Vor 20 Jahren…
… sagte unsere Grundschullehrerin, so, wir machen jetzt eine Exkursion, und wir sind dann an die Mauer gefahren. In meiner Erinnerung war es kalt, die Sonne schien, und man sah hauptsächlich Trabbis und manchmal Wartburgs mit knatternden Zweitaktmotoren durch eine winkende Menschenmenge fahren. Bei jedem Fahrzeug wurde gejubelt. Und einige reichten zur Begrüßung tatsächlich Bananen in die geöffneten Scheiben hinein. Dass dies nun das “Wunder von Berlin” war, verstanden wir damals natürlich nicht.
Der Tagesspiegel hat heute einen “Live-Blog” eingerichtet, und auf Carta fordert Tim Renner unter der Überschrift “Die Mauer muss Weg!” die Abschaffung der GEMA. Aber was machen die Literaten? Da ist z.B. Lars Gustafsson, der mit seinem heutigen Blog-Eintrag dem Tag ein schönes Motto verleiht: “Länge leve det fria Berlin!” Leider ist der Eintrag auf Schwedisch. Immerhin lernen wir von Gustafsson, der in den 70er Jahren mal in Westberlin gelebt hat, dass “Mauerfall” bzw. “Mauerbruch” auf schwedisch “murgenombrottet” heißt. Murgenombrottet. Von Volker Braun gibt es zum 9. November ein (schon älteres) Gedicht, das man sich von ihm auf lyrikline vorlesen lassen kann (es wittert neue Gefahren). Und der stets zuverlässige Literary Saloon bringt heute eine Übersicht zur englischsprachigen Mauerfall-Anthologie The Wall in my Head, die anlässlich des Jubiläums von Words without Borders und Open Letter herausgebracht wird.
Foto: emilime
Am 12. November 2009 um 19:34 Uhr
murgenombrottet heißt wörtlich übersetzt mauerdurchbruch und ein Durchbruch war es auf jeden Fall.
Mit besten Grüßen aus Schweden
Karen