»Die Welt wird an dem Tag im Arsch sein, wenn die Menschheit erster Klasse reist und die Literatur im Gepäckwagen.«
– Gabriel Garcia Marquez, Hundert Jahre Einsamkeit
Ich muss mich entschuldigen. Denn ich stehe im Begriff einen kapitalen Fehler zu machen. Ich werde nämlich Bezug nehmen, auf diesen zugegebenermaßen sehr willkürlich ausgewählten Satz von Gabriel Garcia Marquez, den ich diesem Artikel vorangestellt habe. Ich werde verraten, was er mit diesem Text zu tun hat. (Nichts nämlich, zumindest inhaltlich. Formal immerhin, dass Epigraphen, wie man diese Zitate vor Texten auch nennt, hier Thema sein sollen.) Und ich werde womöglich den Namen Marquez noch einmal erwähnen. Entschuldigung.
Das klingt gar nicht so übel? Es klingt vernünftig, sinnvoll gar? Ach was! Es geht weit vorbei an aller Subtilität, die diese unsubtile Form des Zitierens zum Ziel hat. So sieht es jedenfalls David Orr, der am vergangenen Wochenende mit Hilfe Gérard Genettes’ ein paar Gedanken zur Praxis des Epigraphierens in der New York Times angestellt hat. Orr hat nämlich festgestellt, dass zeitgenössische Gedichtbände immer häufiger mit einem Epigraph beginnen. Die letzte Veröffentlichung einer Liz Waldner zum Beispiel beginnt mit Zitaten von Lewis Caroll und Karl Marx, unter deren Motto wohl das gesamte Buch stehen soll, es folgt ein Zitat von Samuel Johnson, in dessen Schuld der erste Gedichtzyklus steht und schließlich darf Platon nicht fehlen, der dem ersten Gedicht vorangestellt wird. Erst nach vier Zitaten ist das erst Wort der Autorin zu lesen. Das ist übrigens unter deutschen Dichtern nicht viel anders, wie ein Blick ins eigene Bücherregal zeigt: Den ganzen Beitrag lesen »