Alle Beiträge in: „Literaturbetrieb“

18 Jul

Ransmayrs Reisen

Von Elena

Peter Szondi-Vortrag 2010 – Christoph Ransmayr schultert in „Atlas eines ängstlichen Mannes“ die Welt

Die Welt ist für Christoph Ransmayr eine unendliche Anhäufung von Geschichten. Zwischen (Ant)Arktis und Äquator findet der österreichische Autor den Stoff für seine Prosaminiaturen, die er im “Atlas eines ängstlichen Mannes” gesammelt hat. “Bilder der Welt” nennt Ransmayr die Episoden, deren Reihenfolge immer neu zusammengeschüttelt werden kann. Mit einer Lesung aus dem noch unveröffentlichten Manuskript bestritt der 56-Jährige den Peter Szondi-Vortrag 2010 an der Freien Universität Berlin. Den ganzen Beitrag lesen »

21 Jun

Faltbuch

Von Nikolai Preuschoff

Neues aus der Reihe: Bücher im Digitalen Zeitalter

In Wahrheit ist das Medium Buch ja noch lange nicht ausgereizt. Das obige Beispiel stammt aus dem französischen Verlagshaus éditions volumiques, das sich die Erforschung neuer Buchformen unter Berücksichtigung der Technologien des Digitalen Zeitalters zur Aufgabe gemacht hat.

Das Besondere an diesem Prototyp eines Buches ist seine sich beim Lesen ergebende, labyrinthische Struktur: Aus jeder neuen Seite ergeben sich drei Möglichkeiten, insgesamt gibt es, sagen sie, 3 hoch 6 = 729 Varianten.

Andere Ideen der éditions volumiques umfassen ein Buch, das nach dem Öffnen unlesbar wird, und eines, das von alleine umblättern kann.

(Via Papier Gaché)

05 Mai

Beweis: Arbeiterliteratur ist möglich!

Von Nikolai Preuschoff

Nagut, man könnte jetzt diskutieren, ob die Gedichte von Lorine Niedecker und Emily Dickinson, die Bill Murray dem guten Dutzend verblüffter Bauarbeiter im Rohbau des Poet’s House in Manhattan, Battery Park, vorträgt, strenggenommen tatsächlich in die Kategorie “Arbeiterliteratur” fallen. ABER: Sieht es nicht verdammt nach Arbeiterliteratur aus? Und schafft es der unübertreffliche Murray nicht am Ende, den zunächst abweisenden Gesichtern der Arbeiter ein Zeichen der Zustimmung zu entlocken? (Jedenfalls suggeriert die Kamera das.)

Wer die Gedichte nachlesen möchte, findet hier die Texte zu Niedeckers “Poet’s Work” und Dickinsons “I dwell in possibility“.

Via Galleycat

05 Feb

Berliner Wissenschaftsverlage mit Literatur im Frühjahrsprogramm

Von Nikolai Preuschoff

Zwei Verlage machen noch keinen Trend, aber bemerkenswert ist es schon: Eine zunehmende Zahl Berliner Wissenschaftsverlage nimmt Belletristik ins Frühjahrsprogramm.

Gut, im Falle der populärwissenschaftlichen Berlin University Press (“intelligent-leichte Wissenschaftsliteratur”) ist weniger verwunderlich, dass sie nun mit drei literarischen Titeln herauskommt. Verlags-Chef und ehemaliger Suhrkamp-Lektor Gottfried Honnefelder hat sich einer offenbar gewichtigen Martin Walser-Novelle versichert (Mein Jenseits), und dieser stellt er zwei ähnlich unaufgeregt klingende Debuts an die Seite: das der jungen Mirja Klein, namens Schonung, und das des bereits reiferen Norbert Holl, Titel: Normans Geheimnis.

diaphanes gibt dagegen bereits seit Herbst 2008 ein kleines literarisches Programm heraus, das bisher allerdings ausschließlich aus Übersetzungen bestand. Mit Angelika Meiers England hat der Kreuzberger Verlag, der sonst vor allem mit Ausgaben feingeistiger französischer Theoretiker von sich Reden macht, nun erstmals einen Titel einer deutschsprachigen Autorin im Programm. Dieses soll, wie die diaphanes-Seite ankündigt, “nach und nach zu einer weiteren tragenden Säule des Verlages werden”.

Foto: Curious Expeditions

02 Feb

Im Namen des Vaters

Von Felix Lüttge

Die Schweizer haben es nicht leicht. Erst bauen die Muslime hohe Türme und singen davon herunter, dann wollen die Deutschen das Geld zurück, das andere ihnen geklaut und in der Schweiz versteckt haben, und nun sind auch noch die rumänischen Diktatorenkinder sauer. Auf  den Schweizer Journalisten und Theatermann Milo Rau.

