18 Mrz

Bücherturm

Von Nikolai Preuschoff

Neues aus der Reihe: Bücher im Digitalen Zeitalter

In der kunsthistorischen Kategorie der Akkumulation gibt es sicher interessantere Dinge, die man anhäufen kann: Uhren z.B. oder Rasierapparate. Bücher hingegen hat man ja schon immer irgendwie angehäuft und gestapelt.

Etwas Besonderes gibt es dennoch am Bücherturm, der vor einiger Zeit in der Kreuzberger Graefestraße aufgetaucht ist: Neben dem Umstand, dass die wacklig aussehende Konstruktion noch nicht umgefallen ist — steht er im Freien. Das wirft Fragen auf (was ein gutes Kunstwerk ja auszeichnet), Fragen, wie sie uns hier in der Reihe “Bücher im Digitalen Zeitalter” beschäftigen.

Etwa: Was blüht dem gedruckten Buch, wenn bald jeder irgendwie immer mehr elektronisch liest? Was lässt sich mit den ganzen schweren, einstmals teuren Lexika-Bänden anfangen, die es heute viel praktischer auf DVD oder gleich im Internet gibt? Wie lange ‘überleben’ so Papier-Bücher eigentlich — so hübsch aufgestapelt im Freien? Der Bücherturm, der durchaus aus respektablen, gebundenen Ausgaben besteht, modert, Wind und Wetter ausgesetzt, buchstäblich vor sich hin. Direkt vor einem Antiquariat. Es sieht so aus als wären sie gerade (“sorry Jungs, kein Platz mehr”) vor die Tür gesetzt worden. Ganz oben auf diesem schweigenden Mahnmal wider der Ignoranz, als Gipfel des “Mich-benutzt-keiner-mehr”, prangt eine rostende Schreibmaschine.

Ja, mit der Vergänglichkeits-Symbolik, das könne man durchaus so sehen, sagt auch der Künstler und Besitzer von Umbras Kuriositätenkabinett in der Graefestr. 18. Ist übrigens nicht sein erster Turm, frühere Versuche hätten nicht gehalten. Oder seien umgeworfen worden. Dieser hier sei jetzt stabiler, steht jetzt auf einem 500-Kilo Sockel, und die Bücher sind ineinander verschraubt.

Es hat geregnet, und einige Bände sind bereits aufgequollen; Seiten biegen und fächern sich nach oben. Ein Buchdeckel ist abgefallen. In ein paar Tagen ist Frühlingsbeginn, dann moost alles vielleicht schön zu, oder es rankt Efeu die Buchrücken hinauf. Der Bücherturm-Bericht wird fortgesetzt!

Fotos: N. P. (Das obere Bild enstand im Februar, die unteren beiden im März.)

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2 Reaktionen zu “Bücherturm”

  1. Thomas

    Das gedruckte Buch wurde vom Objekt der Wissenakkumulation zum Dekorationsobjekt und nun zum Kunstobjekt gemacht. Was danach folgt ist wohl nur noch die Biotonne.

  2. goldmag.de » Blog Archiv » Neues vom Bücherturm

    [...] der Witterung ausgesetzt ist. Aufnahmen von Februar und März dieses Jahres sind weiterhin hier zu [...]