Sammeln & Seltenes: Rare Mangas Man Gatarous
Also. Ich will ja nicht dick auftragen, aber Man Gatarou kennt, außerhalb Japans, wirklich niemand. Google nicht, Wikipedia nicht, Amazon nicht. Auch nicht der gut sortierte Comic-Laden um die Ecke oder die japanische Buchhandlung in Hamburg oder Paris. Das kann man gerne nachprüfen (und ich lasse mich da auch gerne eines Besseren belehren [1]). Somit wird das hier, sobald ich es fertig geschrieben habe, der erste informative Man-Gatarou-Eintrag im Netz sein, der in lateinischen Buchstaben verfasst ist.
Man Gatarou (eigentlich 漫☆画太郎) ist Comic- oder, richtiger gesagt, Manga-Zeichner. Daher sein Pseudonym: Manga-Taro (wobei der ☆ im Namen fester Bestandteil dieses Pseudonymns zu sein scheint). Die drei Bände, die ich hier vorstellen möchte, sind zwischen ’96 und ’97 als Band 1, 2 und 3 der Reihe Hell Koshien bei Jump Comics erschienen. Ich habe sie geschenkt bekommen. Und seitdem hole ich sie immer dann wieder hervor, wenn ich jemand von der Vielseitigkeit der japanischen Manga-Kultur überzeugen möchte. Der Freund, selbst ein großer Man☆Gatarou-Fan, hat sie damals antiquarisch erstanden; und anders bekommt man sie bis heute nicht. Die Bücher sind im typischen, kleinen Taschenbuch-Format gehalten, rund 200 Seiten dick und schwarz-weiß gedruckt. Gelesen werden sie, wie die meisten japanischen Printerzeugnisse, von rechts nach links.
In Band 1 (klärende Anmerkung vorneweg: Japanisch kann ich nicht lesen, nur die Bilder; ein paar der lautmalenden Hiragana- und Katakana-Zeichen sind aber durchaus verständlich) geht es um ein College-Baseball-Mannschaft (Baseball ist ja, noch vor Sumo, der beliebteste Sport in Japan). Mit einem Mal muss diese gegen ein bewaffnetes Team von Zombies oder Monstern antreten. Zum Glück hat das Schüler-Team, das später noch vom Schuldirektor und einem Sportlehrer (s. Cover Bd. 2) tatkräftig unterstützt wird, einen richtig guten Werfer-Helden (s. Cover Bd. 1), der im wörtlichen Sinne explosive Bälle werfen kann. Der weitere Handlungsverlauf ist nicht besonders wichtig, hauptsächlich bekommen beide Seiten ständig Bälle ins Gesicht, verlieren Zähne und Hosen, kotzen oder werden auf verschieden Arten zerfetzt. Am Ende gewinnen die Schüler, aber so klar ist das auch nicht.
In Band 2 wird diese Geschichte fortgesetzt bzw. sie wird ähnlich nocheinmal erzählt, nur dass diesmal auch eine Art Werwolf auftritt. Es zeichnet sich also bereits ab, dass die Wiederholung – wie auch in den anderen Büchern Man☆Gatarous – hier als ein wichtiges ästhetisches Mittel zur Anwendung kommt. Konkret sieht das so aus, dass sich ein und dieselbe Bildfolge, die sich meist nur über zwei Seiten erstreckt, wieder und wieder mit nur geringen Abwandlungen wiederholt. Die Erzählung selbst gerät auf diese Weise natürlich recht kurz, auf der anderen Seite gewinnt sie gewissermaßen dadurch an Komplexität, dass für den Leser offenbleibt, was sich nun tatsächlich ereignet oder was nur geträumt oder was evtl. vom Erzähler doch noch wieder korrigiert wird. Eingebettet in den zweiten Band ist außerdem eine Geschichte, in der ein kleines Mädchen, eine Großmutter und ein Koch im Mittelpunkt stehen. Alles scheint sich um eine Schale mit Suppe zu drehen, mit der das Mädchen ständig durch die Gegen rennt, wohl auf der Flucht vor dem Koch. Am Ende verhaut das Mädchen den Koch, und die Großmutter liegt tot im Bett.
