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01 Nov

Herbst = Zeit der Links!

Von Nikolai Preuschoff

Während in Kalifornien noch die Sonne scheint, wie man auf dem obigen Bild deutlich sehen kann, ist es in Berlin schon grau und finster geworden. Jedenfalls nach allem was man so hört, hier in Ann Arbor, Michigan, wo es mit den milden Spätsommertagen allerdings genauso vorbei ist. Die geschnitzten Kürbisse faulen bereits vor sich hin, und die Eichhörnchen haben sich fett gefuttert. Allerorten ziehen bedrohlich die Herbstdepressionen auf, denen wir heute, wie gewohnt, mit neuen und alten Links begegnen wollen.

  • Beginnen wir mit der schönsten Geschichte der Woche: In einer norditalienischen Kirche wurde in einem Marmorstein ein jahrmillionenalter Dinosaurierschädel entdeckt. Eine Paleontologin bestätigt den Fund. Ein H.P. Lovecraft hätte sich das, da stimmen wir dem bldgblog zu, nicht besser ausdenken können. Für die Evolutionsleugner in den USA wäre dieses Gebäude gewissermaßen vertrackt, wie auf dem bldgblog ein anonymer Leser anmerkt: “A building standing as a dedication to their god, the creator of all life, holding evidence of a contradictory theory of creation – evolution.”
  • Klicken Sie hier, und schauen Sie sich die alten Atlanten an.
  • Klicken Sie hier, und schauen Sie sich die schönen, alten Groschenheft-Cover an. Die Seite trägt den sehr guten Namen Monsterbrains, und die Groschenhefte der Reihe The Beyond haben damals wirklich nur einen Groschen bzw. 10 Cents gekostet. Gut ist auch, wie auf dem Titel bereits in die Geschichte eingeführt wird: “I shall add years to your sick wife’s life flame, John Arno”, sagt da z.B. eine Hexe, “but in return you must find me other victims. You have made a bargain with DEATH.” Da ist man natürlich gespannt, wie es weitergeht.
  • Paris Review-Interviews — Wie unsere Namensvetterin Lisa Gold berichtet, hat Lorin Stein, die neue Chefredakteurin des Paris Review, kürzlich das Interview-Archiv 1953-2010 freigegeben. Darunter findet sich, neben hunderten Autoren, Cineasten, Dichtern, Dramatikern dieses (jüngst erschienene) Interview mit dem Comic-Übervater Robert Crumb. Das Archiv kann per Name oder Jahr durchsucht werden.
  • Etwas umsonst gibt es auch beim Spike Magazine: Spike Magazine: The Book — ein 600 Seiten PDF mit “Spike’s best interviews, features and reviews”. Darunter JG Ballard, Douglas Coupland, William Gibson, Will Self (interviews) und Maurice Blanchot, EM Cioran, Derek Jarman, Bruce Chatwin, WG Sebald, Thomas Bernhard (features).
  • Schließlich noch eine Meldung, vor der wir nur erblassen können: Der mächtige Übervater der Online-Rezension, M.A. Orthofer, hat ein Buch herausgebracht: The Complete Review. Eleven Years, 2500 Reviews (2500:11 sind übrigens 227,27). Das Buch beinhaltet “a descriptive site history, a longer essay On reviewing in general, twelve representative reviews (one from each year the site has been in operation), a Literary Saloon dialogue, and diverse other odds and ends.” Großartig.

Foto: naslrogues

17 Sep

Aus der Wildnis in die Wildnis

Von Günne

Gerade war ich auf einer Hütte im Urlaub und hatte kein Buch dabei. Nicht gerade der beste Ort, um sich im Nachhinein mit Lesestoff zu versorgen. Aber der Besitzer war ein guter Geist und hatte im Kaminzimmer ein Bücherregal mit ausgesuchter (Urlaubs-)literatur und dabei fiel mir die Geschichte von Chris McCandless in die Hand:

Sie ist in einem kurzen Abriss folgende:
Sohn aus mittelständischem Elternhaus beschließt nach erfolgreichem Uniabschluss alles hinter sich zu lassen, seine Familie, seine Ausbildung usw. und entscheidet sich für das Laben eines Tramps, der mit keinem Geld durch das Land zieht und sich durch die Wildnis schlägt. Sein großer Traum ist es eine Zeit in Alaska zu leben und sich nur davon zu ernähren was ihm die Natur bietet. Das ganze endet tragisch, weil er in der Wildnis stirbt. Ob er verhungert ist oder sich aus Versehen vergiftet hat, ist nicht klar. 19 Tage nach seinem Tod im August 1992 wird seine Leiche in dem ausrangierten Omnibus, in dem er über 100 Tage gelebt hat, gefunden.

