David Foster Wallace und Klickstreckenirritationen
Man stelle sich eine Runde netter, lesefreudiger Menschen vor und ein anregendes Gespräch über David Foster Wallace. Es dreht sich um die enorme Schwierigkeit, ein über tausendseitiges Werk zu übersetzen, welches Züge von David Lynch hat und dazu mit Massen an medizinischen Fachbegriffen gespickt ist. Man unterhält sich in bewunderndem Ton über den Mut, dessen es bedarf, eine solche Arbeit anzugehen und darüber, wie es sich wohl anfühlt, Jahre mit den Wörtern und Sätzen eines einzigen Buches zu verbringen. Plötzlich ruft einer, der die ganze Zeit nichts gesagt hat, dazwischen: “Hey, benutzt einer von Euch eigentlich noch das Wort ‘Schlüpfer’?” Er kichert kurz und fährt dann fort “Oder ‘Käseigel’: Wo gibt’s denn heute noch sowas!”.
Unter gewissen Umständen habe ich eine Menge übrig für gezielt gesetzte Irritationen. Beim Lesen des SZ-Beitrags über die Übersetzung von Foster Wallace’s “Infinite Jest” fand ich es dann aber doch etwas dämlich, zwischen Absatz vier und Absatz fünf auf die Bildergalerie “Bedrohte Wörter: And the Käseigel goes to…” hingewiesen zu werden – samt Teaserbildchen von alten Herren in Feinripp und knapp bekleideten Asiatinnen neben dicken Schlitten.
Egal, der Text mit dem albernen Titel “Jäger des verlorenen Wortschatzes” ist trotzdem lesenswert.
Am 22. September 2008 um 10:15 Uhr
Jaja, diese Klickstrecken! Die alt-neue Internet-Pest sondergleichen!
Aufklärung und Erheiterung hierzu bei: http://www.stefan-niggemeier.de/blog/wozu-klickstrecken-wegen-der-uebersicht/
Am 22. September 2008 um 16:35 Uhr
Das ist mir zum Glück gar nicht aufgefallen. Der Artikel ist dennoch interessant und ich bin heilfroh, dass ich Infinite Jest nicht übersetzen muss.