Alle Beiträge in: „Literaturbetrieb“

05 Feb

Berliner Wissenschaftsverlage mit Literatur im Frühjahrsprogramm

Von Nikolai Preuschoff

Zwei Verlage machen noch keinen Trend, aber bemerkenswert ist es schon: Eine zunehmende Zahl Berliner Wissenschaftsverlage nimmt Belletristik ins Frühjahrsprogramm.

Gut, im Falle der populärwissenschaftlichen Berlin University Press (“intelligent-leichte Wissenschaftsliteratur”) ist weniger verwunderlich, dass sie nun mit drei literarischen Titeln herauskommt. Verlags-Chef und ehemaliger Suhrkamp-Lektor Gottfried Honnefelder hat sich einer offenbar gewichtigen Martin Walser-Novelle versichert (Mein Jenseits), und dieser stellt er zwei ähnlich unaufgeregt klingende Debuts an die Seite: das der jungen Mirja Klein, namens Schonung, und das des bereits reiferen Norbert Holl, Titel: Normans Geheimnis.

diaphanes gibt dagegen bereits seit Herbst 2008 ein kleines literarisches Programm heraus, das bisher allerdings ausschließlich aus Übersetzungen bestand. Mit Angelika Meiers England hat der Kreuzberger Verlag, der sonst vor allem mit Ausgaben feingeistiger französischer Theoretiker von sich Reden macht, nun erstmals einen Titel einer deutschsprachigen Autorin im Programm. Dieses soll, wie die diaphanes-Seite ankündigt, “nach und nach zu einer weiteren tragenden Säule des Verlages werden”.

Foto: Curious Expeditions

02 Feb

Im Namen des Vaters

Von Felix Lüttge

Die Schweizer haben es nicht leicht. Erst bauen die Muslime hohe Türme und singen davon herunter, dann wollen die Deutschen das Geld zurück, das andere ihnen geklaut und in der Schweiz versteckt haben, und nun sind auch noch die rumänischen Diktatorenkinder sauer. Auf  den Schweizer Journalisten und Theatermann Milo Rau.

Denn auch die Nachkommen von Diktatoren haben es nicht leicht. Ständig treten die in- und ausländischen Gutmenschen auf ihren Ahnen herum; wo sie hinkommen, verbreitet ihr Name Angst und Schrecken (Ausnahmen bestätigen die Regel: Alessandra Mussolini, die nicht nur den Namen, sondern auch die Politik ihres Großvaters weiterführt, ist sogar ins EU-Parlament gewählt worden); und nicht selten wird er sogar zum Synonym für ein Regime von Mord und Verfolgung. Von letzterem hatte der geschäftstüchtige Sohn des rumänischen Diktators Nicolae Ceauşescu die Nase so voll, dass er jetzt seinen Anwalt wegen des Stückes Die letzten Tage der Ceauşescus von Milo Rau (Verbrecher Verlag 2009) eingeschaltet hat. Den ganzen Beitrag lesen »

28 Jan

Gefangen im Roggen

Von Felix Lüttge

Als Claude Lévi-Strauss vor drei Monaten im Alter von 100 Jahren starb, nölte die FAZ, “die Welt von Twitter und Youtube, die sich an Michael Jacksons Tod entflammte, hat den großen Anthropologen nicht mehr erreicht.” Unmittelbar nach der heutigen Tagesschau, in der Jerome D. Salingers Tod verkündet wurde, häufen sich die deutschen Tweeds darüber, schnell steht “RIP JD Salinger” auf dem dritten Platz der populärsten Twitterthemen. Auf der Website der FAZ dauert es ein wenig länger. Offenbar erfuhr man auch hier erst aus der Tagesschau von Salingers Tod.

Aber es geht nicht um die FAZ, sondern um J.D. Salinger. Um den Autor, der mit Der Fänger im Roggen (engl. The Catcher in the Rye) den Prototyp des Adoleszenzromans geschrieben hat und dessen Buch seit den Fünfziger Jahren fast überall auf der Welt in den Regalen von Teenagern steht. Gestern ist er mit 91 Jahren gestorben. Den ganzen Beitrag lesen »

11 Dez

“It is a truth universally acknowledged that a zombie in possession of brains must be in want of more brains.”

