“Kanikōsen” — japanische Arbeiterliteratur auf der Berlinale
Im “Forum” der heute zu Ende gegangenen Berlinale lief die Neuverfilmung eines Klassikers der japanischen Arbeiterliteratur: Takiji Kobayashis Krabbenfischer, von 1929.
Wie oft passiert das schon: Ein Buch wird zum Bestseller, 80 Jahre nach der Erstveröffentlichung. So geschehen mit Takiji Kobayashis Kanikōsen (dt.: Krabbenfischer). In der grassierenden Wirtschaftskrise des Jahres 2008 war Kobayashis Revolutions-Parabel plötzlich so gefragt wie nie. Mit ausgelöst hatte das späte Revival ein Artikel in der Mainichi Shimbun vom 9. Januar 2008, der Kobayashis Aktualität beschwor. Etliche Medien zogen nach, und so wurde ein regelrechter “Kanikōsen-Boom” ausgelöst. (Vgl. hier.) Bis Mitte 2008 musste die Shinchosha Publishing Company daraufhin unerhörte 50000 Exemplare der Krabbenfischer nachdrucken, um der Nachfrage gerecht zu werden.
Dieser Erfolgsgeschichte, die sich selbst liest wie eine kleine Revolution, trägt nun eine Neuverfilmung von Kanikōsen Rechnung. Nachdem der Roman erstmals 1953 verfilmt und 2006 eine Manga-Version publiziert wurde, stellte Regisseur Hiroyuki Tanaka, genannt Sabu, seine Version Anfang der Woche im “Forum” der diesjährigen Berlinale vor. (Ein kurzer Trailer findet sich hier.)
Die somit nun in Berlin angelangte Ereigniskette tangiert unmittelbar eine vor kurzem auf Gold aufgeworfene Frage: Ob in Zeiten der weltweiten Wirtschaftskrise und der stetigen Abnahme klassischer Arbeit wir nicht eine neue Arbeiterliteratur bräuchten, und wenn ja, wie diese aussehen und welche Formen diese annehmen könnte. In Japan scheint diese Frage bereits beantwortet: Den ganzen Beitrag lesen »
Es ist ja allen klar, dass es in den USA mal wieder schneller abläuft. Und dass der Fortschritt mal wieder mit 1-2 Jahren Verspätung in Europa und dann noch später in Deutschland ankommen wird. Hier nämlich wird erstmal oberkritisch alles beäugt, bis man sich dann auch endlich traut. Das war ja schon immer so. Mit den Video-Kassetten. Mit den Comics. Mit den Mobiltelefonen. Mit den Social Networking-Plattformen. Und jetzt halt mit den E-Books. Zu allem Überfluss haben wir ja noch den Buchdruck erfunden, deshalb werden wir sie noch später bekommen. Aber egal. Irgendwann sind die E-Bücher da, und dann gewöhnen sich plötzlich alle daran, und viele werden ihre ollen, vergilbten Bücher auf den Kompost werfen. Oder halt beim nächsten Umzug auf der Straße stehen lassen.
Vor Tagen las ich in der
Um 1700 gab es in Berlin nur eine Buchandlung (so der Historiker Jonathan Israel in seinem Werk “Radical Enlightenment”, das vom Aufstieg der modernen, rationalistischen Philosophie, und insbesondere des Cartesianismus und Spinozismus handelt). Heute, Gott sei Dank, haben wir mehr Buchandlungen! Tatsächlich scheint es, als ob jeder Berliner Bezirk ein paar Dutzend von ihnen hätte. Also bin ich aufgebrochen, um in all diesen Bezirken all diese Buchandlungen zu besuchen und zu erforschen — allerdings nur die Antiquariate und Gebrauchtbuchläden, denn ich habe nicht so viel Geld. Und außerdem kann man nicht die “Gesamelten Werke” von Lenin (ungefähr 45 Bände) auf Russisch für 25 Euro in einer normalen Buchhandlung finden. Zuerst war ich in Friedrichshain (ich weiss nicht warum, da ich in Kreuzberg wohne, wo es mehr als genug Antiquariate gibt: Einen Überblick über Kreuzberg werde ich das nächtes Mal liefern, falls mein Rücken und meine Füße die unglaublich harten Berliner Steine überleben — und das ist nicht sicher). Mein Gesamteindruck von Friedrichshain vorab: Es gibt eine hohe Quantität, aber nicht genug bezahlbare Qualität. Hier sind meine Resultate im Einzelnen:
Wenn ihm mal wieder einer Trivialität vorwarf, hatte er eine selbstbewußte Antwort: “In Deutschland bedeutet Erfolg das Abonnement auf schlechte Kritiken.”
Also. Ich will ja nicht dick auftragen, aber Man Gatarou kennt, außerhalb Japans, wirklich niemand. Google nicht, Wikipedia nicht, Amazon nicht. Auch nicht der gut sortierte Comic-Laden um die Ecke oder die japanische Buchhandlung in Hamburg oder Paris. Das kann man gerne nachprüfen (und ich lasse mich da auch gerne eines Besseren belehren [1]). Somit wird das hier, sobald ich es fertig geschrieben habe, der erste informative Man-Gatarou-Eintrag im Netz sein, der in lateinischen Buchstaben verfasst ist.