Links gegen Herbstdepressionen

Herbstdepressionen sind eine hässliche Sache. Aber es passieren ja aufregende Dinge in der Welt. Übermorgen, z. B., wird der Träger des Literaturnobelpreises bekanntgegeben.
- Michael Schaub hat anlässlich dieses Ereignisses A Very Brief History of the Nobel Prize in Literature verfasst. Die ist auch lustig zu lesen. Und in diesem Blogpost untersucht er die Wetten der britischen Seite ladbrokes.com auf die aussichtsreischsten Anwärter (Amos Oz führt die Liste nach wie vor an mit einem Wettverhältnis von 4/1, gefolgt von Assia Djebar und Joyce Carol Oates (beide 5/1)!
- Ebenfalls bei den Htmlgiants zu finden ist diese unterhaltsame Bestandsaufnahme in Kenntniss der deutschen Literatur/Philosophie von Jimmy Chen, der einnehmend ehrlich alles offenlegt — ohne vorher zu googeln! –: Ich bin stumm (I’m dumb). Das gibt einem das Gefühl, sich gut auszukennen, hilft also gegen die Herbstdepression.
- Lustig war auch zu lesen, was der Berlin-Blog des Tagesspiegel über einen literaturbesessenen Streetart-Künstler ans Licht brachte: Aus Liebe zu Henry Miller: Ukrainer klebt seine Hosen an Berlins Wände.
- Nicht besonders lustig, aber dafür irgendwie überzeugend ist die Idee des Münchner Germanisten Giesbert Damaschke, einfach alte Briefe zu bloggen: nämlich die von Goethe und Schiller und in Echtzeit! D. h., um 215 Jahre versetzt wird jeder Brief genau an dem Datum veröffentlicht, an dem er geschrieben wurde! (Gerade hat Goethe einen kurzen Brief an Schiller gesandt und wartet nun auf Antwort.) Nachlesen kann man darüber in der NZZ, und ein ganz ähnliches und auch älteres Projekt findet sich hier: Die Londoner Tagebücher des Samuel Pepys, mit dem aktuellen Eintrag vom 6. Okt. 1666!
- HTML Color Codes ist eine grellbunte Ausstellung, vorgestellt kürzlich auf rhizome.org. Unter all den Internet-Farben findet sich — für uns interessant — auch die Farbe Gold! Mit Jacob Broms Engbloms Bild (s. Abb.), das animiert richtig gute Laune verbreitet, können wir also etwas über uns selbst lernen:
Gold signifies something that cannot exist online. Traditionally, gold refers to things like money, jewelry, stardom, awards, a standard, and excess, all things from the “offline” world. Gold’s natural shine and sparkle is here translated into a series of animated gif files, heaped together in a treasure chest assemblage. However, the obvious problem is that this gold’s glitter hardly evokes the same measure of brilliance and shine of “real” gold. […] Gold also shows what it is not, namely, the auratic shine of inflated value and glamour. In destabilizing the abstracted exchange value of so-called “real” gold, Engblom’s gold points out that is in fact something else: Internet gold—the land where all that sparkles, whether banner add or artwork, seems to be equally de-valued to the same level of flatness and mundane repetition.
Am 7. Oktober 2009 um 11:43 Uhr
Also ich habe jeden Link probiert, damit es auch wirkt. Es wirkt auch. Ich möchte hinzufügen, dass ich mich sogar über das, was gar nicht als witzig deklariert war, recht herzlich gefreut habe, nämlich den aktuellen Brief von “Ger-tay” bzw “Gur-tuh” an “Chiller”:
“Wir wissen nun, mein Werthester, aus unsrer vierzehntägigen Conferenz: daß wir in Principien einig sind und daß die Kreise unsers Empfindens, Denkens und Wirkens theils coindiciren, theils sich berühren; daraus wird sich für beide gar mancherlei Gutes ergeben.”
Am 7. Oktober 2009 um 14:29 Uhr
Das freut mich jetzt aber.