Alle Beiträge in: „Hier ist Berlin noch in Ordnung“

13 Apr

Hier ist Berlin noch in Ordnung (6): Frohnau, Wildschweine vereinzelt

Von Nikolai Preuschoff

Frohnau Casinoturm

Es ist sehr ruhig in Frohnau. Die Wildschweinpopulation soll wieder zugenommen haben. Frohnau ist einer jener Stadtteile Berlins, wo man nicht so häufig hinkommt. Frohnau bildet den nördlichsten Rand von Reinickendorf. Nach Frohnau gelangt man mit der S1. Früher, als Grenzzaun und Todesstreifen Frohnau noch zu westlicher, nördlicher und östlicher Seite umschlossen, war Frohnau zugleich die Endstation dieser S-Bahnlinie.

Man verlässt das Frohnauer Bahnhofsgebäude in heiterem Sonnenschein. Sofort erkennt man das “Wahrzeichen” von Frohnau: einen hohen, düsteren Turm. Ein mittelalterlicher Multifunktionsturm, der 1910 gebaut wurde. Seine Aufgabengebiete waren: Wasser, Aussicht, Uhr. Den ganzen Beitrag lesen »

14 Mrz

Hier ist Berlin noch in Ordnung (5): Matschwege am Landwehrkanal

Von Nikolai Preuschoff

Matschwege am LandwehrkanalKeine Stadt, behaupte ich jetzt mal, ist so mit Matsch, Sand und Sumpf verbunden wie Berlin. Oder kennt jemand eine matschigere, sandigere, sumpfigere? Sumpf, Sand und Matsch treten in Berlin zumeist dort in Erscheinung, wo gerade kein Geld da ist. Oder im Gegenteil, wo gerade Geld da ist und gebaut oder abgerissen wird. Am Potsdamer Platz früher, bei den Bundestagsbauten, beim Hauptbahnhof, und jetzt beim Palast der Republik: eine einzige sandig-matschige Fläche. Der Berliner kennt seinen Matsch, er ist mit ihm aufgewachsen. Berlin ist sozusagen seit Menschengedenken ein sandiger, matschiger Flecken Erde. Die Ursache für all den Matsch und Schlamm Den ganzen Beitrag lesen »

09 Jan

Hier ist Berlin noch in Ordung (4) : Der letzte Hof

Von Nikolai Preuschoff

Letzter Hof I

Dieser Ort fällt — zugegebenermaßen — gegen die anderen, großartigen Entdeckungen dieser Reihe etwas ab. Denn die meisten werden ihn kennen: ein Ort mit musealem Charakter, der sich eigentlich nur dadurch von der Umgebung abhebt, dass sich um ihn herum alles verändert hat. Trotzdem, als ich letztens (da lag noch kein Schnee, wie man auf dem Foto sehen kann) an ihm vorbeikam, durchfuhr es mich: “Hier ist Berlin noch in Ordnung”. Den ganzen Beitrag lesen »

08 Mrz

Hier ist Berlin noch in Ordnung (3): Kolonie Balkonien

Von Nikolai Preuschoff

kolonie balkonienIn der Neuköllner Hobrechtstraße hat die Laubenpieper-Kultur Einzug erhalten. Man soll sich nicht lustig machen über die Berliner Laubenpieper. Schließlich haben sie eine bewegte Geschichte. Die ersten Schrebergärten (benannt nach dem Leipziger Arzt Dr. Daniel G. M. Schreber, der mit den Gärten ansonsten nicht viel zu tun hatte) wurden 1833 als “Armengärten” von der Berliner Stadtverwaltung angelegt. Wo heute der Senator Thilo Sarrazin Speisepläne für Hartz-IV-Empfänger aus dem Angebot der Discounter zusammenstellt, wies man seinerzeit der darbenden Bevölkerung eine Parzelle zu, damit sie sich selbst versorgen konnte.

