Inger-Maria Mahlke – 3. Kapitel: Potulski I
Frau Potulski, seltsam und in misslicher Lage, eignet sich die Wohnung des älteren Sonderlings Hermann an, der Regen fotografiert, das Saufen versucht und es aus Langeweile wieder aufgibt. Haptische Prosa, man meint die stickige Luft zu riechen in der raufasertapezierten Wohnung, in der die Dinge konkreter leben als die Menschen. Unvermutet und etwas angewidert kostet Hermann Verbotenes: Frau Potulski bietet ihm ihre Brüste, zwei „Schläuche”, „völlig zerstört …. gut gefüllt”. Eine kurze Berührung, die sich mit geschlossenen Augen „[b]litzschnell und aus der Tiefe richtig” anfühlt. Doch mit offenen Augen „das weiße Regal wie immer, die Ohrenstäbchendose wie immer, die Schläuche fremd”. Lektor Andreas Paschedag nennt die Konstellation ein „doppelbödiges Kammerspiel” in zwielichtiger Atmosphäre. Wir finden’s gut gearbeitet und trotzdem langweilig.
Intimster Moment: „‚Stettin’, sagte er und berührte mit der Hand den dunklen Holzrahmen, ‚dort bin ich geboren’, er fühlte ein kleines, besitzstolzes Lächeln in seinen Mundwinkeln.”
17. Wettbewerbsbeitrag beim open mike, 15.11.2009 – 14:15 Uhr
Am 16. November 2009 um 20:20 Uhr
Agenturglückwünsche (Legendenstrick): http://autorenschrittmacher.blog.de/2009/11/15/open-mike-2009-inger-maria-mahlke-legenden-gestrickt-7378324/