Monatsarchiv für November 2009

28 Nov

City of Gold

Von Nikolai Preuschoff

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In New York, so berichtet der BLDG-Blog, wird der Platz für Gold langsam knapp. Da sich der Gold-Preis in den letzten zehn Jahren vervierfacht habe, kaufen die Leute immer mehr der Edelmetall-Barren und horten sie — und zwar in solchen Mengen, dass der Speicherplatz in den Tresorräumen jetzt offenbar an seine Grenzen geraten ist. Von “Flotten gepanzerter Lastwagen”, berichtete das Wall Street Journal, die mit Goldbarren und Münzen beladen Midtown Manhattan verließen. Die Bank HSBC habe beschlossen, die Barren der Kleinanleger zu verlegen, um Platz für große institutionelle Kunden zu machen. Aber leichter gesagt als getan! Eine derartige Aktion, so die First Post, könne leicht in eine “militärische Operation” ausarten. “I have never seen any relocation like this,” soll der Direktor der Edelmetall-Handelsgesellschaft FideliTrade gesagt haben Den ganzen Beitrag lesen »

23 Nov

Herta Müller heute um 20:00 Uhr live

Von Günne

Herta Müller liest heute ab 20:00 Uhr in Tübingen, und diese Lesung wird live im Internet übertragen.
Weitere Infos: http://www.osiander.de

(via lesekreis)

22 Nov

Notizen im Buch im digitalen Zeitalter: Warum sie verschwinden und was sie uns sagen können

Von Nikolai Preuschoff

knolleary_15528875a8Es ist ja allen klar, dass es in den USA mal wieder schneller abläuft. Und dass der Fortschritt mal wieder mit 1-2 Jahren Verspätung in Europa und dann noch später in Deutschland ankommen wird. Hier nämlich wird erstmal oberkritisch alles beäugt, bis man sich dann auch endlich traut. Das war ja schon immer so. Mit den Video-Kassetten. Mit den Comics. Mit den Mobiltelefonen. Mit den Social Networking-Plattformen. Und jetzt halt mit den E-Books. Zu allem Überfluss haben wir ja noch den Buchdruck erfunden, deshalb werden wir sie noch später bekommen. Aber egal. Irgendwann sind die E-Bücher da, und dann gewöhnen sich plötzlich alle daran, und viele werden ihre ollen, vergilbten Bücher auf den Kompost werfen. Oder halt beim nächsten Umzug auf der Straße stehen lassen.

Alle wissen auch, dass dann so was ähnliches passieren wird, wie mit den Schallplatten: Irgendwann wird es ein Buchdruck-Revival geben, und die Zahl der Gedrucktbuchliebhaber wird wieder zunehmen. Kleine Independent-Verlage werden aus dem Boden schießen und alte, verrostete Druckerpressen vom Schrottplatz holen, wieder flott machen und damit bibliophile Ausgaben im Tiefdruck-Verfahren ins handgeschöpfte Papier prägen, und die Seiten wird man seitlich aufschneiden müssen, um sie lesen zu können. Es wird wieder sein wie früher, nur irgendwie elitärer, luxuriöser und nosthalgischer.

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Was dann aber verschwunden sein wird, oder nur noch bei einer Handvoll Sammlern die Runde macht, ist eine Kategorie Buch, der heute kaum jemand Beachtung schenkt: das Buch mit alten Notizen darin. Ein besonderes Beispiel hält der Blogger Nick O’Leary schon jetzt bereit: eine Ausgabe des Spionage-Thrillers Den ganzen Beitrag lesen »

18 Nov

Die kleinen Schwarzen

Von Marijke

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Bücher aus dem hochroth Verlag kauft man am besten abends

Die schlanken Büchlein, auf deren schwarzen Covern durch einen ausgestanzten Kreis das Logo des hochroth Verlags zu sehen ist, haben Wiedererkennungswert – die meisten der Autorennamen sind eher unbekannt. Der junge Verlag, der im Oktober 2008 von Marco Beckendorf (27, Regionalwissenschaftler) gegründet wurde, hat sich Zweierlei zum Ziel gesetzt. Nachdem große Verlage ihre Lyrikreihen eingestellt haben, möchte er für Nachwuchspoeten eine Plattform jenseits der Literaturzeitschriften sein. Den Sprung in das hochroth-Programm geschafft haben bereits Sven-André Dreyer oder Konstantin Hanack. Aber auch verstorbene und bereits in Vergessenheit geratene – vor allem expressionistische – Autoren wie Alfred Lichtenstein oder Albert Ehrenstein sollen hier wieder dem Leserpublikum zugänglich gemacht werden. Den ganzen Beitrag lesen »

15 Nov

17. open mike — so war’s

Von Anne-Dore

open-mike_logoEigentlich haben wir dieses Mal alle gewonnen. Ursula Krechel, Sprecherin der Jury, schickte nämlich eine Belobigung vorweg: An uns. Das Publikum. Wir hätten nicht unter Niveau gelacht, seien aufmerksam und kultiviert gewesen. Da lachten wir doch alle erfreut (natürlich nicht unter Niveau).

Die offiziellen Preise der Jury, dieses Mal gleichrangig vergeben, gingen an:

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15 Nov

17. open mike — zweiter Tag

Von goldmag

open-mike_logoBerlin, 15.11.2009 – WABE, 12:00 Uhr. Der 17. open mike geht weiter. Zwei Leseblöcke, acht Autorinnen und Autoren. Die Beiträge in der Lesereihefolge, kommentiert von GOLD.

