Ich bin nicht hundertprozentig sicher, ob Claudia weiß, was auf sie zukommt
Der erste von sechs Teilen der ZDF-Doku Der Wettlauf zum Südpol brachte heute abend 20:15 eine Neuauflage jenes Kampfes befreundeter Nationen ins Fernsehen, den der Bergfilm Nordwand vor kurzem in die Kinos getragen hatte: Deutschland gegen Österreich. Ich habe es mir angesehen und erzähle es jetzt nach, für alle diejenigen, die es verpasst haben, so gut ich kann, und so wie es wirklich passiert ist.
Das größte Abenteuer ihres Lebens begann. 400 Kilometer durch die Eiswüste. Deutschland gegen Österreich. Jeweils drei Männer und eine Frau.
Der deutsche Teamchef Markus Lanz sagte: »Dieser Lauf ist auch ein Lauf gegen mich selbst.«
Faszination Antarktis. Was, wenn die Kräfte versagen? Würde der Wettlauf vorbei sein, bevor er begonnen hatte? Alle mussten über sich hinauswachsen. Nur als Team konnten sie bestehen. Höhen und Tiefen überwinden.
Auch der österreichische Teamchef, Skilegende Hermann Maier, war sich der Herausforderung bewusst. Er sagte: »Es heißt Wettlauf zum Südpol. Nicht Wanderpark zum Südpol.«
Wer würde siegen beim Wettlauf ans Ende der Welt? Auf den Spuren der großen Entdecker?
Rückblende: Wie war es damals, beim Wettkampf Scott gegen Amundsen? Vor hundert Jahren hatten schon einmal zwei ausgewählte Teams für ihre Nationen um den Sieg gekämpft. Amundsen war effizienter gewesen und eher angekommen. Scotts Team war auf dem Rückweg erforen.
Das heutige Team musste sich mit den Pionieren von einst messen. Hatten sie aus der Geschichte gelernt? Wie würden sie in der endlosen Eiswüste überleben? Auf wen würden sie sich verlassen können?
Markus Lanz sagte: »Ich habe immer Grenzerfahrungen gesucht, denn Grenzerfahrungen bringen dich auch als Mensch weiter.«
Rückblende: Ein hartes Auswahlverfahren wurde gezeigt. Joey Kelly würde für die Deutschen mit dabei sein, das stand fest. Für die Österreicher ging Radiomoderator Tom Walek mit auf die Reise. Jeweils zwei weitere Plätze waren zu vergeben.
Das einmalige Abenteuer lockte Athleten aus dem ganzen Land an. Keine leichte Entscheidung für den deutschen Teamchef Markus Lanz: »Wenn lasse ich rein in den inneren Kreis?«
Dennis wurde ausgewählt. Claudia wurde ausgewählt.
Bei den Österreichern wurden Sabrina und Alexander ausgewählt.
Dann: Drei Monate hartes Training. Claudia vom Team Deutschland sagte: »Irgendwie ist es ein neuer Lebensabschnitt.«
Der ultimative Kältetest war der Sprung ins eiskalte Wasser. Die Grenzerfahrung machte Mut.
Aber die Frage war: Wie hält man das Team zusammen?
Joey Kelly sagte: »Wenn die nicht zusammenhalten, dann fange ich an zu singen. Dann hole ich die alten Kelly-Hits raus.«
Markus Lanz sagte: »Es wird etwas sein, dass mein Leben definitiv verändert, und vor allem den Blick auf dieses Leben verändert; das ist wichtig.«
Das Training war vorbei. Man erreichte die Antarktis per Flugzeug. Auf einer Landebahn aus purem Eis. Die ersten Schritte auf dem siebten Kontinent. Alle wussten: Nach monatelanger Vorbereitung würde es jetzt endlich ernst werden.
Der deutsche Teamchef Markus Lanz war optimistisch: »Wenn ich die weiße Fläche so sehe, hätte ich Lust einfach los zu gehen. Hätte ich richtig Bock drauf.«
Es folgte ein historischer Zeltvergleich. Das neue Zelt war rot und leicht, das alte war grau und viel schwerer.
Die Schlitten wurden beladen. Es musste sparsam gepackt werden.
Markus Lanz, Teamchef der Deutschen, überlegte: »Wieviel Unterhosen nehme ich mit? Bei uns zu Hause sagen sie immer, erstunken ist noch nie einer, erforen schon viele. Deshalb nicht zu viele mitnehmen.«
Der Weg zum Ziel wurde in einer kurzen Animation gezeigt.
Nach der Ankunft ging es in eine einwöchige Akklimatisierungsphase. Es kam ein professioneller Rennleiter hinzu. Es ging in große Höhe, 3000 Meter. Wegen des Luftdrucks herrschte eine gefühlte Höhe von weit mehr als 3000 Meter.
Die Kontrahenten mussten lernen, ihre Kräfte richtig einzuteilen. Als Team zusammenwachsen. Und einen Plan schmieden, wie der Gegner zu schlagen sei.
Es ging los.
