Etwas sehr kleines
Eine Gast-Observation von Jasper Nicolaisen
Alle sprechen immer vom Mars. Gerade jetzt, wo Mondjubiläum ist. Aber es gibt viel kleinere Planeten. Sie sind näher dran. Sozusagen unter uns. Und spannender sind sie auch. Leider sieht sie aber niemand. Die Politik versagt! Und die Wissenschaft! Jetzt, wo bald wieder Wahl ist, können wir auf die nächste Legislaturperiode warten. Jetzt passiert sowieso nichts mehr. Dabei gibt es auf diesen kleinen Planeten alles. Gold, Edelsteine. Überreste jahrmillionenalter Alienkulturen, an denen man mit Zahnbürsten rumkratzen kann. Bier. Schnaps.
Hier ist ein Bewohner dieser sehr kleinen Planeten, ein Reisender, ein Forscher, ein Kara ben Nemsi der Mikroplanetenszene. Er heißt Girx. Das ist dort ein ganz normaler Name, wie hier Frank-Walter Steindingens, Girx gibt uns ein Interview. Er beißt dem Interviewer den Kopf ab und verknuspert die Kamera. Das ist dort ein ganz normales Verhalten, wie hier Lächeln und Auskunft geben. Girx ist sehr klein. Es wird noch Milliarden Jahre dauern, bis er den Interviewer gefressen hat. Und das Universum ist schon längst verglüht Den ganzen Beitrag lesen »

Als ich gestern Nachmittag mit dem etwa halbvoll besetzten ICE nach Berlin zurückfuhr, geriet ich in eine jener Situationen, in denen ein einzelner Fahrgast eine ganze Gruppe von Reisenden bis an den Rand des Nervenzusammenbruchs treibt, diese jedoch in einer merkwürdigen, masochistischen Ohnmacht reglos verharrt. Dabei rührte die unerklärliche Passivität meiner Mitreisenden (und, obwohl ich etwas weiter hinten saß, auch die meine) bestimmt nicht daher, dass man generell nicht seine Meinung sagen würde. Und wahrscheinlich nicht einmal daher, dass man mit dem Verdacht zu kämpfen hatte, man sei vielleicht mit seinen gereizten Nerven allein, und wenn man sich jetzt beschwerte, dann würde das als kleinliche Überreaktion ausgelegt werden. Es muss also noch einen anderen Grund gegeben haben. Und den gab es.