So weit die Geschichte. Jon Krakauer hat sie aus der Zeitung erfahren, erst einen Artikel über geschrieben und dann ein Buch. Dieses Buch wurde verfilmt und so kam es, dass genau dieser junge Mann, über den Eddie Vedder sagt:

If you read the book, you know, one of the things that come screaming through is that this young man is probably the last guy that ever would want a movie made about him.

im Internet dermaßen weite Spuren gezogen hat. Aus der Wildnis Alaskas in die Wildnis des Webs: Den ganzen Beitrag lesen »

02 Mai

Hurray! Mit neuen Links in den Mai

Von Nikolai Preuschoff


Vor knapp zwei Wochen saß ich unvermittelt in London fest. Die Britischen Inseln liegen ja sozusagen in direkter Nachbarschaft zu Island und so auch in der Einflugschneise der Aschewolken Eyjafjallajökulls, dem bekanntlich gerade “auszubrechen” beliebte. Obgleich ich den Flug am Folgetag von einem leeren Luton Airport problemlos antreten konnte, waren diese geheimnisvollen, von der Erde aus unsichtbaren Wolken natürlich aufregend. Zumal sich die Prognosen gleichsam im Stunden- oder Minutentakt widersprachen und so die einen vor übertriebener Hysterie warnten, während die anderen bereits ein düsteres Panorama für die kommenden Wochend und Monate ausmalten. Inzwischen hat die Ölpest vor der US-amerikanischen Küste den Vulkan mit dem archaischen Namen  aus den Nachrichten verdrängt. Das ist schade, denn irgendwie war ich gerade dabei, mich mit ihm anzufreunden. Hierzu, und wie immer zu anderen literarischen Dingen, ein paar neue Links:

  • Mehr vom Eyjafjallajökull! — wem es ähnlich geht, wer also die Vulkan-Berichterstattung vermisst, der kann hier (auf boston.com) einige großformatige Bilder des Gletscherberges mit einer 800 000 Jahre alten “Eruptionsgeschichte” bewundern. Auch das Flickr-Album von michi_s, aus dem auch das obige Foto stammt, ist spektakulär und sehenswert! * Update 3.5. 2010: The Oatmeal, “How to name a volcano”
  • A Journey Round My Skull — “Unhealthy book fetishism from a reader, collector, and amateur historian of forgotten literature” gibt es hier zu bestaunen, “recent obsessions: illustration and graphic design”. Die ausgestellten Grafiken sehen zum Teil tatsächlich schrecklich oder zumindest gewöhnungsbedürftig aus, wobei man mit solch subjektiven Werturteilen ja immer vorsichtig sein sollte. Dennoch und gerade deswegen ist die Seite zu empfehlen! Speziell auch (um das einleitend angerissene Asche-Motiv wiederaufzugreifen): der kürzlich erschienene Blogpost Nicotine Chic: Writers as Smokers vom Gastautoren Gilbert Alter-Gilbert, illustriert mit zahlreichen Schwarz-Weiss-Portraitaufnahmen.
  • Letters of Note — ein wirklich herausragender Blog, eine “Perle” unter den literarischen Blogs, wenn man so will, auf den hier schon längst hätte hingewiesen werden sollen! Im Digitalen Zeitalter werden hier Briefe (zumeist) berühmterer Verfasser ausgestellt — der reinste Reliquienschrein also einer vom Aussterben bedrohten Kulturtechnik. Z.B. Albert Einstein am 25. 10. 1950 an Morton Berkowitz: “My position concerning God is that of an agnostic.”
  • Don Draper’s Bookshelf — Kenner der US-Serie Mad Men wissen um die historisch-genaue und detailverliebte 60er Jahre-Ausstattung der AMC-Produktion, für deren vierte Staffel die Dreharbeiten im April wieder angelaufen sind. Der New York-Magazine-Blog Vulture hat vor einiger Zeit das Buchprogramm des Protagonisten unter die Lupe genommen.
  • seenreading.com — in der U-Bahn auf das Buch des Nachbarn schielen und evtl. ein paar Zeilen mitlesen — jaja, das kennt man (war übrigens auch schon mal eine Artikel-Idee für goldmag.de). Julie Wilsons “literary voyeurism blog” basiert auf dieser Idee (wenn diese inzwischen auch inmitten zahlreicher Podcasts etwas untergeht). goldmag empfiehlt daher vor allem einen Blick die Archive.
  • Auktions-Poster “Books Make the Man” — noch zum Abschluss! Denn wer wollte da widersprechen?

