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	<title>goldmag.de &#187; Sammeln &amp; Seltenes</title>
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		<title>Faltbuch</title>
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		<pubDate>Mon, 21 Jun 2010 08:43:26 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikolai Preuschoff</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literarische Dinge]]></category>
		<category><![CDATA[Literaturbetrieb]]></category>
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<p>Neues aus der Reihe: B&#252;cher im Digitalen Zeitalter</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="444" height="250" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowfullscreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=10523826&amp;server=vimeo.com&amp;show_title=1&amp;show_byline=1&amp;show_portrait=0&amp;color=00ADEF&amp;fullscreen=1" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="444" height="250" src="http://vimeo.com/moogaloop.swf?clip_id=10523826&amp;server=vimeo.com&amp;show_title=1&amp;show_byline=1&amp;show_portrait=0&amp;color=00ADEF&amp;fullscreen=1" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p>In Wahrheit ist das Medium Buch ja noch lange nicht ausgereizt. Das obige Beispiel stammt aus dem franz&#246;sischen Verlagshaus <a href="http://www.volumique.com/" target="_blank"><em>éditions volumiques</em></a>, das sich die Erforschung neuer Buchformen unter Ber&#252;cksichtigung der Technologien des Digitalen Zeitalters zur Aufgabe gemacht hat.</p>
<p>Das Besondere an diesem Prototyp eines Buches ist seine sich beim Lesen ergebende, labyrinthische Struktur: Aus jeder neuen Seite ergeben sich drei M&#246;glichkeiten, insgesamt gibt es, sagen sie, 3 hoch 6 = 729 Varianten.</p>
<p>Andere Ideen der <em>éditions volumiques</em> umfassen ein Buch, das nach dem &#214;ffnen unlesbar wird, und eines, das von alleine umbl&#228;ttern kann.</p>
<p>(Via <a href="http://www.papiergache.net/blog/" target="_blank">Papier Gaché</a>)</p>
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		<title>&#8220;Kanikōsen&#8221; &#8212; japanische Arbeiterliteratur auf der Berlinale</title>
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		<pubDate>Sun, 21 Feb 2010 21:29:13 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikolai Preuschoff</dc:creator>
				<category><![CDATA[Arbeiterliteratur]]></category>
		<category><![CDATA[Literarische Dinge]]></category>
		<category><![CDATA[Sammeln & Seltenes]]></category>

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		<description><![CDATA[<div class="tw_button" style=""><a href="http://twitter.com/share?url=http%3A%2F%2Fwww.goldmag.de%2F2010%2F02%2Fkaniksen-japanische-arbeiterliteratur-auf-der-berlinale%2F&amp;text=%22Kanik%C5%8Dsen%22+--+japanische+Arbeiterliteratur+auf+der+Berlinale&amp;lang=de&amp;count=horizontal" style="" class="twitter-share-button">Tweet</a></div>
<p>Im &#8220;Forum&#8221; der heute zu Ende gegangenen Berlinale lief die Neuverfilmung eines Klassikers der japanischen Arbeiterliteratur: Takiji Kobayashis <em>Krabbenfischer</em>, von 1929.</p>
