Heiliger Steve McQueen
Blutchs Kleiner Christian erzählt vom Leben in Bildern

“Ich bin der einsame Rächer von Texas. / Ich habe zwei Pistolen. / (Wahnsinn, Banditen!) Wie ist Dein Name, Fremder? / Mein Name spielt keine Rolle!”
Doch, der Name spielt eine Rolle! Christian ist nämlich nicht nur der ‚Held‘ eines Comic-Buches über einen ganz normalen Jungen, der im Elsass in einer ganz normalen Phantasiewelt aufwächst. Christian (sprich: Christián) ist auch Christian Hincker (wie Blutch mit bürgerlichem Namen heißt), Autor und Zeichner der zwei Bände des kleinen Christian, die jetzt, in einem vereint, auf deutsch bei Reprodukt erscheinen. Und der kleine Christian wäre wohl nie zum großen Blutch geworden, wäre er nicht in einer Welt voller Comics (verbotener und erlaubter) aufgewachsen…
Von der ersten Seite an ist Christian ständig von Cowboys („Kaubeus“), von Lucky Luke, Micky Maus, Tim und Struppi und natürlich den Figuren aus dem „Pif“-Magazin (das bei uns „Yps“ hieß) umgeben. Mal unterhalten sie sich mit ihm, direkt aus dem Heft heraus, mal betritt Christian ihre Welt, mal werden sie ihm von der Mutter weggenommen, mal sitzt er selbst als einer von ihnen am Küchentisch. Den ganzen Beitrag lesen »
Sechzehn Jahre liegt der letzte Anschlag der RAF zurück, vor elf Jahren hat sie sich selbst aufgelöst. Ihre erste illegale Aktion war der Brandanschlag auf zwei Kaufhäuser in Frankfurt am Main im April 1968, es folgten Überfälle, Attentate, Entführungen, Hungerstreiks bei denen über fünfzig Menschen starben. Es gab öffentliche Erklärungen der RAF und es gab
»Soweit ich es beurteilen kann, ist es kein Buch erster Güte, aber es ist ohne Zweifel ein ungewöhnliches«, schreibt der Rezensent des Londoner Tribune im Jahre 1946 über den Roman Wir. Das Buch des russischen Schriftstellers Jewgeni Samjatin, dessen englische Übersetzung zu diesem Zeitpunkt schon zwei Jahrzehnte zurückliegt, zeichnet die düstere Zukunftsvision eines totalitären Staates, der seine Bürger durch permanente Überwachung und Gehirnwäsche in Unfreiheit hält. Wir begründete ein Genre und wurde zur Blaupause für all die großen dystopischen Gesellschaftsromane, die mit Huxley, Bradbury und Burgess folgen sollten. Der Rezensent vermutet dann auch richtig, dass Aldous Huxleys 1932 erschienene Schöne Neue Welt von Samjatin inspiriert worden sei. Und obwohl er Huxleys Buch literarisch weit höher einschätzt, bescheinigt er Wir, eine politische Bedeutung zu haben, die Huxley abgeht: Anders als Schöne Neue Welt sei Samjatins Buch für seine Leser tatsächlich relevant. Der Name des Rezensenten: George Orwell.
Bei Das Wesentliche handelt es sich um »Nachrichten aus 4000 Jahren Natur- und Menschheitsgeschichte« (so der Klappentext); die Dinge, über die berichtet wird, kommen in der Tat aus großer Ferne, nicht nur in historischer, sondern auch in kultureller Hinsicht. Von New York aus, also sozusagen aus dem Zentrum der modernen Zivilisation kommend, begibt sich Eliot Weinberger in selten besuchte Gegenden der Welt. Es geht zum Beispiel um die »Lakandon-Indianer«, die »im Wald von Chiapas, in strohgedeckten Hütten ohne Wände, in sanft schaukelnden Hängematten« schlafen; um »Zaunkönige«, die »Widersacher des Adlers«; um den Weisen »Walmiki«, der sich, »von der Welt enttäuscht«, in den Wald zurückzieht und so lange regungslos sitzen bleibt, bis »um ihn herum ein Termitenhügel entstanden war«.
Vor zwei Jahren ist
Es ist noch nicht lange her, da tauchten im Prenzlauer Berg Plakate auf, die offensichtlich einem neuerlichen demographischen Wandel Rechnung trugen: „Schwaben raus aus Prenzlauer Berg“ forderten sie. Für Felicia Zeller ist zu hoffen, dass diese Plakate nicht irgendwann in Neukölln auftauchen. Die 1970 in Stuttgart geborene Dramatikerin und Autorin lebt nämlich dort und in ihrem Erzählband Einsam lehnen am Bekannten berichtet sie auch unablässig, dass sie das tut und wie es da so ist.
Also. Ich will ja nicht dick auftragen, aber Man Gatarou kennt, außerhalb Japans, wirklich niemand. Google nicht, Wikipedia nicht, Amazon nicht. Auch nicht der gut sortierte Comic-Laden um die Ecke oder die japanische Buchhandlung in Hamburg oder Paris. Das kann man gerne nachprüfen (und ich lasse mich da auch gerne eines Besseren belehren [1]). Somit wird das hier, sobald ich es fertig geschrieben habe, der erste informative Man-Gatarou-Eintrag im Netz sein, der in lateinischen Buchstaben verfasst ist.
Der
Rückblickend auf die jüngste Berliner Stadtentwicklung wird man vielleicht einmal sagen: “Und dann war Neukölln offen”. Der einst schützende Mythos vom Junkie- und Assi-Bezirk taugte nur noch als netter Witz, und die lange jede “Gentrifizierung” abwehrenden Wälle entlang des Maybachufers und Kottbusser Damms jagten bald niemanden mehr Ehrfurcht ein; spätestens seit das Unwort von “Kreuzkölln” die Runde machte. Gierig und von allen Seiten stürzten sie sich auf den einst so hermetischen Sonderbezirk, der trotz oder gerade wegen Rütli, Kampfhunddichte und Hasenheide plötzlich zum “aufregendsten Bezirk der Hauptstadt” geworden war.
Der Autor heißt eigentlich Olaf Schmidt, wie der Klappentext verrät – und schon hat das Buch seinen Nutzen: Unter dem Eintrag »Pseudonym« steht nämlich, dass unter die Funktionen von solchen fingierten Namen auch die »Aufwertung eines Allerweltsnamens« zu rechnen ist. Unter dem Eintrag »Schmidt« erfährt man außerdem, dass »Faber« die latinisierte Form dieses zweithäufigsten deutschen Namens ist und weiß damit schon ziemlich gut bescheid.