Foto: Eruption of Eyjafjallajokull, michi_s

09 Nov

Vor 20 Jahren…

Von Nikolai Preuschoff

Trabbis Berlin… sagte unsere Grundschullehrerin, so, wir machen jetzt eine Exkursion, und wir sind dann an die Mauer gefahren. In meiner Erinnerung war es kalt, die Sonne schien, und man sah hauptsächlich Trabbis und manchmal Wartburgs mit knatternden Zweitaktmotoren durch eine winkende Menschenmenge fahren. Bei jedem Fahrzeug wurde gejubelt. Und einige reichten zur Begrüßung tatsächlich Bananen in die geöffneten Scheiben hinein. Dass dies nun das “Wunder von Berlin” war, verstanden wir damals natürlich nicht.

Der Tagesspiegel hat heute einen “Live-Blog” eingerichtet, und auf Carta fordert Tim Renner unter der Überschrift “Die Mauer muss Weg!” die Abschaffung der GEMA. Aber was machen die Literaten? Da ist z.B. Lars Gustafsson, der mit seinem heutigen Blog-Eintrag dem Tag ein schönes Motto verleiht: “Länge leve det fria Berlin!” Leider ist der Eintrag auf Schwedisch. Immerhin lernen wir von Gustafsson, der in den 70er Jahren mal in Westberlin gelebt hat, dass “Mauerfall” bzw. “Mauerbruch” auf schwedisch “murgenombrottet” heißt. Murgenombrottet. Von Volker Braun gibt es zum 9. November ein (schon älteres) Gedicht, das man sich von ihm auf lyrikline vorlesen lassen kann (es wittert neue Gefahren). Und der stets zuverlässige Literary Saloon bringt heute eine Übersicht zur englischsprachigen Mauerfall-Anthologie The Wall in my Head, die anlässlich des Jubiläums von  Words without Borders und Open Letter herausgebracht wird.

Foto: emilime

31 Okt

Links gegen Herbstdepressionen — noch mehr!

Von Nikolai Preuschoff

odd-and-boring-postcardWenn heute wieder ein Großteil der westlichen Welt dem heidnischen Brauch irischer Auswanderer nacheifert, der um 1830 in die USA gebracht wurde, wo er sich seither zum reinsten Konsumschlager entwickelt hat, wird es Zeit (zumal, wenn man selbst auf keine Halloween-Party eingeladen ist) für neue “Links gegen Herbstdepressionen”: “Links gegen Herbstdepressionen — noch mehr”!

  • Da ist zum Beispiel der Significant Objects Blog, von dem ich schon lange berichten wollte — dieser beruht nämlich auf einem sehr, sehr guten Einfall, der gute Laune macht: Jemand schreibt über einen bestimmten Gegenstand eine interessante Geschichte. Dadurch wird dieses Ding plötzlich interessant — und wertvoller! Der Beweis: Anschließend wird der Gegenstand bei eBay verkauft, und die Mehreinnahmen ergeben dann die Wertsteigerung. Den eigenen Angaben nach hat significantobjects.com bisher für 111$ Objekte eingekauft und diese dann für insgesamt 2718$ weiterverkauft. Das beweist: Schreiben lohnt sich! (Heute geht es um ein Cracker Barrel Ornament, und es ist Objekt 89 von 100.)
  • Die Auferstehung des Pictorial Webster’s (ein Film, “Inspiration to Completion”) — ist der reinste Hardcore-Porno für Bibliophile! Hier kann man sehen, wie John Carrera von der Quercus Press in Waltham, Massachusetts, den Bildlexikon-Klassiker Webster’s Pictorial Dictionary (1898) nach allen Regeln der Buchmacherkunst neu auflegt! Die Luxus-Ausgabe kostet 4600$, was natürlich etwas deprimieren kann, aber es gibt auch Ausgaben für 2600$, 1800$ und eine günstige für 35$. Aber vor allem der Film lohnt sich! (Via matthewbattles.tumblr.com/)
  • CA Conrads “(Soma)tic Poetry Exercises” — man könnte es “kreativitätsfördernde Schreibübungen” nennen, wozu der leicht schrullige Dichter CA Conrad da auf seinem Weblog anleitet. Auf jeden Fall ist es viel lustiger als es sich anhört! Conrads “Exercises” heißen z.B. “You in your soup”, “Let your toes know the truth!” oder “Your garbage spekas!” Bei einer weiteren Übung soll man auf einem Friedhof eine Fläche mit Gegenständen abstecken und dann, über einen der Gegenstände, Kontakt mit den Toten aufnehmen (oder so) — und das wäre dann auch der Moment, in dem mit dem Schreiben zu beginnen ist. Na gut, das klingt etwas gruselig. Aber es gibt auch andere Übungen, mit Bananen z.B., oder hier, die wirklich großartige Übung Nr. 17, die alte Klamotten und geraspelte Karotte in einem Nylonstrumpf miteinbezieht. Der Tag ist gerettet!

