Leichte Fischkost
Das erste Fischgedicht hat Arezu Weitholz im Urlaub über eine Forelle mit Delle geschrieben, um ihre Mutter zum Lachen zu bringen. Wahrscheinlich mit Erfolg. Weitholz begann also, jeden Freitag ein Fischgedicht zu schreiben und per E-Mail an ihre Freunde zu verschicken. Die Gedichte waren so beliebt, dass Weitholz sie Anfang dieses Jahres veröffentlichte (Mein lieber Fisch, weissbooks 2010). Das Buch ist mittlerweile vergriffen und soll bald in zweiter Auflage erscheinen. Pünktlich zum Weihnachtsfest legt Weitholz nun mit Merry Fishmas 44 neue Fischgedichte vor. Dazu gibt es Zeichnungen der Autorin. Der schmale Band ähnelt dem Fisch-Debüt in Inhalt und Gestaltung – nur dass Merry Fishmas in Gegensatz zum Vorgängerband nun in weihnachtlichem Rot daherkommt. Den ganzen Beitrag lesen »





„Sie schläft ist Dietmar Daths bisher persönlichstes Werk“, schrieb der Rezensent. Das war gleich doppelt behämmert; einmal so für sich genommen als unsägliche Floskel und dann auch literaturdings, theoretisch. Es war schließlich auch nach der Revolution am Ende der Geschichte nicht de rigeur, die Person des Autors in die Werkbetrachtung mit einzubeziehen. Im Gegenteil, heute weniger denn je. Müde ironischer Realismus stand im Tausendjahresplan, immer von Bedeutung, nie von Konsequenz, razinkel, razunkel, razoing.
Katrin Marie Mertens Gedichte soll man laut lesen. Die je sechs bis acht Zeilen in ihrem Debütband »Salinenland«, mehr sind es meist nicht, stehen auf dem Papier wie die Meldungen unter »Vermischtes« in einer Lokalzeitung, jene lakonischen Marginalien, die Neuigkeiten zusammenfassen, denen nicht zugetraut wurde, genug für eine ganze Spalte herzugeben. Es gibt keine Titel, stattdessen sind nur einzelne Satzteile in Kapitälchen hervorgehoben; sie dienen bloß zur Orientierung und Identifizierung im Inhaltsverzeichnis. Man muss sie laut lesen, damit sich einem ihr Rhythmus erschließt, der wichtiger ist als das Marginale ihres Inhalts. Die Musikalität, die in diesen wenigen Zeilen liegt, ist bemerkenswert, und zweifellos steckt viel Arbeit in ihnen, die darauf aus gewesen sein muss, immer weiter zu reduzieren, immer mehr von dem abzuschaben, was vielleicht aus der Meldung eine Story und aus den wenigen Zeilen die vollen fünf Spalten der Seite drei gemacht hätte.
Das Material, das Wolfgang Hermann in seinem dünnen Prosaband vor dem Leser ausbreitet, ist, glaubt man der kursivgesetzte Vorrede, bereits in den späten Achtzigern, im alten Westberlin entstanden. Heute, gut zwanzig Jahre und einen Staatspreis für Literatur später, gibt der Autor seine frühen literarischen “Versuche” (so der Untertitel) nun im kleinen österreichischen