Offline-Shopping (1): Den Büchern ihren Raum geben
In der Buchhandlung ebertundweber ist weniger mehr. Das ist gut für die kleinen Verlage.
„Laufkundschaft haben wir kaum, hier ist ja nicht viel los – außer nachts.” Eine Subways-Filiale gibt es und vereinzelt ein paar andere Geschäfte. Es ist belebter geworden am Schlesischen Tor und in der Falckensteinstraße. Die meisten Menschen kommen hier aber auf dem Weg zum Lido oder zu einer der Kneipen in der Schlesischen Straße vorbei. Das ist vor allem nach Ladenschluss. Trotzdem wollten Jessica Ebert und Katja Weber ihren Laden im Oktober 2006 unbedingt hier in der Nähe des Schlesischen Tores eröffnen und haben sich einen alten Traum erfüllt. Die Buchhandlung ebertundweber will kleinen Verlagen ein Forum bieten. Das gelingt ihr gut.
Im ersten Bücherregal, das dem eintretenden Kunden ins Auge fällt, stehen Blumenbar, kookbooks, Luftschacht & Co. nicht dicht an dicht, sondern haben Platz zwischen den Regalbrettern. Sie stehen einzeln und mit dem Titel in den Raum hinein. Fast der gesamte Vorraum, gut die Hälfte des mit 50 Quadratmetern wahrlich nicht großen Ladenlokals, ist den kleinen Verlagen gewidmet. Dort finden sich auch die Literaturzeitschriften Belletristik, [SIC] und Bella Triste. Was bei ebertundweber im Regal steht, sind die Bücher, die Katja Weber und Jessica Ebert selbst gern lesen. Die Kunden, sagt Katja Weber, freuen sich über die kleinen Verlage.
Dem Weniger-ist-mehr-Prinzip folgt auch der hintere Teil des Ladens mit den englischen Titeln und den Kinderbüchern. Ein Sofa steht dort und ein Maltisch für Kinder, der auch viel zum Einsatz zu kommen scheint. „Viele unserer Kunden sind junge Leute mit Kindern. Ansonsten Menschen, die hier wohnen oder hier arbeiten und auch immer mehr alteingesessene Kreuzberger, die am Anfang zurückhaltender waren, im Sommer viele Touristen”, sagt Weber.
Wie so viele Buchhandlungen dieser Größe leben auch ebertundweber vor allem von Stammkundschaft. Junge Leute unter zwanzig kämen gar nicht: „Denen ist das zu klein.”
Man muss sich, kann sich gar nicht durch eine Büchermasse arbeiten, um dann einen Fund herauszuziehen. Soll man auch nicht, findet Weber: „Wir wollen wenig anbieten.” Das Wenige hat man schnell gesichtet. Jedes Buch kann den Kunden von seinem Platz aus zuwinken. So entdeckt man, was man in der Masse übersieht.
Für Veranstaltungen entscheiden sich Katja Weber und Jessica Ebert nach dem gleichen Prinzip wie für Bücher: „Hier sollen Autoren lesen, die wir beide gut finden.” Raul Zelik war zu Gast und Urs Mannhart, der Lieblingsautor von ebertundweber.
Ein Buch, das es bei Dussmann nicht gibt? Katja Weber will sich nicht auf eines beschränken. Sie zählt die kleinen Verlage auf. Die im ersten Regal, wenn man reinkommt, links.
ebertundweber. Falckensteinstraße 44. 10997 Berlin. Öffnungszeiten: Montag – Freitag: 9.30 – 19.00 Uhr. Samstag: 10.00 – 16.00 Uhr. www.ebertundweber.de.