Alle Beiträge in: „Literarische Dinge“

03 Sep

dick flicks

Von Felix Lüttge

Wir schalten jetzt Werbung. Zum Beispiel für AT&T, das amerikanische Pendant zu T-Mobile (sc. Knebeltarifanbieter von iPhone-Verträgen). Und natürlich für dieses Buch, von dem man leider immer wieder sagen muss, dass es kein Kinderbuch ist. Sondern, siehe unten, ganz großes Kino.

14 Aug

Bücher vs. Zigaretten

Von Felix Lüttge

Der Monat ist erst zur Hälfte rum und das Geld schon wieder weg. Eltern oder gewitzte Nichtraucherfreunde raten dann hämisch, mit dem Rauchen aufzuhören, das käme einen nicht nur billiger, sondern sei obendrein gesund.  Mitbewohner oder die anderen Freunde, die zwar rauchen, aber nicht viel lesen, schlagen – ähnlich hämisch – vor, man solle weniger Bücher kaufen, das käme einen nicht nur billiger, sondern spare obendrein viel Arbeit beim nächsten Umzug. Mal angenommen, man entschließe sich nun, einen dieser Ratschläge zu befolgen: Welcher spart wirklich mehr Geld? Den ganzen Beitrag lesen »

17 Jul

Dichten mit Google?

Von Nikolai Preuschoff

was sagte

was sagte anelka
was sagte anelka zu seinem trainer
was sagte anelka zu domenech
was sagte nicolas anelka
was sagte materazzi zu zidane
was sagte rene zu daniel
was sagte horst köhler
was sagte köhler
was sagte anelka in der kabine
was sagte der franzose zum trainer

*

Dieses Gedicht war heute eine echte Entdeckung für mich. Es gefällt mir sehr gut. Es ist ein Fussball-, ein WM-Gedicht, voller Tragik, Verzweiflung, großer Gefühle und Aktualität. Man könnte es auch “Fragen eines zweifelnden Fans” nennen, z. B. Es hat einen eigenen Rhythmus. Genial ist, wie beiläufig, spielerisch die Politik in die Welt des Sports hineingebracht wird (“was sagte horst köhler / was sagte köhler”).

Das Gedicht ist sozusagen von Google. Generiert aus Suchanfragen, die Google beim Eintippen der eigenen dann vorschlägt. Die Frage des Urheberrechts stellt sich hier natürlich ganz neu. A propos Urheberrecht: Auf dDie Idee, auf diese Weise Verse zu generieren, stammt von brachte mich Matthew Simmons, der am gestrigen Freitag einen ähnlichen Versuch unter der Überschrift “A Friday Poem?” bei den Htmlgiants vorstellte. Den ganzen Beitrag lesen »

01 Jul

Neues vom Bücherturm

Von Nikolai Preuschoff

Aus der Reihe: Bücher im Digitalen Zeitalter

Wie versprochen bringt goldmag exklusive Neuigkeiten vom Bücherturm, der in der Kreuzberger Graefestraße vor dem Antiquariat Umbras Kuriositätenkabinett der Witterung ausgesetzt ist. Aufnahmen von Februar und März dieses Jahres sind weiterhin hier zu begutachten.

Inzwischen ist es grün geworden um den Bücherturm. Ranken ziehen sich an den Buchrücken hinauf, und die Baumkrone spendet jetzt Schatten, wodurch mögliche Schäden durch das dieser Tage stark einfallende Sonnenlicht verringert werden. Dennoch zeichnen sich auch die Verfallsspuren immer deutlicher ab: Alle Bücher sind von Feuchtigkeit mehr oder weniger aufgedunsen. Die Deckel der mittig ausgestellten Folianten wölben sich und fallen ab. Schwarzer Schimmel ist an vielen Schnittkanten deutlich auszumachen. goldmag fragt: Wie ernst ist die Lage der Bücher?

Überhaupt nicht ernst, das ist die gute Nachricht: Der Turm steht weiterhin sicher auf seinem Zementsockel, die Bücher halten zusammen.

Fotos: N. Preuschoff

22 Jun

Es reimt ein Mann in Wimbledon

Von Felix Lüttge

Über James Joyce sagte man, er sei ein großer Fan des Sports gewesen. Auch von Samuel Beckett weiß man das, er spielte recht passabel Cricket. Beide haben dann aber lieber mit dem Dichten angefangen. Übrigens hat Beckett niemals und Joyce nur am Rande über Sport geschrieben.

Intensiver verbindet Matt Harvey die Disziplinen und schreibt seit gestern und bis zum 4. Juli jeden Tag ein Gedicht über das Tennisturnier in Wimbledon. Die Süddeutsche Zeitung hat Harvey interviewt, der, wie man in der heutigen Ausgabe lesen kann, auch schon über Liebe, Teebeutel, Tomaten und Nacktheit gereimt hat und jetzt offizieller Wimbledon-Poet ist. Auf ›Wimbledon‹, sagt Harvey, reime sich ›simpleton‹, »wenn man es weich ausspricht.« Mit ›Roger Federer‹ sei das schwieriger, für ihn, den Profi, aber kein Problem. Reimproblemen begegnet Harvey abgebrüht: »Es ist nicht unbedingt nötig, dass ich einen Reim finde. Wenn nicht, pack ich den Namen in die Mitte einer Gedichtzeile, das geht auch.« Und er ist obendrein ein Kenner der modernen Lyrik, scheint aber kein Freund davon zu sein: »Viele moderne Gedichte reimen sich heute ja gar nicht mehr, aber ich bin da ein bisschen altmodisch.« Außerdem reimt er, ganz in der Tradition der viktorianischen Schriftsteller, lieber über die einfachen Leute beim Turnier als über die Tennisprofis. Susanne Klaiber, die Harvey interviewt hat, entlockt ihm denn auch die ersten beiden Verse eines Gedichtes über Balljungen:

Tact-enabled procedure perfecters
Designer labeled towel collectors

Dafür musste Klaiber übrigens Harveys Agentin überreden, denn die wollte erst nur eine Zeile zur Veröffentlichung freigeben. Aber dann wäre ja der Reim dahin gewesen.