Band 3 knüpft da an, wo Band 2 aufgehört hat. Nur scheint der Beginn stärker auf das Leben in der Schule, fernab des Sportplatzes zu fokussieren. Ein offenbar durchgeknallter Lehrer liest vor der Klasse aus Aufgabenheften vor, um dann mit voller Wucht Backpfeifen zu verteilen, so dass es den pausbäckigen Schülern den Rotz nur so aus den Nasen schleudert. Laufender Rotz und dicke Backen scheinen, neben runtergezogenen Hosen, ein Leitmotiv Gatarous zu sein. Dies also nun wiederholt sich einige Male, bevor es auf den Sportplatz geht. Dort muss ein irgendwie völlig nackter Schüler den Ball zu einer Mumie werfen, die mit dem Baseballschläger bereit steht. Der Schüler wirft, doch der Ball explodiert und entpuppt sich als Nagel-Bombe, die den Schüler ziemlich fies erwischt und was vom Künstler entsprechend drastisch dargestellt wird (s. Cover Bd. 3). Der bereits aus dem ersten Band bekannte Zombie-Anführer sitzt auf der Bank und schaut sich die Szene lachend an. Das ganze wird jetzt noch ein paar Mal wiederholt und variiert. Am Ende verfolgt den bereits von den Nägeln getroffene Schüler zusammen mit dem gleichfalls arg lädierten Sportlehrer ein großer, fliegender Baseballschläger mit Raketenantrieb; sie rennen davon, stolpern dann jedoch über einige gerade aus einer umkippenden Kiste fallende Baseball-Bälle. Doch gerade bevor sie die riesige Schläger-Rakete erreicht, wird diese seitlich von einem großen Baseball getroffen. Es kommt zur Explosion, Schüler und Lehrer sind in letzter Sekunde gerettet. Über ihren Köpfen auf dem Stadion-Dach sehen wir nun den Retter: Es ist der Werfer-Held, den wir bereits aus dem ersten Band kennen.
Man☆Gatarou wurde 1971 in der Präfektur Shizuoka geboren und besuchte die Kanazawa Yokohama City High School. Seine Werke sind selbst in Japan wohl nur den Fans des Genres bekannt – und werden vermutlich ganz auch nur von diesen verstanden. Andere seiner Titel lauten (in etwa): Zhen Reisen unvollständige Version Bd. 1-3, Er ist ein Kunde Comics oder schlicht: Seltsame Malerei. Nur unwesentlich bekannter dürfte die Verfilmung des soeben vorgestellten Stoffes sein, für die Man☆Gatarou das Drehbuch schrieb: Battlefield Baseball (Beispiele finden sich hier und hier <– Vorsicht, Beispiel 2 ist ca. FSK 16).
Abschließend sei vielleicht noch darauf hingewiesen, dass man Gatarous Mangas aus dem Kontext des japanischen Manga-Universum verstehen sollte, in dem sie sicherlich ein Extrem, aber eben nur das eine Extrem bilden (Beispiele hier, hier und hier).
Man Gatarou: Hell Koshien, Jump Comics, Tokyo, 1996-1997, antiquarisch in Japan ca. 400 ¥ / Vol.
[1] Folgenden Link habe ich nun doch noch gefunden: Hier gibt es noch einen informativen Man☆Gatarou-Beitrag, der sich um Nature Boy Zoo-Ichi dreht. Und, noch besser: Der Autor bietet das erste Kapitel obendrein zum Download an – in einer englischen Übersetzung, die er offenbar selbst besorgt hat!
Am 2. September 2008 um 08:54 Uhr
Es hat etwa zwei Drittel des Textes gedauert, bis ich den Genitiv des Titels verstanden habe. Danke für die Einführung ins absurde Genre der Baseballnagelbombencomics!
Am 2. September 2008 um 17:16 Uhr
@Hannes: Es hat Stunden gedauert, bis ich mir einigermaßen darüber im Klaren war, wie ich den Name richtig transkribiere. Das wollt ich dem Leser nicht ganz ersparen
Gerne!