Regal-Spannern war gestern. Oder: Buch-Voyeurismus global

Das “It’s happy bunny — Ultimate Sticker Book” geht nach Schweden, nördlich von Stockholm. In Israel kauft jemand den Lonely Planet “Ireland”. Dort, also in Irland, hat jemand soeben “Excel X for Dummies” erworben. Nun bestellt ein britischer Haushalt das Kochbuch “Kid’s Birthday Cakes”. Und jetzt in Italien, “Your Inner Fish: A Journey into the 3.5 Billion-Year History of the Human Body”. In Griechenland hat sich derweil schon zweimal “Green to Gold” verkauft, Untertitel: “How Smart Companies do dies und das”. Auf Malta greift jemand zum Thriller, “The Rock Rats”. Und in den Niederlanden will in diesem Moment jemand wissen: “How to be an Explorer of the World”.
Keine Frage: Voyeurismus kann sich auch auf Bücher richten. Fremde Bücherregale, zum Beispiel, versprechen so manchen Einblick. Verlockend ist es auch, in der U-Bahn heimlich den Buchtitel vom Nachbarn zu erschielen — oder dreist gleich ein paar Zeilen mitzulesen.
Eine neue Stufe erreicht der Buch-Voyeurismus jetzt mit einem Feature des britischen Online-Händlers The Book Depository: In Echtzeit kann man hier auf einer (Google-Maps basierten) Karte die eingehenden Bestellungen mitverfolgen. Alle paar Sekunden fährt die Kamera zu einer neuen Koordinate und eine Informations-Sprechblase zeigt Buchcover und Titel an. Ein Las Vegas für Buch-Voyeure, mit großartig-meditativem Potential.
Für manchen mag es dabei beruhigend sein, zu sehen, wieviele gedruckte Bücher sich doch noch so verkaufen. Andere werden sich bei jedem angezeigten Titel unwillkürlich eine Hintergrundgeschichte überlegen, was ganz amüsant sein kann. Das Sticker-Album zum Beispiel ist bestimmt für ein blondgezopftes Mädchen, der die Eltern alles kaufen und das schon eine riesen Sammlung ihr eigen nennt; in Israel sehnt sich jemand nach der grünen Insel, wobei er nicht ahnt, dass die Leute dort doch nicht so gut programmieren können, wie man immer dachte; in England stehen Kindergeburtstage an, und in Griechenland überlegt man sich Wege aus der Krise…
Am 28. März 2009 um 19:38 Uhr
Tolle Sache! Und kriegt man direkt Lust, ein Buch zu kaufen, was man eigentlich gar nicht haben will, um Verwirrung zu stiften.
Am 28. März 2009 um 21:03 Uhr
Korrektur: Schade, wäre auch zu schön gewesen — die Echtzeit sieht nur so aus als ob. Tatsächlich läuft die Kauffolge chronologisch rückwärts, sehe ich jetzt, und zwar minutenweise bis zu ca. eine Stunde in die Vergangenheit. Das muss wohl so, sein, damit die Sache immer im Fluss bleibt — falls doch mal Flaute ist im Geschäft.