Im Namen des Vaters
Die Schweizer haben es nicht leicht. Erst bauen die Muslime hohe Türme und singen davon herunter, dann wollen die Deutschen das Geld zurück, das andere ihnen geklaut und in der Schweiz versteckt haben, und nun sind auch noch die rumänischen Diktatorenkinder sauer. Auf den Schweizer Journalisten und Theatermann Milo Rau.
Denn auch die Nachkommen von Diktatoren haben es nicht leicht. Ständig treten die in- und ausländischen Gutmenschen auf ihren Ahnen herum; wo sie hinkommen, verbreitet ihr Name Angst und Schrecken (Ausnahmen bestätigen die Regel: Alessandra Mussolini, die nicht nur den Namen, sondern auch die Politik ihres Großvaters weiterführt, ist sogar ins EU-Parlament gewählt worden); und nicht selten wird er sogar zum Synonym für ein Regime von Mord und Verfolgung. Von letzterem hatte der geschäftstüchtige Sohn des rumänischen Diktators Nicolae Ceauşescu die Nase so voll, dass er jetzt seinen Anwalt wegen des Stückes Die letzten Tage der Ceauşescus von Milo Rau (Verbrecher Verlag 2009) eingeschaltet hat. Den ganzen Beitrag lesen »

Hallo, du olle Postmoderne! Beim Lesen der 


Um 1700 gab es in Berlin nur eine Buchandlung (so der Historiker Jonathan Israel in seinem Werk “Radical Enlightenment”, das vom Aufstieg der modernen, rationalistischen Philosophie, und insbesondere des Cartesianismus und Spinozismus handelt). Heute, Gott sei Dank, haben wir mehr Buchandlungen! Tatsächlich scheint es, als ob jeder Berliner Bezirk ein paar Dutzend von ihnen hätte. Also bin ich aufgebrochen, um in all diesen Bezirken all diese Buchandlungen zu besuchen und zu erforschen — allerdings nur die Antiquariate und Gebrauchtbuchläden, denn ich habe nicht so viel Geld. Und außerdem kann man nicht die “Gesamelten Werke” von Lenin (ungefähr 45 Bände) auf Russisch für 25 Euro in einer normalen Buchhandlung finden. Zuerst war ich in Friedrichshain (ich weiss nicht warum, da ich in Kreuzberg wohne, wo es mehr als genug Antiquariate gibt: Einen Überblick über Kreuzberg werde ich das nächtes Mal liefern, falls mein Rücken und meine Füße die unglaublich harten Berliner Steine überleben — und das ist nicht sicher). Mein Gesamteindruck von Friedrichshain vorab: Es gibt eine hohe Quantität, aber nicht genug bezahlbare Qualität. Hier sind meine Resultate im Einzelnen:
Er beugt sich beim Lesen nach vorne und stützt sich mit den Ellbogen ab, als würde der schwere Stoff auch auf seinen Schultern liegen. “Der Kantakt”, sein jüngstes Buch, ist 800 Seiten dick, ein Wackerstein in zartgrünem Einband, der sich da vor ihm auf der Tischplatte erhebt. Ein Monument wie sein Autor.