Über James Joyce sagte man, er sei ein großer Fan des Sports gewesen. Auch von Samuel Beckett weiß man das, er spielte recht passabel Cricket. Beide haben dann aber lieber mit dem Dichten angefangen. Übrigens hat Beckett niemals und Joyce nur am Rande über Sport geschrieben.
Intensiver verbindet Matt Harvey die Disziplinen und schreibt seit gestern und bis zum 4. Juli jeden Tag ein Gedicht über das Tennisturnier in Wimbledon. Die Süddeutsche Zeitung hat Harvey interviewt, der, wie man in der heutigen Ausgabe lesen kann, auch schon über Liebe, Teebeutel, Tomaten und Nacktheit gereimt hat und jetzt offizieller Wimbledon-Poet ist. Auf ›Wimbledon‹, sagt Harvey, reime sich ›simpleton‹, »wenn man es weich ausspricht.« Mit ›Roger Federer‹ sei das schwieriger, für ihn, den Profi, aber kein Problem. Reimproblemen begegnet Harvey abgebrüht: »Es ist nicht unbedingt nötig, dass ich einen Reim finde. Wenn nicht, pack ich den Namen in die Mitte einer Gedichtzeile, das geht auch.« Und er ist obendrein ein Kenner der modernen Lyrik, scheint aber kein Freund davon zu sein: »Viele moderne Gedichte reimen sich heute ja gar nicht mehr, aber ich bin da ein bisschen altmodisch.« Außerdem reimt er, ganz in der Tradition der viktorianischen Schriftsteller, lieber über die einfachen Leute beim Turnier als über die Tennisprofis. Susanne Klaiber, die Harvey interviewt hat, entlockt ihm denn auch die ersten beiden Verse eines Gedichtes über Balljungen:
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Dafür musste Klaiber übrigens Harveys Agentin überreden, denn die wollte erst nur eine Zeile zur Veröffentlichung freigeben. Aber dann wäre ja der Reim dahin gewesen.