„Man kann eine Geschichte nicht überblicken, in der man nur eine Figur ist.“ Ein Kaffeehaustisch und das Leiden der ganzen Welt. Man isst ein Eis, und anderswo wird „jemandem jetzt der Kopf weggeschossen“. Überempfindsamkeit, der die alltäglichen Schrecken ganz nahe kommen: „ich möchte sofort eine Haut bestellen, keinen flavoured Cappuccino“. Ein verzweifeltes Wundern über die unentrinnbare Beschaffenheit des Seins. „Alles flirrt, alles ist sich ähnlich, der Tisch unterscheidet sich nicht wirklich von deiner Hand und nicht wesentlich von dem Mobiltelefon, und im Allerinnersten ist es hauptsächlich: Nichts.“
Ein dichter dichterischer Text, den Lektor Wolfgang Farkas einen „Gesang“ nennt. Weit von der plotbestimmten Gattung der Kurzgeschichte und nahe dran an Marie T. Martins Können, der Kurzprosa. Splitter von Gedanken, Einsichten, Assoziationen, Erinnerungen. Immer wieder Gemmen: „Ich glaube, es gibt den Kern nicht, nach dem wir suchen, es gibt nur eine Farbe vielleicht, die immer auftaucht, Schicht um Schicht ist alles übereinandergelegt in uns wie eine Lasur, es gibt keinen wahren Grund, denn alle Schichten leuchten zusammen, es gibt viele Stimmen und keine eigene.“ Konzentrierte Stille im Publikum. GOLD-Favoritin.
Ruhigste Selbstdistanz: „Und die immergleiche Ellipse der Tauben in dem Dorf, in dem jemand aufwuchs, der aussah wie ich als Kind, ein Mädchen, das mit mir zu tun haben musste, diese immergleiche Bewegung, die ich vom Küchenfenster aus sah, und wie die Vögel in einem bestimmten Moment, einer unbestimmten Drehung unsichtbar wurden vor dem Himmel.“
13. Wettbewerbsbeitrag beim open mike, 15.11.2009 – 12:15 Uhr