Foto: Odd and boring postcard von naslrogues

07 Okt

Links gegen Herbstdepressionen

Von Nikolai Preuschoff

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Herbstdepressionen sind eine hässliche Sache. Aber es passieren ja aufregende Dinge in der Welt. Übermorgen, z. B., wird der Träger des Literaturnobelpreises bekanntgegeben.

  • Michael Schaub hat anlässlich dieses Ereignisses A Very Brief History of the Nobel Prize in Literature verfasst. Die ist auch lustig zu lesen. Und in diesem Blogpost untersucht er die Wetten der britischen Seite ladbrokes.com auf die aussichtsreischsten Anwärter (Amos Oz führt die Liste nach wie vor an mit einem Wettverhältnis von 4/1, gefolgt von Assia Djebar und Joyce Carol Oates (beide 5/1)!
  • Ebenfalls bei den Htmlgiants zu finden ist diese unterhaltsame Bestandsaufnahme in Kenntniss der deutschen Literatur/Philosophie von Jimmy Chen, der einnehmend ehrlich alles offenlegt — ohne vorher zu googeln! –: Ich bin stumm (I’m dumb). Das gibt einem das Gefühl, sich gut auszukennen, hilft also gegen die Herbstdepression.
  • Lustig war auch zu lesen, was der Berlin-Blog des Tagesspiegel über einen literaturbesessenen Streetart-Künstler ans Licht brachte: Aus Liebe zu Henry Miller: Ukrainer klebt seine Hosen an Berlins Wände.
  • Nicht besonders lustig, aber dafür irgendwie überzeugend ist die Idee des Münchner Germanisten Giesbert Damaschke, einfach alte Briefe zu bloggen: nämlich die von Goethe und Schiller und in Echtzeit! D. h., um 215 Jahre versetzt wird jeder Brief genau an dem Datum veröffentlicht, an dem er geschrieben wurde! (Gerade hat Goethe einen kurzen Brief an Schiller gesandt und wartet nun auf Antwort.) Nachlesen kann man darüber in der NZZ, und ein ganz ähnliches und auch älteres Projekt findet sich hier: Die Londoner Tagebücher des Samuel Pepys, mit dem aktuellen Eintrag vom 6. Okt. 1666!
  • HTML Color Codes ist eine grellbunte Ausstellung, vorgestellt kürzlich auf rhizome.org. Unter all den Internet-Farben findet sich — für uns interessant — auch die Farbe Gold! Mit Jacob Broms Engbloms Bild (s. Abb.), das animiert richtig gute Laune verbreitet, können wir also etwas über uns selbst lernen:

Gold signifies something that cannot exist online. Traditionally, gold refers to things like money, jewelry, stardom, awards, a standard, and excess, all things from the “offline” world. Gold’s natural shine and sparkle is here translated into a series of animated gif files, heaped together in a treasure chest assemblage. However, the obvious problem is that this gold’s glitter hardly evokes the same measure of brilliance and shine of “real” gold. […] Gold also shows what it is not, namely, the auratic shine of inflated value and glamour. In destabilizing the abstracted exchange value of so-called “real” gold, Engblom’s gold points out that is in fact something else: Internet gold—the land where all that sparkles, whether banner add or artwork, seems to be equally de-valued to the same level of flatness and mundane repetition.

09 Sep

Heute, am schönen Tag namens 09.09.09

Von Nikolai Preuschoff

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… hat das 9. internationale literaturfestival berlin begonnen.”Literarische Vielfalt in Zeiten der Globalisierung erleben”, heißt es in der Pressemitteilung.