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30 Aug

Hier ist Berlin noch in Ordnung (2): Hundesalon Exquisit

Von Nikolai Preuschoff

Hundesalon Betrachtet man die Aushängeschilder des ansonsten recht ordentlich wirkenden “Hundesalon Exquisit Balfanz”, fällt nicht nur die mischlingshafte Typografie ins Auge, sondern man kommt auch ins Grübeln: Handelt es sich bei diesem, etwas unscheinbar am Neuköllner Maybachufer gelegenen Etablissement, nun um den Hundesalon “Exquisit” mit Namen “Balfanz” oder vielmehr um einen Salon “Balfanz”, der sich vom gewöhnlichen dadurch unterscheidet, dass er “exquisit” ist? Und ist nun die dort angebotene Arbeit am Hund “exquisit”, oder kommt der räudige Vierbeiner anschließend, nach verrichteter Pflege, einfach “exquisit” wieder heraus? Eine schnörkellose Gardine verhindert den klärenden Blick ins Innere, und auch durch die Eingangstür lässt sich nicht viel mehr als ein etwas biederer Schreibtisch und ein dem Besucher zugedachter Stuhl erahnen. Dafür lassen die drei täuschend echten Attrappen im Schaufenster zweifelsfrei erkennen, dass zumindest Hunde der Rassen Schäferhund, Dackel und Boxer hier Pflege erwarten dürfen. Das Inventar stammt übrigens, wie der Laden, vermutlich noch aus den 60ger Jahren. Und das wird – zum Glück – auch so bleiben, denn auf dem einzigen, dem kaltschnäuzigen Ensemble zugeordneten Hinweisschild lesen wir: “Die Figuren im Schaufenster sind unverkäuflich.”
Dass ein findiger Schweizer Trendladen hier bereits das große Geschäft wittert, verschweige ich abschließend besser, würde es doch die Aura des Originären und Unbefleckten, die diesen Ort noch umweht, nur stören.

Foto: Nikolai Preuschoff

22 Jul

Hier ist Berlin noch in Ordnung (1): Die Wartehalle am ZOB

Von Nikolai Preuschoff

berliner zobAn der äußersten westlichen Peripherie Berlins, nahe des Funkturms (oder “Funktürmchens“) betrat ich letztens die Wartehalle des ZOB, des so genannten “Zentralen” Omnibus-Bahnhofs, ein architektonisches, kaum mehr beachtetes Relikt aus den 60er Jahren.
Dem Besucher fällt die Komposition aus Glas und warmen Gelbtönen sogleich angenehm ins Auge. Dabei verdient, unterhalb des Fensterbandes von Abfertigungsschaltern, eine Reihe formschöner Kunstoffmodule, die an Sitzbänke von Playmobil-Fahrzeugen erinnern, besondere Aufmerksamkeit. Oberhalb der Schalterfenster ist die Beschriftung etwas bürokratisch, aber klar, charaktervoll und wie handgeklebt die Typografie.

Es ist morgens um sieben, vor den zwei Abfertigungsschaltern haben sich lange Schlangen gebildet. Die Wartenden am hinteren Ende, viele davon Senioren, sind, obgleich es durchaus voran geht, hochgradig nervös. Sie wollen nach Braunschweig, Lüneburg, Frankfurt, zu einer Hochzeit, die Enkelkinder besuchen. Der Schalter “Auskunft” ist nicht besetzt, dezent schließen ihn die Lamellen eines Sichtvorhangs. Neben an, bei der “Verkehrsleitung”, ist vorsichtshalber ein mit Farbtintenstrahldrucker improvisierter Hinweis angebracht: “Hier keine Tickets”. Dafür flackern über die erst kürzlich montierten Anzeigetafeln die Abfahrtzeiten und Zielorte: Hamburg, Bremen, Eckernförde. Die Abfahrten finden pünktlich statt, penibel wird unterwegs jede Kleinstadt abgeklappert, und die Preise sind, noch fast, wie aus der Vorwendezeit.

Foto: Nikolai Preuschoff