15 Nov

Pola Pulver – Alles auf eine Karte

Von goldmag

In der Bar, auf der Suche. Im nächtlichen Standardinventar tätowierter und gelangweilter Tresenkräfte findet SIE eine kompliziert schöne SIE mit „Zenaugenbrauen“. Geheimnis: Die Bar scheint – wie das Bermudadreieck Schiffe – Gäste zu verschlucken (metaphorisch: eben noch da, schon wieder weg). Ein philosophischer Taxifahrer kreuzt auf, es kreuzen sich die betrunkenen Wege der mäandernden Individuen, kreuzbrav ist Pola Pulvers Text. Wodkaselige Windungen. Der Text stülpt sich um und verschwindet unfreiwillig in der peripheren Welt, die er beschreibt: im Bermudadreieck.

Spiegelverkehrteste Überleitung: „[M]ir wurde dort regelmäßig schlecht, nicht nur durch den Wodka, den ich trank, auch weil die Luft dünn war. Dünn war auch das Mädchen, das sich hinter der Bar stehend eine Zigarette drehte.“

20. Wettbewerbsbeitrag beim open mike, 15.11.2009 – 15.00 Uhr

3 Reaktionen zu “Pola Pulver – Alles auf eine Karte”

  1. Tom Müller

    Was hat sich Herr Paschedag dabei gedacht, den Text “Alles auf ein Karte” von Pola Pulver einzuladen. Das war bestenfalls Lesebühnenniveau, also gut, weil nach drei Bier noch verständlich.
    Authentsich war der Text, ja, aber bei so geringen Ambitionen fällt es auch nicht schwer, sich selbst treu zu bleiben. Ihr Name jedenfalls war das Beste am ganzen Text.

  2. Anne

    Ich fand Pola’s Text ganz gut, und die Lesebühnen sind doch nicht schlecht. War ein guter Schlußtext für ein Open Mike Wochenende.

  3. ein dichter

    seltsam, daß gerade der text von pola pulver diese schmähkritik auf sich zieht.

    dabei weist er doch merkmale auf, die ihn aus den übrigen beiträgen herausheben. er verzichtet beispielsweise auf die sonst überdominanten archaismen. (armee, pistole, kleinbildkamera, großeltern, alles dinge die es heute gar nicht mehr gibt.) dann geht der text in ganz und gar unweinerlicher weise mit dem leiden um, was frau pulver doch deutlich über viele der übrigen beiträge heraushebt. und er hat ein durch und durch positives und programmatisches ende. soziologische beobachtungen finden eingang, und, wie auch tom müller festgestellt hat: er gibt etwas von der innenwelt seiner autorin preis.

    wahrscheinlich war es der letzte faktor, der einzige, den die ansonsten nicht texbezogene “kritik” von tom müller überhaupt erwähnt, der zu ihr anlass gegeben hat. poesie scheint nicht sinn dieses dichterwettbewerbes zu sein, erfolg haben formal gestylte text. bezeichnend, daß die siegertexte des lyrikpreises keinerlei kognitiven oder emotionalen inhalt haben…

    ein dichter

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