Im Namen des Vaters
Die Schweizer haben es nicht leicht. Erst bauen die Muslime hohe Türme und singen davon herunter, dann wollen die Deutschen das Geld zurück, das andere ihnen geklaut und in der Schweiz versteckt haben, und nun sind auch noch die rumänischen Diktatorenkinder sauer. Auf den Schweizer Journalisten und Theatermann Milo Rau.
Denn auch die Nachkommen von Diktatoren haben es nicht leicht. Ständig treten die in- und ausländischen Gutmenschen auf ihren Ahnen herum; wo sie hinkommen, verbreitet ihr Name Angst und Schrecken (Ausnahmen bestätigen die Regel: Alessandra Mussolini, die nicht nur den Namen, sondern auch die Politik ihres Großvaters weiterführt, ist sogar ins EU-Parlament gewählt worden); und nicht selten wird er sogar zum Synonym für ein Regime von Mord und Verfolgung. Von letzterem hatte der geschäftstüchtige Sohn des rumänischen Diktators Nicolae Ceauşescu die Nase so voll, dass er jetzt seinen Anwalt wegen des Stückes Die letzten Tage der Ceauşescus von Milo Rau (Verbrecher Verlag 2009) eingeschaltet hat.
Das Schweizer Fernsehen meldete heute, am Dienstag, den 2. Februar 2010 um 17:22 Uhr:
„Die Erben des 1989 gestürzten und hingerichteten Diktators Nicolae Ceauşescu haben das Bukarester Odeon-Theater wegen der Aufführung des Doku-Dramas Die letzten Tage der Ceauşescus verklagt.“
Valentin, der Sohn Nicolae Ceauşescus, und sein Schwager verlangen eine Entschädigung vom Theater, weil es den Begriff „Ceauşescu“ unrechtmäßig verwendet habe. Den haben die beiden nämlich schon vor Jahren in Rumänien als Marke schützen lassen.
Die anderen Kinder, die von ihren Eltern – wenn überhaupt – nur den Vornamen eines Diktators bekommen haben, sind empört: „Dies ist der Beweis, dass Unverschämtheit kein Verfallsdatum hat“, sagte der Vorsitzende des rumänischen Schriftstellerverbandes, Nicolae Manolescu. Schließlich ginge es im Stück um den Diktator Ceauşescu und nicht um die Marke gleichen Namens. Ceauşescu (Diktator) sei wie „Ludwig XIV. eine historische Figur“ und man könne ihn deshalb uneingeschränkt zum Thema von Theaterstücke und Filmen machen, findet der deutsch-rumänische Filmregisseur Radu Gabrea.
Valentins Anwalt ließ wissen, dass gegen ausländische Theater keine rechtlichen Schritte geplant seien. In der Schweiz, wo das Stück zur Zeit in mehreren Theatern aufgeführt wird, hört man das sicher mit Erleichterung. Wenigstens der Anwalt lässt sie in Ruhe.
Bild: Fototeca online a comunismului românesc, Foto #E594,
Am 3. Februar 2010 um 14:14 Uhr
Derweil klagt Stefan Petzner, die einstige Haider-Affäre (und derzeit Fraktionschef des rechtspopulistischen Bündnisses “Zukunft Österreich”), gegen den Romanautor David Schalko, wegen angeblicher Ähnlichkeit zu einer von dessen Figuren:
http://www.taz.de/1/leben/buch/artikel/1/petzner-will-keine-romanfigur-sein/