31 Okt
Links gegen Herbstdepressionen — noch mehr!
Wenn heute wieder ein Großteil der westlichen Welt dem heidnischen Brauch irischer Auswanderer nacheifert, der um 1830 in die USA gebracht wurde, wo er sich seither zum reinsten Konsumschlager entwickelt hat, wird es Zeit (zumal, wenn man selbst auf keine Halloween-Party eingeladen ist) für neue “Links gegen Herbstdepressionen”: “Links gegen Herbstdepressionen — noch mehr”!
- Da ist zum Beispiel der Significant Objects Blog, von dem ich schon lange berichten wollte — dieser beruht nämlich auf einem sehr, sehr guten Einfall, der gute Laune macht: Jemand schreibt über einen bestimmten Gegenstand eine interessante Geschichte. Dadurch wird dieses Ding plötzlich interessant — und wertvoller! Der Beweis: Anschließend wird der Gegenstand bei eBay verkauft, und die Mehreinnahmen ergeben dann die Wertsteigerung. Den eigenen Angaben nach hat significantobjects.com bisher für 111$ Objekte eingekauft und diese dann für insgesamt 2718$ weiterverkauft. Das beweist: Schreiben lohnt sich! (Heute geht es um ein Cracker Barrel Ornament, und es ist Objekt 89 von 100.)
- Die Auferstehung des Pictorial Webster’s (ein Film, “Inspiration to Completion”) — ist der reinste Hardcore-Porno für Bibliophile! Hier kann man sehen, wie John Carrera von der Quercus Press in Waltham, Massachusetts, den Bildlexikon-Klassiker Webster’s Pictorial Dictionary (1898) nach allen Regeln der Buchmacherkunst neu auflegt! Die Luxus-Ausgabe kostet 4600$, was natürlich etwas deprimieren kann, aber es gibt auch Ausgaben für 2600$, 1800$ und eine günstige für 35$. Aber vor allem der Film lohnt sich! (Via matthewbattles.tumblr.com/)
- CA Conrads “(Soma)tic Poetry Exercises” — man könnte es “kreativitätsfördernde Schreibübungen” nennen, wozu der leicht schrullige Dichter CA Conrad da auf seinem Weblog anleitet. Auf jeden Fall ist es viel lustiger als es sich anhört! Conrads “Exercises” heißen z.B. “You in your soup”, “Let your toes know the truth!” oder “Your garbage spekas!” Bei einer weiteren Übung soll man auf einem Friedhof eine Fläche mit Gegenständen abstecken und dann, über einen der Gegenstände, Kontakt mit den Toten aufnehmen (oder so) — und das wäre dann auch der Moment, in dem mit dem Schreiben zu beginnen ist. Na gut, das klingt etwas gruselig. Aber es gibt auch andere Übungen, mit Bananen z.B., oder hier, die wirklich großartige Übung Nr. 17, die alte Klamotten und geraspelte Karotte in einem Nylonstrumpf miteinbezieht. Der Tag ist gerettet!
Foto: Odd and boring postcard von naslrogues