Von Hannes Bajohr

Zombie-Jane Hallo, du olle Postmoderne! Beim Lesen der “9th Annual Years In Ideas” der New York Times – die Ideen des immer noch nicht ganz verflossenen Jahres würdigt, wie die zukunftsweisende Batterie aus Papier oder den nur für PeTA-freie Nachbarschaften tauglichen Glow-In-The-Dark-Dog – traf ich auf ein Phänomen, das mir beim Vorbeigehen an einem Schaufenster eines englischsprachigen Buchladens schon einmal ein verwirrtes Runzeln auf die Stirne trieb: B-Movie-Jane-Austen-Mash-Ups. Dabei scheint es sich, so vermutet die Times, um einen Marketingtrick der die Napster-Panik der frühen Nullerjahre in der eigenen Sparte durchlaufende Buchbranche zu handeln: Man nehme einen Jane-Austen-Roman, der, so das Klischee, eher von Frauen (und da wohl auch eher in Filmform) goutiert wird, und vermische ihn (früher hieß das Cut-Up, dann irgendwann Mash-Up) mit dem laut Statistik eher männerdominierten Genre des Zombie-Splatter-Gore-Formats und mache hernach einen Reibach. Den ganzen Beitrag lesen »

23 Nov

Herta Müller heute um 20:00 Uhr live

Von Günne

Herta Müller liest heute ab 20:00 Uhr in Tübingen, und diese Lesung wird live im Internet übertragen.
Weitere Infos: http://www.osiander.de

(via lesekreis)

18 Nov

Die kleinen Schwarzen

Von Marijke

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Bücher aus dem hochroth Verlag kauft man am besten abends

Die schlanken Büchlein, auf deren schwarzen Covern durch einen ausgestanzten Kreis das Logo des hochroth Verlags zu sehen ist, haben Wiedererkennungswert – die meisten der Autorennamen sind eher unbekannt. Der junge Verlag, der im Oktober 2008 von Marco Beckendorf (27, Regionalwissenschaftler) gegründet wurde, hat sich Zweierlei zum Ziel gesetzt. Nachdem große Verlage ihre Lyrikreihen eingestellt haben, möchte er für Nachwuchspoeten eine Plattform jenseits der Literaturzeitschriften sein. Den Sprung in das hochroth-Programm geschafft haben bereits Sven-André Dreyer oder Konstantin Hanack. Aber auch verstorbene und bereits in Vergessenheit geratene – vor allem expressionistische – Autoren wie Alfred Lichtenstein oder Albert Ehrenstein sollen hier wieder dem Leserpublikum zugänglich gemacht werden. Den ganzen Beitrag lesen »

12 Sep

In Zukunft ohne ihn

Von Felix Lüttge

David Foster Wallace

In den USA wussten die meisten, wer er war. In Deutschland lasen viele Freunde zeitgenössischer Literatur zum ersten Mal von David Foster Wallace, als die Nachricht von seinem Selbstmord um die Welt ging.

Das mag mit Infinite Jest zusammenhängen, seinem großen postmodernen Roman, der in den USA schon 1996 erschien, zum Zeitpunkt von Wallaces Tod aber auf Deutsch noch nicht erhältlich war. Inzwischen ist er es. Am 24. August 2009 erschien das 1500-Seiten-Werk bei Kiepenheuer&Witsch unter dem Titel Unendlicher Spaß in der Übersetzung von Ulrich Blumenbach. Die Rezensenten hatten viel Lob übrig für dieses Buch, man liest regelrechte Ehrfurcht aus den Besprechungen heraus (Rezension der Süddeutschen Zeitung und der Frankfurter Allgemeinen Zeitung).

Nun jährt sich David Foster Wallaces Todestag zum ersten Mal und es ist still in den Feuilletons. Sie haben sich von so viel Wallace noch nicht erholt. Den ganzen Beitrag lesen »

09 Sep

Heute, am schönen Tag namens 09.09.09

Von Nikolai Preuschoff

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… hat das 9. internationale literaturfestival berlin begonnen.”Literarische Vielfalt in Zeiten der Globalisierung erleben”, heißt es in der Pressemitteilung.