Noch bis zum 20. 9. gibt es wieder ein reich und prominent (Siegfried Lenz, Feridun Zaimoglu, Norbert Gstrein, Judith Hermann, Wolf Biermann, Arundhati Roy, Alice Schwarzer) gefülltes Programm (hier auch als knapp 5MB schweres pdf), mit zahlreichen Sparten wie “Fokus Arabische Welt”, dem diesjährigen Schwerpunkt, “Literaturen der Welt”, “Kaleidoskop”, “Internationale Kinder- und Jugendliteratur”, “Reflections”, dem Nabokovschen “Erinnerung sprich”, bis hin zu den “Specials“, unter denen sich dann noch ein weiterer Unterprogramm-Strauß verbirgt!

So das Kooperationsprojekt “Scritture Giovani”, Sprachkünstler der Gruppe “oulipo”, aber auch ein der jungen Literatur gewidmeten “New German Voices”, bei mit unserer LAN-Autorin Judith Schalansky (am 15.9. und 17.9., moderiert von Thomas Klupp) sowie Nadja Wünsche, Dorothee Elmiger, Kristof Magnusson, und “new german poetry” (die sich natürlich klein schreiben muss) mit Nico Bleutge, Daniela Danz, Christoph Leisten, Volker Sielaff.

Auch Giwi Margwelaschwili ist dabei und liest aus „Der Kantakt“ (16. 9.).

29 Aug

Das Pekar-Project und andere Glühwürmchen

Von Nikolai Preuschoff

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  • The Pekar Project — Harvey Pekar ist einer der interessantesten und, spätestens seit dem Film American Splendor, auch hierzulande bekanntesten US-Comic-Autoren. Längere Zeit arbeitete er mit dem Underground-Genius Robert Crumb zusammen, mit dem ihn auch eine Leidenschaft für alte Schellack-Platten verbindet. Jetzt gibt es wieder eine Kooperation der beiden Comic-Altmeister, wenn auch nur über das Telefon — und gezeichnet nicht von Crumb, sondern opulent von der Chicagoer Illustratorin Tara Seibel. Das Web-Comic “Pekar & Crumb, talking ’bout art” eröffnet eine Reihe von Pekar-Arbeiten, genannt The Pekar Project, die im SMITHmag erscheinen sollen. Absolut sehenswert!
  • Bioluminescent Metropolis — Geoff Manaugh hat in seinem Architektur-BLDGBLOG einige wilde Ideen, nachdem er in W. G. Sebalds Ringen des Saturn über Experimente mit toten Heringen gelesen hat. Diese schwitzen nämlich, wie Sebald beschreibt, eine luminös-phosphoreszierenden Substanz aus, die zwei englische Wissenschaftler, Herrington und Lightbown, Ende des 19. Jh.s zu extrahieren suchten. Obwohl Sebald das “Scheitern dieses exentrischen Planes” ironisch als einen “kaum nennenswerten Rückschlag in der [Geschichte der] sonst unaufhaltsamen Verdrängung der Finsternis” abtut, lässt sich Manaugh davon, rund 140 Jahre nach Herrington und Lightbown, in völlig unsebaldischen Fortschrittsoptimismus nicht ablenken: Er ist erkennbar angetan von der Idee. Im folgenden berichtet Manaugh von einem “bioluminescent bacterial billboard”-Projekt auf den Galapagos-Inseln, einem Glühwürmchen-Tunnel in Wales und anderen lumineszierenden Dingen, um am Ende aufzuwarten mit einer interessanten practical idea. (Auch wenn dieser Architektur-Blogger den Sinn von Sebalds Ausführungen komplett verfehlt, wird eindrucksvoll deutlich: Literatur ist zu etwas nütze!!!)
  • The Appeal to Reason — dieser Beitrag über eine sozialistische Ausgabe (“Appeal to Reason”) von Thomas De Quinceys Confessions of an Opium Eater hätte gut in unsere Kategorie “Sammeln und Seltenes” gepasst! Leider haben nicht wir sie im Müll gefunden, sondern Luc Sante vom “Hermenautic Circle Blog”. Schade.
  • Dissertation Haiku — das ist mal ein sinnvoller Einfall! Susanna Speier hat selbst sieben Jahre an ihrer Dissertation geschrieben. Nun erkennt sie: “Dissertations are long and boring. By contrast, everybody likes haiku.” Überzeugend! (Via: hermenaut.org)
  • Die “Great Ideas Series” von Penguin Books — ist typographisch fein gestaltet und sieht eindeutig cool aus (zumal auf der ebenso schicken Web-Seite). Dazu Robert Hanks Kritik im New Statesman. (Via: www.complete-review.com)
20 Aug

