Lektor Andreas Paschedag hält eine Laudatio vorweg. Matthias Senkel liest trocken, mit pergament-rauchiger Stimme. Krachend leiser Humor (ja, paradox; aber gelungen!), ein magisch realistisches Familienpanorama. Eine „Zauberkiste“, dieser „Mikroroman“„auf nicht einmal sieben Manuskriptseiten“ (Zitate Paschedag). Im Zentrum: Eine Pistole, ihre vier Opfer und die Beziehungen drumherum, mehr als hundert Jahre Geschichte, von Kaiserlich Deutscher Marine und Samoa über Zweiten Weltkrieg, Nordafrikakorps und Festung Europa bis DDR, UdSSR und Subbotnik.
Senkel erntet den allerersten Publikumslacher des Tages und schließt mit einer Meta-Pointe: „Onkel Leonhard: Jetzt mach mal einen Punkt! Wenn permanent neue Gegenstände immer weitere Verzweigungen auslösen – wie hört der Roman dann je auf?“ Ich: ‚Et cetera, et cetera.’“ Spritzig, komplex, überraschend, gewitzt. Früher Favorit!
Außergewöhnlichste Protagonistenbeschreibung: „Die Pistole meines Urgroßvaters Franz Gründel war bisher in den Tod folgender Personen verwickelt:
Jeremiah Regoldt, Handelsvertreter (1933),
Felicité Samoa Rötschke, mutmaßliche Spionin (1944),
Sarkis Karabekian alias Sergej Karabekow, Frontaufklärer (1945),
und Wolfgang Plöthner (1945).“
3. Wettbewerbsbeitrag beim open mike, 14.11.2009 – 14:30 Uhr