Neues vom Bücherturm
Aus der Reihe: Bücher im Digitalen Zeitalter
Wie versprochen bringt goldmag exklusive Neuigkeiten vom Bücherturm, der in der Kreuzberger Graefestraße vor dem Antiquariat Umbras Kuriositätenkabinett der Witterung ausgesetzt ist. Aufnahmen von Februar und März dieses Jahres sind weiterhin hier zu begutachten.
Inzwischen ist es grün geworden um den Bücherturm. Ranken ziehen sich an den Buchrücken hinauf, und die Baumkrone spendet jetzt Schatten, wodurch mögliche Schäden durch das dieser Tage stark einfallende Sonnenlicht verringert werden. Dennoch zeichnen sich auch die Verfallsspuren immer deutlicher ab: Alle Bücher sind von Feuchtigkeit mehr oder weniger aufgedunsen. Die Deckel der mittig ausgestellten Folianten wölben sich und fallen ab. Schwarzer Schimmel ist an vielen Schnittkanten deutlich auszumachen. goldmag fragt: Wie ernst ist die Lage der Bücher?
Überhaupt nicht ernst, das ist die gute Nachricht: Der Turm steht weiterhin sicher auf seinem Zementsockel, die Bücher halten zusammen.
Fotos: N. Preuschoff



Um 1700 gab es in Berlin nur eine Buchandlung (so der Historiker Jonathan Israel in seinem Werk “Radical Enlightenment”, das vom Aufstieg der modernen, rationalistischen Philosophie, und insbesondere des Cartesianismus und Spinozismus handelt). Heute, Gott sei Dank, haben wir mehr Buchandlungen! Tatsächlich scheint es, als ob jeder Berliner Bezirk ein paar Dutzend von ihnen hätte. Also bin ich aufgebrochen, um in all diesen Bezirken all diese Buchandlungen zu besuchen und zu erforschen — allerdings nur die Antiquariate und Gebrauchtbuchläden, denn ich habe nicht so viel Geld. Und außerdem kann man nicht die “Gesamelten Werke” von Lenin (ungefähr 45 Bände) auf Russisch für 25 Euro in einer normalen Buchhandlung finden. Zuerst war ich in Friedrichshain (ich weiss nicht warum, da ich in Kreuzberg wohne, wo es mehr als genug Antiquariate gibt: Einen Überblick über Kreuzberg werde ich das nächtes Mal liefern, falls mein Rücken und meine Füße die unglaublich harten Berliner Steine überleben — und das ist nicht sicher). Mein Gesamteindruck von Friedrichshain vorab: Es gibt eine hohe Quantität, aber nicht genug bezahlbare Qualität. Hier sind meine Resultate im Einzelnen: 
„Laufkundschaft haben wir kaum, hier ist ja nicht viel los – außer nachts.” Eine Subways-Filiale gibt es und vereinzelt ein paar andere Geschäfte. Es ist belebter geworden am Schlesischen Tor und in der Falckensteinstraße. Die meisten Menschen kommen hier aber auf dem Weg zum Lido oder zu einer der Kneipen in der Schlesischen Straße vorbei. Das ist vor allem nach Ladenschluss. Trotzdem wollten Jessica Ebert und Katja Weber ihren Laden im Oktober 2006 unbedingt hier in der Nähe des Schlesischen Tores eröffnen und haben sich einen alten Traum erfüllt. Die Buchhandlung ebertundweber will kleinen Verlagen ein Forum bieten. Das gelingt ihr gut.