Noch bis zum 20. 9. gibt es wieder ein reich und prominent (Siegfried Lenz, Feridun Zaimoglu, Norbert Gstrein, Judith Hermann, Wolf Biermann, Arundhati Roy, Alice Schwarzer) gefülltes Programm (hier auch als knapp 5MB schweres pdf), mit zahlreichen Sparten wie “Fokus Arabische Welt”, dem diesjährigen Schwerpunkt, “Literaturen der Welt”, “Kaleidoskop”, “Internationale Kinder- und Jugendliteratur”, “Reflections”, dem Nabokovschen “Erinnerung sprich”, bis hin zu den “Specials“, unter denen sich dann noch ein weiterer Unterprogramm-Strauß verbirgt!

So das Kooperationsprojekt “Scritture Giovani”, Sprachkünstler der Gruppe “oulipo”, aber auch ein der jungen Literatur gewidmeten “New German Voices”, bei mit unserer LAN-Autorin Judith Schalansky (am 15.9. und 17.9., moderiert von Thomas Klupp) sowie Nadja Wünsche, Dorothee Elmiger, Kristof Magnusson, und “new german poetry” (die sich natürlich klein schreiben muss) mit Nico Bleutge, Daniela Danz, Christoph Leisten, Volker Sielaff.

Auch Giwi Margwelaschwili ist dabei und liest aus „Der Kantakt“ (16. 9.).

15 Jul

Tipps für den armen Leser

Von goldmag

Eine antiquarische Stadtteilforschung in Friedrichshain

Ein Gastbeitrag von Alex Dubilet

buchladen-fuer arme 1_22Um 1700 gab es in Berlin nur eine Buchandlung (so der Historiker Jonathan Israel in seinem Werk “Radical Enlightenment”, das vom Aufstieg der modernen, rationalistischen Philosophie, und insbesondere des Cartesianismus und Spinozismus handelt). Heute, Gott sei Dank, haben wir mehr Buchandlungen! Tatsächlich scheint es, als ob jeder Berliner Bezirk ein paar Dutzend von ihnen hätte. Also bin ich aufgebrochen, um in all diesen Bezirken all diese Buchandlungen zu besuchen und zu erforschen — allerdings nur die Antiquariate und Gebrauchtbuchläden, denn ich habe nicht so viel Geld. Und außerdem kann man nicht die “Gesamelten Werke” von Lenin (ungefähr 45 Bände) auf Russisch für 25 Euro in einer normalen Buchhandlung finden. Zuerst war ich in Friedrichshain (ich weiss nicht warum, da ich in Kreuzberg wohne, wo es mehr als genug Antiquariate gibt: Einen Überblick über Kreuzberg werde ich das nächtes Mal liefern, falls mein Rücken und meine Füße die unglaublich harten Berliner Steine überleben — und das ist nicht sicher). Mein Gesamteindruck von Friedrichshain vorab: Es gibt eine hohe Quantität, aber nicht genug bezahlbare Qualität. Hier sind meine Resultate im Einzelnen: Den ganzen Beitrag lesen »

01 Jul

Nichts als Lesergespenster

Von Anne-Dore

Der Berliner Autor Giwi Margwelaschwili las aus “Der Kantakt”

g_margwelaschwili_swEr beugt sich beim Lesen nach vorne und stützt sich mit den Ellbogen ab, als würde der schwere Stoff auch auf seinen Schultern liegen. “Der Kantakt”, sein jüngstes Buch, ist 800 Seiten dick, ein Wackerstein in zartgrünem Einband, der sich da vor ihm auf der Tischplatte erhebt. Ein Monument wie sein Autor.

Giwi Margwelaschwili, der Sohn eines georgischen Intellektuellen, hat 18 Jahre in Berlin gewohnt, dann wurde er vom Sowjetischen Geheimdienst nach Tiflis verschleppt. Nach über vier Jahrzehnten zog er wieder zurück in seine Sprachheimat. Margwelaschwili ist jetzt 81 Jahre alt, er wohnt im Wedding, und als er das erste Mal im Club Monarch am Kottbusser Tor stand, in dieser raumgewordenen Definition des Wortes “trashig”, hat er gesagt: “Tollen Jazzclub habt ihr hier”. Den ganzen Beitrag lesen »