Markus Lanz sagte: »Sensationell. Das ist wirklich zu Eis gefrorene Erdgeschichte, die man hier sehen kann.«
Noch hatten sie Zeit, die Magie der Landschaft auf sich wirken zu lassen. Joey Kelly sagte: »Traumhaft.«
Berge können Österrreicher nicht schrecken. Doch steigt man besser mit Skiern oder zu Fuß? Für Skilegende Hermann Maier war es eine Frage der Ehre.
Der erste Tag war überstanden. Ein günstiger Zeltplatz war gefunden.
Der deutsche Teamleiter Markus Lanz war zufrieden: »Claudia und Dennis haben richtig ihre Hausaufgaben gemacht. Wenn man die los lässt, dann werden wir fliegen und die Österreicher schlagen.«
Die Harmonie schien perfekt im Team Deutschland.
Dennis sagte: »Für mich sind es meine olympischen Spiele. Den Hermann zu schlagen, das wäre ein Traum.«
Doch der andere Gegner hieß: Antarktis.
Die Schönheit der Natur täuschte über manche Gefahr hinweg. Der drei Kilometer dicke Eispanzer der Antarktis ist ständig in Bewegung. Besonders gefährlich sind die Randgebiete.
Es kam zu einem ersten Streit, weil Dennis der Gurt, mit dem er den schwersten Schlitten zog, immer wieder abrutschte.
Es war die erste Belastungsprobe für das deutsche Team.
Joey Kelly sagte: »Es ist zu früh zum Durchdrehen.«
Nur als echtes Team konnten sie es schaffen.
Die Österreicher brachten an diesem Tag ein echtes Gröstl zustande und teilten es mit dem deutschen Team. Markus Lanz sagte: »Sensationell!« Joey Kelly sagte: »Warum bin ich nicht Österreicher?«
Die Laune stieg wieder.
Tag 3. Ein Sturm zog auf.
Markus Lanz teilte eine Beobachtung mit seinem Team: »Eigentlich kann man als Mensch gar nicht überleben unter solchen Bedingungen. Dass man andererseits nur ein Zelt und einen Gaskocher braucht, ist sensationell.«
Die Sicht wurde schlechter. Modernes GPS erleichterte das Navigieren im endlosen Eis. Alle wussten: Die Pioniere von damals hatten nur den Sextanten.
Eine Bergetappe. 25 Kilometer und 400 Höhenmeter standen an. Für einige war die Schmerzgrenze schon erreicht.
Die Rivalen brachten sich in Stellung.
Historischer Schlittenvergleich: Der neue Schlitten war rot. Der alte war grau und viel schwerer und größer.
Nicht alle überwanden die Bergetappe gleich gut. Der Teamchef machte sich Sorgen um Claudia: »Claudia machen die Berge zu schaffen. Das ist etwas, womit sie nicht gerechnet hat. Sie hat sich mehr auf die Ebene vorbereitet, auch gedanklich.«
Würde Claudia am Ende sein bevor das Rennen begann?
Claudia sagte: »Ich bin gestern übersäuert gewesen und merke das heute in den Beinen.« Zur Übersäuerung gab es eine kurze wissenschaftliche Erläuterung.
Das eigentliche Rennen stand noch bevor. Die Akklimatisierungsphase war nur ein Vorgeschmack auf den harten Wettkampf mit dem Österreichern. Würde Claudia durchhalten?
Auch Joey Kelly beobachtete Claudia und machte sich Sorgen: »Ich habe ein bisschen Bauchschmerzen. Ich bin nicht hundertprozentig sicher, ob sie weiß, was auf sie zukommt.«
Der Rennleiter versuchte, das Team zusammen zu halten. Er sagte: »Claudia ist nicht so gut im Bergsteigen wie Sabrina, aber im flachen Gelände ist sie schneller.«
Am nächsten Tag stürmte es wieder. Die Einsamkeit schlug aufs Gemüt. Markus Lanz sagte: »Dieses Totenreich hier ist mir nicht geheuer. Das geht dir hier irgendwann auch auf die Psyche.«
Eine Rückblende ins Innere von Scotts Zelt. Alle Männer starben damals. Scott schrieb als letztes in sein Tagebuch: »Kümmert euch um Gottes willen um unsere Hinterbliebenen.«
Hundert Jahre später. Der Countdown lief. Ein Flugzeug brachte die Teams zum eigentlichen Startpunkt des Rennens. Markus Lanz sagte: »Wir beginnen jetzt tatsächlich die letzte Etappe unserer Reise.«
Am Ende der ersten Episode standen die Teams vor der größten Herausforderung ihres Lebens. 400 Kilometer durch die Eiswüste. Deutschland gegen Österreich. Welche Gefahren warteten auf sie?
Die nächsten Episoden werden es zeigen. Eins aber ist sicher. Nur gemeinsam werden sie bestehen. Es ist eine Reise, die alle an ihre Grenzen bringen wird.
Am 8. März 2011 um 23:58 Uhr
Ach was, schon wieder so ein Hollywood remake oder was? Das gabs doch schon mal. Genau, mit Fuchs und Messner in den Hauptrollen!
Das war damals aber eher so als death race angelegt, glaub ich. Da war nix mit Picknick in trauter Zweisamkeit. Nix für Windelwerbung zwischendurch.