Hope is a bridge
Liebe Filmfreundinnen und liebe Filmfreunde! Die folgende Filmnacherzählung des ZDF-Zweiteilers „Dr. Hope – Eine Frau gibt nicht auf“ ist nicht nur für Frauen gedacht. Im Gegenteil, es geht die Männer genausoviel an, was damals geschehen ist. Denn es ist alles wahr, und die wahren Geschichten sind immer noch die besten.
England, zweite Hälfte des 19. Jahrhunderts. Vater Bridges stirbt an Tuberkulose. Er gibt seiner Tochter Hope etwas mit auf den Weg: „In deinem Namen liegt Hoffnung“, sagt er. Mutter Bridges überlegt: „Hier in England gibt es nur Mitleid für uns. Wir gehen nach Deutschland.“ Hope: „Nach Deutschland?“ Mutter: „Ja.“
Leipzig. Mutter und Hope werden aufgenommen bei Verwandten. Hope stellt sich bei einer Schule als Englischlehrerin vor. Aber Englisch ist nicht mehr so gefragt, seit der Reichsgründung. Hope zum Direktor: „Aber wie wollen wir in Frieden leben, wenn wir einander nicht verstehen?“ Direktor: „Na, mal sehen.“ Die Stelle bekommt sie dennoch nicht.
Auf dem Flur stößt Hope auf einen Mann mit Namen Friedrich, der ihr später Blumen bringt und sie zu sich nach Hause einlädt, offenbar mit Heiratsabsichten. Hope will aber nicht heiraten und auch keine Kinder bekommen. Friedrichs Vater sagt beim Abenddessen „Das Vaterland braucht Kinder.“ Hope entgegnet: „Es steht aber nicht viermal nachts auf, um sie zu füttern.“ Friedrichs Vater: „Ihre liberale englische Erziehung entschuldigt gerade noch Ihre moralischen Mängel.“ Später sagt er zu Friedrich: „Ich will nicht, dass Du dieses Fräulein wieder siehst.“
Friedrich sucht sie dennoch auf. Er sagt, sie solle sich beim Vater entschuldigen, damit alles wieder gut sei. Aber das will Hope nicht. Friedrich hat genug, und Hope trifft auf eine sozialistische Gruppe, die dem Gespräch zugehört und ihr applaudiert hat. „Ich bin Hope“, sagt Hope. Einer, der sich als Otto vorgestellt hat, fragt: „Hope? Wie Hopfen?“ „Nein, wie Hoffnung“, sagt sie.
Man diskutiert: „Hat Marx je am Hochofen gestanden?“ Jemand fragt: „Hast du eine Meinung dazu, Hope?“ Hope denkt nach und sagt: „Ist die Befreiung der Arbeiterklasse denn eigentlich nur für Männer?“ Daraufhin wird sie mit in die Studentenkneipe eingeladen. Dort gibt es einen Krach mit den Nationalisten. Hope entkommt den Unruhen zusammen mit Otto, es ist sehr abenteuerlich.
Als nächstes geht Hope mit ihrer neuen Freundin Clara in die Uni, in eine Medizinvorlesung. Dem Professor sind Frauen im Hörsaal nicht recht. Es ist Friedrichs Vater! Zu Hause versucht man ihr das Studium auszureden. Die Mutter sagt: „Hope, was hast du vor?“ Hope: „Ich werde Ärztin, Mama.“ Mutter: „Ärztin? Ist das denn möglich?“ Hope: „Ich werde bei dem Universitätsdirektor vorstellig und überzeuge ihn.“
Der Universitätsdirektor ist nun aber ausgerechnet wiederum Friedrichs Vater. Er sagt: „Keine Frauen, guten Tag“, und: „Es ist wider die Natur. Und jetzt hinaus.“ Hope sagt: „Ich will studieren. Ich gehe bis zur Kaiserin, wenn es sein muss, um zu studieren.“ Daraufhin sagt der Direktor: „Gut. Dann holen Sie sich ein Vorlesungsverzeichnis.“
Eine Zulassung zum Examen bekommt sie trotzdem nicht. Darüber klärt sie Otto auf, der ebenfalls Medizin studiert. Denn Hope hat kein Abitur, weil Frauen kein Abitur machen dürfen. Otto sagt: „Du kannst ja immer noch Krankenschwester werden.“
Zusammen mit Clara studiert Hope erst einmal weiter. Im Hörsaal gibt es sittliche Probleme, weil die Studenten mit den zwei Damen im Raum den Kopf verlieren und nicht studieren können. Als Folge werden sie hinausgeworfen. Daraufhin verändert Hope ihre Kleidung und schneidet sich eine Kurzhaarfrisur, in der Hoffnung, dadurch in Zukunft Ärger zu vermeiden.
