12 Sep

In Zukunft ohne ihn

Von Felix Lüttge

David Foster Wallace

In den USA wussten die meisten, wer er war. In Deutschland lasen viele Freunde zeitgenössischer Literatur zum ersten Mal von David Foster Wallace, als die Nachricht von seinem Selbstmord um die Welt ging.

Das mag mit Infinite Jest zusammenhängen, seinem großen postmodernen Roman, der in den USA schon 1996 erschien, zum Zeitpunkt von Wallaces Tod aber auf Deutsch noch nicht erhältlich war. Inzwischen ist er es. Am 24. August 2009 erschien das 1500-Seiten-Werk bei Kiepenheuer&Witsch unter dem Titel Unendlicher Spaß in der Übersetzung von Ulrich Blumenbach. Die Rezensenten hatten viel Lob übrig für dieses Buch, man liest regelrechte Ehrfurcht aus den Besprechungen heraus (Rezension der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung).

Nun jährt sich David Foster Wallaces Todestag zum ersten Mal und es ist still in den Feuilletons. Sie haben sich von so viel Wallace noch nicht erholt. Dessen Fans werden im Internet nicht müde, an DFW, wie sie ihn nennen, zu erinnern. Die Anekdoten, die über ihn erzählt werden, die Geschichten, die Leser und Bekannte erlebt haben, malen alle dasselbe Bild eines schüchternen, unglaublich freundlichen Mannes.

Da gibt es die Geschichte, dass Wallace einer Frau, die Mitglied in einem David-Foster-Wallace-Lesezirkel und an Brustkrebs erkrankt war, eine Postkarte schickte, als er von einem gemeinsam Freund von der Krankheit erfahren hatte. Er schrieb darin, eines seiner Lieblingswörter sei „abide” (aushalten). Oder die, dass er die Texte seiner Schüler in den Schreibwerkstätten abtippte und dann handschriftlich kommentierte, mit kleinen Smileys zwischen den Korrekturen.

Diesen Eindruck bekommt auch, wer das lange aspekte-Interview mit Wallace sieht, das mehr und mehr zu einem Gespräch wird, in dem er sich der Sorgen der Interviewerin annimmt.

Wallace litt über zwanzig Jahre unter Depressionen. Die wenigsten in seinem Umfeld haben das mitbekommen, er war stets der freundliche Mensch, dem der Trubel um seine Person unangenehm war. Im letzten Sommer setzte er die Antidepressiva ab, weil er glaubte, dass sie ihn, neben anderen Nebenwirkungen, vom Schreiben abhielten.
Es ist schade, um die Bücher, die DFW nicht mehr schreiben wird. Und es ist, so scheint es, schade um einen Menschen, den man gern gekannt hätte.

Heute vor einem Jahr setzte David Foster Wallace seinem Leben ein Ende.

Foto: Steve Rhodes

Eine Reaktion zu “In Zukunft ohne ihn”

  1. Nikolai

    Wer’s noch nicht kennt, beim Harper’s Magazine gibt es die David Wallace-Artikel (1989, “Everything is Green”, bis 2008, “The Compliance Branch”) frei als pdf: http://www.harpers.org/archive/2008/09/hbc-90003557 (Ich empfehle: “Tense Present: Democracy, English, and the wars over usage”!)
    … und dieses Rückblicks-Portrait von David Lipsky ist ebenfalls beeindruckend: http://www.rollingstone.com/news/story/23638511/the_lost_years__last_days_of_david_foster_wallace/1

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