Sonntag Abend. Helene Hegemann ist in ein Taxi gestiegen. Wolfgang Müller steht auf der Bühne und singt. Einige der LAN-Veranstalter sitzen im Restaurant WAU und essen endlich mal was. Jochen Schmidt signiert, stehend, im Foyer.
Jochen Schmidt ist alle. Total alle.
Es gibt zwei Frauen, die wissen das. Katja Weber und Jessica Ebert der Kreuzberger Buchhandlung ebert und weber standen drei Abende lang am Büchertisch, am Stimmungsknotenpunkt des LAN-Festivals. Während sie zusammenpacken, was übrig ist, fassen sie zusammen, was sie nicht mehr einpacken können.
Also den Schmidt haben wir gerade supergut verkauft. Der hat einfach großartig gelesen – die Leute kamen raus und haben sich alle auf den Schmidt gestürzt. Ausverkauft. Das ist so wie immer: Wenn die Autoren gut lesen, dann wollen die Leute die Bücher auch haben. Dann macht es denen auch nichts aus, ein Hardcover zu kaufen, so wie das dicke, dicke Proust Buch.
Jan Wagner kam heute auch gut an. Vor allem der Band, aus dem er gelesen hat, die “Achtzehn Pasteten”. Heute wollten alle Proust und Pasteten. An den anderen Abenden haben wir vor allem Thomas Klupp mit “Paradiso” und Lucy Fricke sehr gut verkauft. Die waren total schnell weg. Obwohl beide Hardcover sind.
Jenny Erpenbecks “Heimsuchung” ging heute das erste Mal über den Tresen. Am Freitag, an dem sie gelesen hat, haben wir sie kein einziges Mal verkauft. Dabei ist die Erpenbeck ja supergut besprochen worden. Wahrscheinlich liegt das am Unterhaltungswert: Bei Lesungen ist der immer ganz wichtig. Ernste Texte haben es schwer – witzige kommen einfach besser an, gerade wenn man nur 15 Minuten Zeit hat wie hier auf dem LAN-Festival.
Nur heiter reicht allerdings auch nicht, zumindest nicht für gebundene Ausgaben. Der Schmidt zum Beispiel ist ja auch sehr lustig, aber der ist eben nicht einfach nur lustig. Und deswegen beschwert sich auch keiner, den im Hardcover zu kaufen und 20 Euro dafür auszugeben.