Links gegen Hitze

Von Nikolai Preuschoff

  • Hermenautic Circle blog — ist der Blog der Woche! Verrückt, hermetisch, hermeneutisch! Mit Beiträgen über H.P. Lovecraft, Psychonauten und einer kurzen Geschichte des Brooklyn Crime Films!
  • admit2 — ist ein “Journal of collaborative writing”. Je zwei Autoren schreiben an einem literarischen Text (Prosa, Lyrik, dazwischen mal eine wilde Illustration), das ganze kann man sich schön als pdf anschauen und durchlesen.
  • Die Comic-Seite der “Monde diplomatique” — eine ganze Seite der “Monde diplomatique” ist dem avantgardistischen, kritischen Comic gewidmet: Eigens gezeichnete Bildergeschichten greifen Themen aus Politik und Alltag auf. Die ganze Pracht der letzten Ausgaben kann man hier bewundern. (Via Graphic Novels)
  • Lars Gustafsson – der schwedische Autor bloggte dieser Tage einen längeren, aber (als ob man das dazusagen müsste) nichtsdestotrotz sehr lesenswerten Artikel über “The Things Are so Clever. On Connectedness”.
  • Google Deal With Publishers Raises Privacy Concerns (NPR) — Jonathan Lethem kommt in diesem Beitrag über die Google Booksearch zu Wort: “Warum gibt es dort nicht die gleiche Art von Privatsphäre wie in der Welt, die wir nun zurücklassen sollen, der Welt der physischen Bücher?” Werden die zukünftigen Leser noch die gleiche Art Beziehung zum Buch aufbauen können, wie wir sie noch hatten? Tja! So jedenfalls, meint Lauren Elkin, geht es nicht.
08 Aug

Links am Wochenende?

Von Nikolai Preuschoff

  • Words Without Borders — die August-Ausgabe von Words Without Borders ist da, und sie widmet sich dem vielversprechenden Thema “Into the Wild: International Nature Writing”. Mit Cees Nooteboom, Harald Weinrich und anderen mehr!
  • Walter Benjamin bei re.press.org — Jubel für alle, die diese Seite noch nicht kennen! re.press ist eine philosophischer Verlag, der seine Bücher kostenlos anbietet (und sich deshalb, mit Fug und Recht, als “a new kind of publisher” bezeichnet) — vorausgesetzt, man ist Privatnutzer und gibt sich mit der elektronischen Version zufrieden. Z. B. dem neuen, von Andrew Benjamin und Charles Rice herausgegebenen Tagungsband Walter Benjamin and the Architecture of Modernity, mit Beiträgen u. a. von Henry Sussman und Winfried Menninghaus!
  • Imre Kertész bekommt den Jean Améry-Preis — der Preis für Essayistik geht dieses Jahr an den ungarischen Schriftsteller Kertész, wie Klett-Cotta am Donnerstag gebloggt hat. Überhaupt ist der Klett-Cotta-Blog mal ein gut gemachter Verlagsblog.
  • Dietmar Dath und Andreas Platthaus in geschwinder Komplettlesung auf litradio — Lesung in mehreren Teilen aus Daths Für immer in Honig, Verbrecher Verlag. (via: fRemade)
  • Die Wikipedia-Seite von Herbert Schnädelbach — einem Hinweis unseres irritierten kalifornischen Korrespondenten Alex Dubilet folgend, erregte der Eintrag in das Online-Lexikon unsere Aufmerksamkeit: der Philosoph Schnädelbach, in Berlin kein Unbekannter, in Kalifornien dagegen schon eher, wartet mit einem Eintrag auf, der kein Ende nehmen will. Kürzer zwar als derjenige Hegels, aber länger als derjenige Kants und Adornos! Außerdem ist der Beitrag mit 2 sympathischen, aber fast identischen Bildern bestückt (und besitzt mit insgesamt 3 Bildern mehr als der ungefähr gleichlange Habermas-Artikel!). Richtig interessant ist dann naturgemäß die Diskusssionsseite, wo sich der Autor mit hausarbeit-langen, systematischen Argumentationsbeiträgen vor der Wikipedia-Gemeinde zu rechtfertigen sucht.

Bis nächste Woche!