05 Okt

Am Ende zählt, dass man sich liebt

Von Michael Duszat

Wer immer nur Klassiker liest, der verpasst oft die aktuellen Wohlfühl-Events im Fernsehen. Eine Bestsellerverfilmung um eine ungerecht behandelte Wanderhure im Mittelalter interessiert mich aber schon vom Thema her. Da geht es mir nicht anders als Euch.

Konstanz, 1414: Kaufmannstochter Marie Schärer führt ein sorgenfreies Leben und liebt den Schankwirtsohn Michel. Sie lässt sich von ihm durch eine Blumenwiese jagen und badet mit ihm im Fluss. Als Marie ihre Geschäfte im Tuchladen erledigen muss, sagt Michel in ernster Vorahnung: »Ich warte auf dich, und wenn es zwei Ewigkeiten dauert«.

Der Graf von Keilburg möchte Marie mit seinem unehelichen Sohn Ruppertus verheiraten. Dafür würde sie dann Gräfin werden. Sie will sich aber lieber ihren Mann selbst aussuchen, was im Mittelalter nicht geht. Als Bedingung für die Heirat verlangt Keilburg, dass die Braut als Jungfrau in die Ehe gehen muss. Das ist bei den meisten Adelsfamilien so, erklärt der zuständige Notar.

Während Maries Vater Mathis den Ehevertrag unterschreibt, denken sich Marie und Michel gemeinsam einen Plan aus. Marie will so tun, als sei sie im Fluss ertrunken. Dadurch würde ihr Vater seine Ehre behalten können, so denkt Marie, und sie könnte mit Michel zusammen nach Köln.

Stattdessen beginnt eine teuflische Intrige. Marie wird verleumdet und der Hurerei beschuldigt. Man holt sie ab und bringt sie ins Gefängnis. Sie wird im Kerker angekettet und brutal geschändet. Vater Mathis, der seine Entscheidung bereut, wird auf offener Straße ermordet.

Reihenweise Falschaussagen

Vor Gericht werden reihenweise Falschaussagen gemacht. Das Gericht verurteilt Marie folgerichtig als Hure und Ehebrecherin zu Auspeitschung und anschließender Verbannung. Das gesamte Gut ihrer Familie geht an die Familie von Keilburg. Marie schwört, dass sie wiederkommen und alle auf den Scheiterhaufen bringen wird.

Die Auspeitschung findet unter freiem Himmel statt und erzeugt eine ganze Menge Mitgefühl. Anschließend wird Marie aus der Stadt gebracht. Dort geht sie vor Zeugen ins Wasser und ertrinkt scheinbar. Sie taucht aber wieder auf und rettet sich ans Ufer.

Sie wird von einem Trupp Wanderhuren aufgegriffen und wieder hergestellt. Man legt ihr geheimnisvolle Blätter auf den gemarterten Rücken, eine Heilkunst, die heute vergessen ist. Dafür will man aber 10 Groschen haben. Die soll sich Marie nun verdienen. Sie versteht, was das heißt. »Ich mach das aber nur so lange, bis ich genug Geld habe, für meine Rache«, sagt sie.

Michel rettet derweil einen Jungen vor dem Ertrinken. Es stellt sich heraus, dass es der Sohn des Pfalzgrafen ist. Als Belohnung darf sich Michel dessen Armee anschließen und wird bald Hauptmann.

Marie nennt sich jetzt Hanna. Ihr erster Freier hat blondes Haar und ist eigentlich ganz nett, und die Beleuchtung in dieser Szene ist auch gut. Es stellt sich später heraus, dass er zu Michels Truppe gehört, und dass es sein erstes Mal war. Michel hat keine Ahnung, was wirklich passiert ist, als er von dem Erlebnis mit einer gewissen Hanna hört.

Die nächste Sexszene ist nicht so schön, denn jetzt wird Marie mit der Realität ihres neuen Berufes vertraut gemacht. Der Mann ist sehr hässlich, schmutzig und brutal.