21 Jun

Faltbuch

Von Nikolai Preuschoff

Neues aus der Reihe: Bücher im Digitalen Zeitalter

In Wahrheit ist das Medium Buch ja noch lange nicht ausgereizt. Das obige Beispiel stammt aus dem französischen Verlagshaus éditions volumiques, das sich die Erforschung neuer Buchformen unter Berücksichtigung der Technologien des Digitalen Zeitalters zur Aufgabe gemacht hat.

Das Besondere an diesem Prototyp eines Buches ist seine sich beim Lesen ergebende, labyrinthische Struktur: Aus jeder neuen Seite ergeben sich drei Möglichkeiten, insgesamt gibt es, sagen sie, 3 hoch 6 = 729 Varianten.

Andere Ideen der éditions volumiques umfassen ein Buch, das nach dem Öffnen unlesbar wird, und eines, das von alleine umblättern kann.

(Via Papier Gaché)

18 Mrz

Bücherturm

Von Nikolai Preuschoff

Neues aus der Reihe: Bücher im Digitalen Zeitalter

In der kunsthistorischen Kategorie der Akkumulation gibt es sicher interessantere Dinge, die man anhäufen kann: Uhren z.B. oder Rasierapparate. Bücher hingegen hat man ja schon immer irgendwie angehäuft und gestapelt.

Etwas Besonderes gibt es dennoch am Bücherturm, der vor einiger Zeit in der Kreuzberger Graefestraße aufgetaucht ist: Neben dem Umstand, dass die wacklig aussehende Konstruktion noch nicht umgefallen ist — steht er im Freien. Das wirft Fragen auf (was ein gutes Kunstwerk ja auszeichnet), Fragen, wie sie uns hier in der Reihe “Bücher im Digitalen Zeitalter” beschäftigen.

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21 Feb

“Kanikōsen” — japanische Arbeiterliteratur auf der Berlinale

Von Nikolai Preuschoff

Im “Forum” der heute zu Ende gegangenen Berlinale lief die Neuverfilmung eines Klassikers der japanischen Arbeiterliteratur: Takiji Kobayashis Krabbenfischer, von 1929.

Wie oft passiert das schon: Ein Buch wird zum Bestseller, 80 Jahre nach der Erstveröffentlichung. So geschehen mit Takiji Kobayashis Kanikōsen (dt.: Krabbenfischer). In der grassierenden Wirtschaftskrise des Jahres 2008 war Kobayashis Revolutions-Parabel plötzlich so gefragt wie nie. Mit ausgelöst hatte das späte Revival ein Artikel in der Mainichi Shimbun vom 9. Januar 2008, der Kobayashis Aktualität beschwor. Etliche Medien zogen nach, und so wurde ein regelrechter “Kanikōsen-Boom” ausgelöst. (Vgl. hier.) Bis Mitte 2008 musste die Shinchosha Publishing Company daraufhin unerhörte 50000 Exemplare der Krabbenfischer nachdrucken, um der Nachfrage gerecht zu werden.

Dieser Erfolgsgeschichte, die sich selbst liest wie eine kleine Revolution, trägt nun eine Neuverfilmung von Kanikōsen Rechnung. Nachdem der Roman erstmals 1953 verfilmt und 2006 eine Manga-Version publiziert wurde, stellte Regisseur Hiroyuki Tanaka, genannt Sabu, seine Version Anfang der Woche im “Forum” der diesjährigen Berlinale vor. (Ein kurzer Trailer findet sich hier.)

Die somit nun in Berlin angelangte Ereigniskette tangiert unmittelbar eine vor kurzem auf Gold aufgeworfene Frage: Ob in Zeiten der weltweiten Wirtschaftskrise und der stetigen Abnahme klassischer Arbeit wir nicht eine neue Arbeiterliteratur bräuchten, und wenn ja, wie diese aussehen und welche Formen diese annehmen könnte. In Japan scheint diese Frage bereits beantwortet: Den ganzen Beitrag lesen »

22 Jan

Gilles Deleuze: Die neuen Becketts

Von Hannes Bajohr

28 Dez

Restoring Equilibrium

Von Hannes Bajohr

equilibrium /iːkwɪˈlɪbɹɪəm/ n., pl.equilibria /iːkwɪˈlɪbɹɪə/ or equilibriums Gleichgewicht, das

Ein Hinweis für das in mentaler wie physischer Hinsicht das Gleichgewicht sehr herausfordernde Zwischen-den-Jahren: translationparty.com. Die alleinige Bestimmung dieser Seite besteht darin, in feinster Zen-Manier so lange einen einmal eingegebenen englischen Satz ins japanische und wieder zurück zu übertragen, bis beide Sprachen in ein Übersetzungsgleichgewicht eintreten. Dieser Zustand zeichnet sich dadurch aus, dass der sonst so gewalttätige und verstümmelnde Prozess der Übersetzung keinen Schaden mehr anzurichten im Stande ist, das Englische wie das Japanische einander entsprechen, und semantische Harmonie wie konnotative Windstille endlich für Ruhe im Karton sorgen. Den ganzen Beitrag lesen »