationsbüro wiederum will man Lemalian nicht hineinlassen, weil er in den Augen der Beamten zu leicht bekleidet ist. So wird die Angelegenheit verschoben, und die jungen Verliebten wenden sich einem schöneren Zeitvertreib zu, vielleicht dem schönsten, den es überhaupt gibt, ob nun in Afrika oder Amerika oder sonstwo auf der Welt. Lembabi demonstriert erfrischende Offenheit: »Now you get a baby.«

Zunächst aber bekommt Nina Malaria, erholt sich aber zum Glück bald. Als nächstes ruft sie ihre Mutter an, sagt bescheid, dass sie jetzt für immer in Afrika lebt, in einem Dorf, dass sie Geld braucht und dass die Mutter ihr das schicken soll.

Von dem Geld kauft Nina ein Auto, mit dem dann erst einmal viele Sachen nach Hause transportiert werden können. Weil hinten auf der Ladefläche auch viele Frauen sitzen, will Lamalian zeigen, dass er ebeno gut Auto fahren kann und setzt den Wagen gegen den nächsten Baum. Nina bekommt »eine Ahnung davon, dass es Dinge gab, die schwieriger sind als Küsse.«

Als nächstes wird geheiratet, und tatsächlich ist die junge Schweizerin mittlerweile auch schwanger. Sie lässt es sich nicht nehmen, bei der Zeremonie ein weißes Brautkleid zu tragen. Zwischendurch wird auch ein unangenehmes Thema nicht ausgespart: die rituelle Beschneidung von Mädchen. Nina findet es zynisch, dass der italienische Priester da bloß tatenlos zusieht. Als nächstes wird eine Party gefeiert, und in Nina reift die Idee, im Dorf einen eigenen Laden aufzumachen.

Der Laden läuft auch gut, aber bald findet sie heraus, dass ihr Mann allen Verwandten, Freunden und Nachbarn die Dinge auf Kredit überlässt, was natürlich nicht geht: »It’s business!« sagt sie. Und dann kommt auch noch Schutzgelderpressung dazu, und der eigentlich recht nichtsnutzige Neffe des örtlichen »Mini-Chief« muss in ihrem Laden arbeiten dürfen. Das lässt sich Nina aber nicht bieten.

Nebenbei muss Nina einer Hochschwangeren helfen, die von den abergläubischen Dorfbewohnern gemieden wird, weil sie angeblich verhext ist. Die Hilfsaktion gerät jedoch zu einer Katastrophe, und die junge Frau aus der Schweiz muss nun lernen, mit dem Tod zurechtzukommen. Die eigene Schwangerschaft läuft anfangs auch nicht sehr gut, aber zum Glück kommt ein Rot-Kreuz-Flugzeug.

Der Priester warnt Nina, dass sie die örtlichen Männer »nicht so direkt anschauen« solle. Sie glaubt aber nicht, dass das ein Problem ist. Allerdings reagiert Lamalian anders, wobei wohl auch der Alkohol aus ihm spricht: Er beschuldigt sie ohne Pause, ihm untreu zu sein und sagt ihr noch Schlimmeres. Schließlich wird er sogar handgreiflich, kriegt aber – damit hat er nicht gerechnet – direkt eine zurück. Lamalians Problem ist nicht Eifersucht, sondern sein antiquiertes Männlichkeitsbild, und seine Frau ist ihm insgesamt zu selbstständig geworden.

Nina selbst hat genug und sagt, sie brauche erst einmal Urlaub, doch Lamanien glaubt ihr nicht. Und er behält Recht. Denn Für immer ist eine lange Zeit: Nina fährt mitsamt ihrer Tochter, der sie ihren eigenen Familiennamen gibt, nach Hause in die Schweiz, wo sie seitdem lebt.

Eine Reaktion zu “Für immer ist eine lange Zeit”

  1. Jasper

    Ich finde es eigentlich total ok, jemandem für Freundlichkeit auch mal einen Geldschein zu geben.

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