Eine Mätresse für Dietmar

Marie macht entschlossen weiter, immer mit dem Gedanken an Rache. Gemeinsam mit den anderen Wanderhuren zieht sie durchs Land. Die Wege im Mittelalter sind schlammig, und ihr Wagen bleibt oft stecken. Dann aber wird sie von einer reichen Frau als Mätresse für ihren Mann Dietmar engagiert.

Auf der Fahrt zu dessen Burg begegnet man einem Trupp Soldaten, dessen Hauptmann der Michel ist. In der Nacht gibt sich Marie ihrem früheren Geliebten zu erkennen, aber ringt ihm das Versprechen ab, niemandem ihre Identität zu verraten. Michel ist gründlich erschüttert, dass Marie jetzt eine Hure ist, kann aber nichts dagegen tun und fügt sich.

An ihrer neuen Arbeitsstelle angekommen, beeindruckt Marie den Burgherrn Dietmar, indem sie nicht nur gut aussehen, sondern auch Schach spielen kann. Die folgende Sexszene ist wieder sehr gut beleuchtet, und Dietmar ist eigentlich auch ganz nett, wenn auch kein Herrschertyp, das ist eher seine Frau.

Wie sich herausstellt, ist Marie durch ihre neue Anstellung zufällig auf Burg Arnstein gelandet, die von den von Keilburgs begehrt wird. Diese versuchen, den Besitz durch Urkundenfälschung an sich zu bringen.

Durch einen Verrat von Judokurs, Dietmars Bruder, wird die Originalurkunde gestohlen. Aber Marie beobachtet den Diebstahl und beschafft sich das Dokument. Als Gegenleistung fordert sie, dass die Arnsteins ihr Zugang zum König ermöglichen. Eine Gelegenheit dazu ergibt sich, als in Konstanz, wo alles angefangen hat, ein Fest stattfindet.

Dort angekommen, trifft Marie zunächst ihren hässlichen Freier wieder, der sie zu einer Massenvergewaltigung mit seinen Kumpanen zwingen will. Da taucht aber der Michel auf und erschlägt den Übeltäter. Er reitet mit Marie auf dem Pferd durch die Nacht zum Fluss, während der Mond scheint.

Ein König kommt ins Spiel

Marie hat aber nur ihre Rache im Kopf. Sie begibt sich auf das Fest und macht dem König, der bekannt dafür ist, es mit jeder zu treiben, schöne Augen. Sie hat sich überlegt, dass sie den König dazu bringen kann, Recht zu sprechen.

Aber dazu kommt es erst einmal nicht. Stattdessen wird es gefährlich, denn Marie wird am nächsten Morgen von den Keilburgs auf der Straße erkannt. Währenddessen entschließt sich auch Michel, seine Unschuld bei einer Hure zu verlieren, es macht ihm aber keine Freude. Enttäuscht schmeißt er seinen Beruf als Hauptmann.

Aber dann bricht ein Hurenaufstand aus. Man wolle den König sprechen, heißt es. Es geht um einen Mindestlohn, und die Legalisierung der Prostitution. Marie steht an der Spitze. Öffentlich erklärt sie bei dieser Gelegenheit ihren Fall. Aber niemand glaubt ihr, dass sie die echte Marie ist.

Dann aber reitet der Michel durchs Stadttor und bringt einen Mittäter der ursprünglichen Intrige als Zeugen. Aus Zorn will der überführte Ruppertus Marie erstechen, trifft aber die falsche. Der König sieht nun die Wahrheit und spricht Recht.

Ruppertus wird gefasst und gekreuzigt. Marie wird vor Gericht rehabilitiert, und in der Kirche versetzt man sie wieder in den Zustand der Unschuld. Unter Abendsonne treffen sich Marie und Michel am Fluss wieder, wo alles angefangen hat. Michel wiederholt seinen Satz mit den zwei Ewigkeiten. Unschuld war im Mittelalter wichtig, aber am Ende zählt, dass man sich liebt.

Der nacherzählte Film lief heute abend um 20.15 auf Sat 1. Eine Fotostrecke mit zutreffenden Bildbeschreibungen gibt es hier:

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Eine Reaktion zu “Am Ende zählt, dass man sich liebt”

  1. Nikolai

    Ganz schön komplexe Handlung für Sat 1 20.15h!