Alle Wettbewerbstexte zum Nachlesen in der Anthologie des allitera-Verlags.

Diensthabende GOLD-Redakteurinnen: Vanessa, Marijke, Elena

15 Nov

Marie T. Martin – Nachmittag

Von goldmag

„Man kann eine Geschichte nicht überblicken, in der man nur eine Figur ist.“ Ein Kaffeehaustisch und das Leiden der ganzen Welt. Man isst ein Eis, und anderswo wird „jemandem jetzt der Kopf weggeschossen“. Überempfindsamkeit, der die alltäglichen Schrecken ganz nahe kommen: „ich möchte sofort eine Haut bestellen, keinen flavoured Cappuccino“. Ein verzweifeltes Wundern über die unentrinnbare Beschaffenheit des Seins. „Alles flirrt, alles ist sich ähnlich, der Tisch unterscheidet sich nicht wirklich von deiner Hand und nicht wesentlich von dem Mobiltelefon, und im Allerinnersten ist es hauptsächlich: Nichts.“

Ein dichter dichterischer Text, den Lektor Wolfgang Farkas einen „Gesang“ nennt. Weit von der plotbestimmten Gattung der Kurzgeschichte und nahe dran an Marie T. Martins Können, der Kurzprosa. Splitter von Gedanken, Einsichten, Assoziationen, Erinnerungen. Immer wieder Gemmen: „Ich glaube, es gibt den Kern nicht, nach dem wir suchen, es gibt nur eine Farbe vielleicht, die immer auftaucht, Schicht um Schicht ist alles übereinandergelegt in uns wie eine Lasur, es gibt keinen wahren Grund, denn alle Schichten leuchten zusammen, es gibt viele Stimmen und keine eigene.“ Konzentrierte Stille im Publikum. GOLD-Favoritin.

Ruhigste Selbstdistanz: „Und die immergleiche Ellipse der Tauben in dem Dorf, in dem jemand aufwuchs, der aussah wie ich als Kind, ein Mädchen, das mit mir zu tun haben musste, diese immergleiche Bewegung, die ich vom Küchenfenster aus sah, und wie die Vögel in einem bestimmten Moment, einer unbestimmten Drehung unsichtbar wurden vor dem Himmel.“

13. Wettbewerbsbeitrag beim open mike, 15.11.2009 – 12:15 Uhr

15 Nov

Greta Granderath – To go, went, gone.

Von goldmag

A auf den Spuren ihres toten Bruders/lebendigen Ex-Freundes in New York. Einen Foto-Spot im Central Park aufspüren, seine Pose einnehmen – und ein Lachen wie Weinen. „[S]chau hin, denk an ihn, denk nicht an B, dann geht der Plan auf, ich gehe auf, in diesem Bild“. Auf der Suche nach Perfektion, aber Perfektion ist Stillstand. Der Film läuft weiter, Klack, Close-Up, Close-Up und Mo, ein neuer Mensch im Leben: Mo.

- Keine Wertung aufgrund institutioneller und persönlicher Befangenheit. – d. Red.

Weitestes Wortspiel: „Here, everywhere, und öffnet die Arme als wolle er etwas umarmen oder vermessen, vermessen umarmen.“

14. Wettbewerbsbeitrag beim open mike, 15.11.2009 – 12:30 Uhr

15 Nov

Alexander Gumz – Gedichte

Von goldmag

3 AM: DRUNK, HEARTBROKEN AND HORNY

das seltsame an unseren spielen: die regeln.
das bekannte: der ausgang. wer mitmacht,
an welchem ufer man am ende sitzt.

lass uns mit kreide auf den tafeln
in unseren jackentaschen notieren: ich war dumm,
aber etwas in mir hatte recht. und zieht vor.

hol noch mal ratschläge ein: die reihe rum
vom bauern, dem könig, der dame, dem turm.
alle wissen was anderes vom geschlagenwerden.

keiner verrät, wie lange es dauert bis sich seine narben
öffnen. die haut des schachbretts
schlägt wellen.

– Keine Wertung aufgrund institutioneller und persönlicher Befangenheit. – d. Red.

Dienlichster Ratschlag: „wer zum flug ansetzt, hört er, muss wissen, / dass ihn der wind vergessen kann.“

15. Wettbewerbsbeitrag beim open mike, 15.11.2009 – 12:45 Uhr

15 Nov

Konstantin Ames – Gedichte

Von goldmag

„Wir befinden uns jetzt auf Seite 19 der Anthologie“, leitet Ames das Publikum an. Blättern. Und weiter. Neue Live-Gattung: Die Mitlesung.

Ein wenig mittelalterliche Sentenz im Alltagssprachwitz, schräg gesägte Viertelbilder, virtuose Halbzitate. „a e o u o schrammer geist! komm und füll mich auch! / weitgehend unbegründeter wurm“. Buchstabenumdrehe. Schreibspreche-Sprechschreibe, verklingelklüngelt: „3u muueiner groszen / Tjreude stehje ich aljo mieder einwal iw Rerichjt“

Flapsigste Reklame: „Zeugma her: ‚Hier geht es heiß und günstig zu!’“

16. Wettbewerbsbeitrag beim open mike, 15.11.2009 – 13:00 Uhr