12 Mrz

Imponieren mit gelesenen Büchern

Von Günne

… heißt der tolle Titel eines tollen Artikels bei telepolis. Im Kern geht es eigentlich darum, wer mit welchen Büchern angibt, die er, respektive sie, gelesen haben will. Da gibts dann natürlich die üblichen Verdächtigen wie Ulysses, die Bibel, Krieg und Frieden und so.

Ich mache jetzt mal eine Sache, die ich schon immer gerne mal machen wollte: eine Hitliste von Büchern, die ich gelesen habe und mit denen ich wahnsinnig gerne angeben würde.
Ich habe es noch nie gemacht, weil entweder interessiert sich keine Sau für diese Bücher oder ich hab es auch noch nie geschafft, das Gespräch so geschickt zu wenden, dass wir auch nur in die Nähe der Themen dieser Bücher kamen. Oder ich wollte auch nicht doof da stehen. Oder nicht protzen. Oder mich nicht blamieren. Oder nicht die halbe Menschheit als Feind haben, weil ich gegen DAS Kanonbuch frevele.
Aber jetzt will ichs. Und hier ist sie, meine ganz persönliche Hitliste von Büchern, von denen ich persönlich toll fand, dass ich sie wirklich gelesen habe und mit denen ich gerne mal angeben würde. Ganz spontan mal. In umgekehrter Reihenfolge:

6. Benjamin Blümchen
Ich habe ungefähr 17 Trilliardenachtundsiebzig Mal Benjamin Blümchen meinen Jungs vorgelesen. Und ich hasse, ich wiederhole: HASSE diesen Gut-Elefanten. Diesen easysleazy Alleslöser in sonniger Umgebung mit gesunden, problemlosen Mitmenschen. Diesen Meister Proper des Alltags. Ich habs trotzdem vorgelesen. Ohne mir was anmerken zu lassen.

5. Herr der Ringe
Ca. 100 Seiten von Band 1 (im Vergleich zu 20 Seiten von Harry Potter). Eine echte Leistung. Ich wollte ihm wirklich eine Chance geben. Aber: Fantasy saugt.

4. Umberto Eco – Das Foucaultsche Pendel
Um genau zu sein: “Foucault’s Pendulum”. Auf englisch. Und das mir. Der ich es in meiner gesamten Schulkarriere über keinen Dreier geschafft hab. Aber es war Urlaub. Rucksacktourismus. Griechenland. Es war das einzige Buch in dem Hostel, das englisch war und das ich kannte. Spektakulärer Blindflug. Gefühlt kannte ich jedes zweite Wort nicht.

3. Miguel de Cervantes – Don Quijote
Eigentlich ja “Don Quijote von der Mancha”. Vor dem Lesen wusste ich zwei Sachen über das Buch: “Der Kampf gegen die Windräder” und das erste Buch, das man einen “Roman” nennen konnte. Ich hatte so eine dtv-Dünndruckausgabe in einem Band mit der Übersetzung von Ludwig Braunfels, die wohl am nächsten an der Originalsprache dran war. Ich habe für die über 1.100 Seiten über ein Jahr und bestimmt 10 andere Bücher dazwischen gebraucht. Irgendwann auf Seite 67 stolpert man dann aus Versehen in diese Windmühlen-Geschichte rein und auf Seite 75 stolpert man wieder raus und denkt sich: Ja und was kommt jetzt noch? Aber da kommt noch Phänomenales. Weitschichtiges, Tieftrauriges, Erhellendes und vor allen Dingen groß Erzähltes.
Seit 2008 gibt es übrigens eine neue Übersetzung (Respekt schon mal dafür!), die im Carl Hanser Verlag erschienen ist (von denen es eine tolle Moby Dick-Übersetzung gibt. Aber das wäre ein anderer Listenplatz.). Sie ist nominiert für den Preis der Leipziger Buchmesse 2009 in der Kategorie Übersetzung.

2. Kommisar Maigret
Also ich kanns nicht haargenau überblicken, weil mir über die Jahre ein paar Bücher verloren gegangen sind. Wie es halt so kommt. Beim Umzug, oder verliehen. Oder verschenkt. Auf jeden Fall bin ich mal so dreist zu behaupten, dass ich (wahrscheinlich fast) alle existierenden deutschen Übersetzungen der 75 Kommisar Maigret-Romanen gelesen habe.

1. Bernward Vesper – Die Reise
Ich habs ganz gelesen, verstanden und sogar inklusive Ergänzungsband. Und das ist wirklich Namedropping hoch zehn. Sohn von NS-Dichter Will Vesper, Lebensgefährte von Gudrun Ensslin, an den Drogen, die er beschreibt, gescheitert. Unvollendet. Und jeder, dem ichs in die Hand gedrückt habe, hats mir höflich aber auch mit reichlich irritiertem Blick zurück gegeben. Keine Ahnung welches Zeitloch mir das Lesen ermöglicht hat. Großartig. Rezensionen bei Perlentaucher. Lesen!

Ich bitte um mindestens eine ähnliche Protzerei in den Kommentaren.

Wer sich das Lesen sparen will, kann hier eine Rezension von Kollege Hannes Bajohr nachblättern über einen Ratgeber von Pierre Bayard mit dem vielversprechenden Titel: Wie man über Bücher spricht, die man nicht gelesen hat.

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