Es folgt ein nächtlicher Ausflug mit Clara. Man geht ins Leichenschauhaus, um heimlich Leichen aufschneiden. Es ist wegen der Übung, die sie brauchen, die man ihnen aber verwehrt. Dabei spricht man auch über andere Dinge. Hope: „Mein Herz schlägt für Otto“ Clara: „Aber nicht wirklich laut, oder?“ Hope: „Es ist ein Herz, keine Trommel.“
Zwei Jahre später, 1875. Hope schreibt medizinische Artikel über das Korsett. Man diskutiert in der Kneipe über das Schicksal der Frauen. Ein gewisser Carl Lehmann kommt vorbei und verteilt politische Flugblätter. „Engagieren Sie sich,“ sagt er. „Politik interessiert mich eigentlich nicht,“ sagt Hope. Carl sagt: „Alles ist politisch“.
Drei Jahre später. Bismarck geht gegen die Sozialdemokraten vor, und die Stimmung wird feindseliger. Man darf z. B. keine Flugblätter mehr in der Uni aufhängen. Clara geht nach Paris, denn „aus dem Kampf ist jetzt ein Krieg geworden. Und er wird von Paris aus geführt.“
Jetzt käme das Examen, aber Hope darf immer noch nicht. Also geht sie zur Kaiserin. Die Wachen erschießen sie fast, aber die Kaiserin lässt sie vorsprechen. „Obgleich ich ein Recht auf das Studium habe und gute Noten, verwehrt man mir das Examen, weil ich eine Frau bin. Wo ist denn da die Gerechtigkeit!“ sagt sie. Wir sehen, wie die Kaiserin einem ihrer entgeisterten Berater etwas ins Ohr flüstert. Kurz darauf bekommt der Direktor einen ganz bestimmten Brief.
Zwei Jahre später. Hope besteht ihr Examen glanzvoll. Aber es ist ohne Abitur in Deutschland nicht gültig. Also geht Hope nach London, um dort eine Approbation zu erhalten. „Aber dafür musst du ja nach England ziehen,“ sagt Otto, „was wird mit uns?“ Hope: „Es ist doch nicht für lang.“ Otto: „Ich möchte das nicht. Ich bitte dich um unseretwillen zu bleiben.“ Hope: „Nein.“ Otto: „Deine Entscheidung ist rücksichtslos.“ Hope: „Meine Mutter unterstützt mich.“
London. Hope steht an Vater Bridges Grab. „Du hast immer gesagt, dass man kämpfen muss, um etwas zu erreichen, Papa. Ich habe gekämpft. Bald bin ich Ärztin.“ Da kommt überraschend Otto. Er ist jetzt selbst Doktor und kann die Praxis seines Vaters in Frankfurt übernehmen. Ob Hope mit ihm zusammen die Praxis führen wolle, als Frau Doktor Otto Walther? Sie will. „Morgen geht der Zug in ein neues Leben“, sagt Otto.
Frankfurt am Main. Es wird geheiratet, die Praxis eröffnet. Otto sagt: „Vielleicht solltest du dich auf die Frauen konzentrieren. Denn ich glaube nicht, dass sich die alten Herren von dir untersuchen lassen.“ Hope: „Dann hätte ich Gynäkologie als Schwerpunkt genommen. Ich möchte mich vor allem um die Infektionskrankheiten kümmern.“
Aber es sind auch ganz normale Krankheiten und Gebrechen, die Hope jetzt behandelt. Eine junge Frau kommt mit der Mutter in die Praxis, sie war schon schwanger. Hope klärt sie über Verhütung auf, was der Mutter nicht recht ist, denn sie meint, dass es auch durch Sittsamkeit zu erreichen sei.
