13 Apr

Hier ist Berlin noch in Ordnung (6): Frohnau, Wildschweine vereinzelt

Von Nikolai Preuschoff

Frohnau Casinoturm

Es ist sehr ruhig in Frohnau. Die Wildschweinpopulation soll wieder zugenommen haben. Frohnau ist einer jener Stadtteile Berlins, wo man nicht so häufig hinkommt. Frohnau bildet den nördlichsten Rand von Reinickendorf. Nach Frohnau gelangt man mit der S1. Früher, als Grenzzaun und Todesstreifen Frohnau noch zu westlicher, nördlicher und östlicher Seite umschlossen, war Frohnau zugleich die Endstation dieser S-Bahnlinie.

Man verlässt das Frohnauer Bahnhofsgebäude in heiterem Sonnenschein. Sofort erkennt man das “Wahrzeichen” von Frohnau: einen hohen, düsteren Turm. Ein mittelalterlicher Multifunktionsturm, der 1910 gebaut wurde. Seine Aufgabengebiete waren: Wasser, Aussicht, Uhr. Damals, also in den zwanziger Jahren, haben Carl Einstein und Oskar Loerke hier in Frohnau gelebt. Und wohl auch einige Opernsänger. Heute ist, unter den schreibenden Frohnauern, der Krimi-Autor Horst Bosetzky zu nennen, sowie Reinhard Mey (wenn ‘Liedermachen’ als schreiben zählt), der hier auch geboren ist.

Am Fuß des Turmes liegt der Biergarten “King’s Snack”, dazu gehört der Imbiß “Pizzaiolo”. Auf einer Stellwand der Imbissbude hat jemand das Brandenburger Tor und den Fernsehturm gemalt. Auch Frohnau hatte bis vor kurzem einen Funkturm. Der wurde jedoch gesprengt.

Hinter dem Biergarten breitet sich der Ludolfinger Platz aus. Der Ludolfinger Platz ist so etwas wie der Dorfplatz von Frohnau, aber eigentlich ein kleiner Park, eine Grünanlage. Frohnau wurde damals, 1910, ja als “Gartenstadt” gegründet. Ein Mann liegt im Liegestuhl in der Sonne. Am Platz gibt es zwei Banken — eine Sparkasse und eine Volksbank — sowie eine Apotheke. Sie haben gerade geschlossen. Es ist sehr still hier, und sonnig. Strahlförmig gehen vom Ludolfinger Platz Straßen und Wege ab. Einfamilienhäuser wechseln mit niedrigen, flachdachigen Reihenhäusern, seltener Villen. Die Luft duftet nach Nadelbäumen.

Später erfahre ich, dass in einem Frohnauer Garten kürzlich ein Wildschwein erschossen werden musste.

Foto: N. P.

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2 Reaktionen zu “Hier ist Berlin noch in Ordnung (6): Frohnau, Wildschweine vereinzelt”

  1. Anne-Dore

    Im Süden Berlins wühlen die Wildschweine auch regelmäßig die Gärten auf :-)
    Aber Frohnau ist echt ne andere Welt. Da gibt es sogar ein buddhistisches Kloster auf einem Hügel mit indischen Mönchen und Laubhaufen, die man hin- und herfegen kann. Da hilft auch keine Zeichnung mehr vom Brandenburger Tor, da ist man jwd aus Berlin…

  2. luk

    …wer dieser Mann im Liegestuhl wohl gewesesen ist^^ :P