Denn auch die Nachkommen von Diktatoren haben es nicht leicht. Ständig treten die in- und ausländischen Gutmenschen auf ihren Ahnen herum; wo sie hinkommen, verbreitet ihr Name Angst und Schrecken (Ausnahmen bestätigen die Regel: Alessandra Mussolini, die nicht nur den Namen, sondern auch die Politik ihres Großvaters weiterführt, ist sogar ins EU-Parlament gewählt worden); und nicht selten wird er sogar zum Synonym für ein Regime von Mord und Verfolgung. Von letzterem hatte der geschäftstüchtige Sohn des rumänischen Diktators Nicolae Ceauşescu die Nase so voll, dass er jetzt seinen Anwalt wegen des Stückes Die letzten Tage der Ceauşescus von Milo Rau (Verbrecher Verlag 2009) eingeschaltet hat. Den ganzen Beitrag lesen »

28 Jan

Gefangen im Roggen

Von Felix Lüttge

Als Claude Lévi-Strauss vor drei Monaten im Alter von 100 Jahren starb, nölte die FAZ, “die Welt von Twitter und Youtube, die sich an Michael Jacksons Tod entflammte, hat den großen Anthropologen nicht mehr erreicht.” Unmittelbar nach der heutigen Tagesschau, in der Jerome D. Salingers Tod verkündet wurde, häufen sich die deutschen Tweeds darüber, schnell steht “RIP JD Salinger” auf dem dritten Platz der populärsten Twitterthemen. Auf der Website der FAZ dauert es ein wenig länger. Offenbar erfuhr man auch hier erst aus der Tagesschau von Salingers Tod.

Aber es geht nicht um die FAZ, sondern um J.D. Salinger. Um den Autor, der mit Der Fänger im Roggen (engl. The Catcher in the Rye) den Prototyp des Adoleszenzromans geschrieben hat und dessen Buch seit den Fünfziger Jahren fast überall auf der Welt in den Regalen von Teenagern steht. Gestern ist er mit 91 Jahren gestorben. Den ganzen Beitrag lesen »

11 Dez

“It is a truth universally acknowledged that a zombie in possession of brains must be in want of more brains.”

Von Hannes Bajohr

Zombie-Jane Hallo, du olle Postmoderne! Beim Lesen der “9th Annual Years In Ideas” der New York Times – die Ideen des immer noch nicht ganz verflossenen Jahres würdigt, wie die zukunftsweisende Batterie aus Papier oder den nur für PeTA-freie Nachbarschaften tauglichen Glow-In-The-Dark-Dog – traf ich auf ein Phänomen, das mir beim Vorbeigehen an einem Schaufenster eines englischsprachigen Buchladens schon einmal ein verwirrtes Runzeln auf die Stirne trieb: B-Movie-Jane-Austen-Mash-Ups. Dabei scheint es sich, so vermutet die Times, um einen Marketingtrick der die Napster-Panik der frühen Nullerjahre in der eigenen Sparte durchlaufende Buchbranche zu handeln: Man nehme einen Jane-Austen-Roman, der, so das Klischee, eher von Frauen (und da wohl auch eher in Filmform) goutiert wird, und vermische ihn (früher hieß das Cut-Up, dann irgendwann Mash-Up) mit dem laut Statistik eher männerdominierten Genre des Zombie-Splatter-Gore-Formats und mache hernach einen Reibach. Den ganzen Beitrag lesen »

23 Nov

Herta Müller heute um 20:00 Uhr live

Von Günne

Herta Müller liest heute ab 20:00 Uhr in Tübingen, und diese Lesung wird live im Internet übertragen.
Weitere Infos: http://www.osiander.de

(via lesekreis)

18 Nov

Die kleinen Schwarzen

Von Marijke

hochroth-verlag-regen_im_zelt

Bücher aus dem hochroth Verlag kauft man am besten abends

Die schlanken Büchlein, auf deren schwarzen Covern durch einen ausgestanzten Kreis das Logo des hochroth Verlags zu sehen ist, haben Wiedererkennungswert – die meisten der Autorennamen sind eher unbekannt. Der junge Verlag, der im Oktober 2008 von Marco Beckendorf (27, Regionalwissenschaftler) gegründet wurde, hat sich Zweierlei zum Ziel gesetzt. Nachdem große Verlage ihre Lyrikreihen eingestellt haben, möchte er für Nachwuchspoeten eine Plattform jenseits der Literaturzeitschriften sein. Den Sprung in das hochroth-Programm geschafft haben bereits Sven-André Dreyer oder Konstantin Hanack. Aber auch verstorbene und bereits in Vergessenheit geratene – vor allem expressionistische – Autoren wie Alfred Lichtenstein oder Albert Ehrenstein sollen hier wieder dem Leserpublikum zugänglich gemacht werden. Den ganzen Beitrag lesen »

12 Sep

In Zukunft ohne ihn

Von Felix Lüttge

David Foster Wallace

In den USA wussten die meisten, wer er war. In Deutschland lasen viele Freunde zeitgenössischer Literatur zum ersten Mal von David Foster Wallace, als die Nachricht von seinem Selbstmord um die Welt ging.

Das mag mit Infinite Jest zusammenhängen, seinem großen postmodernen Roman, der in den USA schon 1996 erschien, zum Zeitpunkt von Wallaces Tod aber auf Deutsch noch nicht erhältlich war. Inzwischen ist er es. Am 24. August 2009 erschien das 1500-Seiten-Werk bei Kiepenheuer&Witsch unter dem Titel Unendlicher Spaß in der Übersetzung von Ulrich Blumenbach. Die Rezensenten hatten viel Lob übrig für dieses Buch, man liest regelrechte Ehrfurcht aus den Besprechungen heraus (Rezension der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung).

Nun jährt sich David Foster Wallaces Todestag zum ersten Mal und es ist still in den Feuilletons. Sie haben sich von so viel Wallace noch nicht erholt. Den ganzen Beitrag lesen »