Auch die Armen kommen und können ihre Rechnungen nicht bezahlen. Das findet Otto nicht gut, denn er hat eine Verantwortung für das Erbe seines Vaters. Hope: „Aber geht es denn immer nur ums Geld?!“
Hope macht einen Hausbesuch, was Otto ebenfalls nicht gut findet. Das Mädchen ist unterernährt, der Junge hat ein gebrochenes Bein. Die Mutter hat Angst vor ihrem gewalttätigen Mann, eine untragbare Situation. Aber Otto findet das nach wie vor nicht gut. Hope: „In den Arbeitervierteln sterben die Menschen wie die Fliegen, weil sie sich keinen Arzt leisten können.“ Otto: „Wir werden das Elend dieser Welt auch nicht besiegen können, Schatz.“ Hope: „Du verschließt die Augen. Das ist nicht gut.“
Dann stellt sich heraus, dass Hope schwanger ist. Als nächstes schon ist die kleine neue Familie im Sonnenlicht zu sehen. Otto ist sehr glücklich und will dass Hope sich nun ausschließlich um den Nachwuchs kümmert. Sie meint aber, dass beides, Kind und Arbeit, geht, und man schafft sich ein Kindermädchen an.
Otto, der sich einen Schnurrbart hat wachsen lassen, sitzt bald darauf in seinem Sessel und trinkt Cognac. Er ist unzufrieden, weil Hope die Familie vernachlässigt. Er sagt: „Musst du ständig die heilige Hope von Orleans spielen? Und was ist mit uns?“
Es stellt sich heraus, dass Hope sich Tuberkulose eingefangen hat. Sie will arbeiten, darf aber nicht. Sie muss sich jetzt erstmal ausruhen, nicht mal ihre Bücher darf sie lesen.
Es wird aber nicht besser. „Der ganze Ansatz ist falsch“, sagt Hope, die heimlich Ärztezeitung gelesen hat. „Seit Jahrzehnten tritt man bei der Behandlung auf der Stelle. Ich brauche eine Kur, keine Ruhe.“
Otto ist nicht der gleichen Ansicht, aber er fügt sich. Man fährt in einer Kutsche nach Bayern. Eine beschwerliche Reise, und Hope ist sehr schwach. Otto macht sich Vorwürfe, dass er es zugelassen hat. Hope sagt: „Falls ich sterbe, Otto – du hast dir nichts vorzuwerfen. Ich wollte es.“
Die Kur wirkt am Ende aber doch. „Es ist ein Wunder,“ sagt Mutter, die auf Besuch ist. „Es ist kein Wunder. Licht und Luft haben mir geholfen, wie ich es gesagt habe,“ sagt Hope, „Tbc ist für mich vorbei.“ „Es wird aber noch Wochen dauern, bis du ganz geheilt bist und ihr zurück nach Frankfurt könnt,“ sagt die Mutter. Hope: „Vielleicht will ich das gar nicht.“
Denn Hope hat eine Idee: ein Sanatorium für Tuberkulosekranke an der Stelle, an der sie gesund wurde. „Steht der Hof denn überhaupt zum Verkauf?“ fragt Otto. So ist es. „Wir müssen das alles erstmal genau durchrechnen,“ sagt Otto. Hope sagt: „Es wird gelingen. Weil es richtig ist. Weil es gut ist.“
Das Sanatorium wird eröffnet, allerdings unter Ottos Namen, so als sei es seine Idee gewesen. Hope zweifelt langsam, ob Otto ihr „Tropfen im Meer“ ist, wie es der Vater für die Mutter war. Die Mutter ist sehr stolz auf das Erreichte, aber sie warnt: „Du bist scheinbar nicht aufzuhalten, Hope, aber sieh dich vor, wenn du eines Tages deine Grenze findest: in dem Moment wird es sehr weh tun.“ Hope: „Ich weiß, Mama.“
Es kommt ein Anwärter auf eine Assistentenstelle ins Sanatorium. Zu Hopes Überraschung ist es Carl Lehmann. Sie hatte das Flugblatt von damals aufbewahrt. Wie sich herausstellt, hat Carl verbotene Zeitungen bei sich. Er tut, was er für richtig hält. „Wir könnten Frauen wie Sie für die gute Sache brauchen,“ sagt er. „Es ist nicht nötig, mein Herz zu entflammen, Doktor Lehmann,“ sagt Hope, „mein Herz gehört der Sozialdemokratie – schon lange.“ Am Ende verbrennt er die Zeitungen doch, damit es keinen Ärger gibt.
Kurz darauf kommt Clara zu Besuch. Beim Abendbrot diskutiert man über das Proletariat, die Namen Engels und Liebknecht kommen vor. Otto gefällt das nicht recht, er ist ein Konservativer. Clara und Carl verstehen sich anscheinend gut und reden noch bis spät in die Nacht hinein. Am morgen sind die beiden nach Paris verschwunden. (Ende des ersten Teils. Wie es weiter geht, erfahren wir erst am Mittwoch.)
Am 24. März 2010 um 17:13 Uhr
Hope is a bridge — Love is a shield! (Oder so.)