<p><a href="http://www.goldmag.de/wp-content/uploads/Takiji-Kobayashi.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-3356" title="Takiji Kobayashi" src="http://www.goldmag.de/wp-content/uploads/Takiji-Kobayashi.jpg" alt="" width="216" height="361" /></a>Wie oft passiert das schon: Ein Buch wird zum Bestseller, 80 Jahre nach der Erstver&#246;ffentlichung. So geschehen mit Takiji Kobayashis <em>Kanikōsen</em> (dt.: <em>Krabbenfischer).</em> In der grassierenden Wirtschaftskrise des Jahres 2008 war Kobayashis Revolutions-Parabel pl&#246;tzlich so gefragt wie nie. Mit ausgel&#246;st hatte das sp&#228;te Revival ein Artikel in der  <em><a title="Mainichi Shimbun" href="http://en.wikipedia.org/wiki/Mainichi_Shimbun">Mainichi Shimbun</a></em> vom 9.  Januar 2008, der Kobayashis Aktualit&#228;t beschwor. Etliche Medien zogen nach, und so wurde ein regelrechter &#8220;Kanikōsen-Boom&#8221; ausgel&#246;st. (Vgl. <a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Kanik%C5%8Dsen" target="_blank">hier.</a>) Bis Mitte 2008 musste die <em>Shinchosha Publishing Company</em> daraufhin unerh&#246;rte 50000 Exemplare der <em>Krabbenfischer</em> nachdrucken, um der Nachfrage gerecht zu werden.</p>
<p>Dieser Erfolgsgeschichte, die sich selbst liest wie eine kleine Revolution, tr&#228;gt nun eine Neuverfilmung von <em>Kanikōsen</em> Rechnung. Nachdem der Roman erstmals 1953 verfilmt und 2006 eine <a href="http://www.seekjapan.jp/article/1638/Kanikosen:++a+proletarian+literature+classic+comes+back+to+life" target="_blank">Manga-Version</a> publiziert wurde, stellte Regisseur Hiroyuki Tanaka, genannt <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Hiroyuki_Tanaka" target="_blank">Sabu</a>, seine Version Anfang der Woche im &#8220;Forum&#8221; der diesj&#228;hrigen <a href="http://www.arsenal-berlin.de/forum/programm/hauptprogramm/kanikoosen.html" target="_blank">Berlinale</a> vor. (Ein kurzer Trailer findet sich <a href="http://twitchfilm.net/news/2009/02/first-trailer-for-sabus-kanikosen-the-cannery-boat-now-online.php" target="_blank">hier</a>.)</p>
<p>Die somit nun in Berlin angelangte Ereigniskette tangiert unmittelbar eine vor kurzem auf Gold aufgeworfene Frage: Ob in Zeiten der weltweiten Wirtschaftskrise und der stetigen Abnahme klassischer Arbeit wir nicht <a href="http://www.goldmag.de/2009/12/fuer-eine-neue-arbeiterliteratur/" target="_blank">eine neue Arbeiterliteratur</a> br&#228;uchten, und wenn ja, wie diese aussehen und welche Formen diese annehmen k&#246;nnte. In Japan scheint diese Frage bereits beantwortet: <!--more-->Ja! Wir brauchen, und wenn es keine neue Arbeiterliteratur gibt, nehmen wir die alte!</p>
<p>Takiji Kobayashi (1903-1933) gilt als Held der japanischen Arbeiterliteratur, <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Proletarische_Literatur" target="_blank"><em>Puroretaria bungaku</em></a>. Seine Revolutionsgeschichte erz&#228;hlt von einer Gruppe Arbeiter, die auf einem Krabbenkutter ausgebeutet und von ihrem Kapit&#228;n sadistisch misshandelt werden. In sowjetischen Gew&#228;ssern (nat&#252;rlich!) organisieren sich die Arbeiter und revoltieren &#8212; mit Erfolg. Sp&#228;ter wird der Aufstand jedoch von Soldaten niedergeschlagen. Kobayashi ist der damals verbotenen Kommunistischen Partei Japans sp&#228;ter selbst, allerdings erst nach Erscheinen der <em>Krabbenfischer</em>, 1931, beigetreten. 1933 wurde er von der Geheimpolizei <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Tokubetsu_K%C5%8Dt%C5%8D_Keisatsu" target="_blank">Tokkō</a> in eine Falle gelockt, gefoltert und ermordet.</p>
<p>Man kann nur hoffen, dass die bei uns nach wie vor vergriffenen <em>Krabbenfischer</em> (nur von Zeit zu Zeit f&#252;r  &#252;ber 100 Euro bei <a href="http://cgi.ebay.de/Krabbenfischer-Takidji-Kobajaschi-Aus-d-Japan-von-A_W0QQitemZ300362382343QQcmdZViewItemQQssPageNameZRSS:B:SRCH:DE:101" target="_blank">Ebay</a> zu haben) demn&#228;chst neu &#252;bersetzt und herausgegeben werden. Solange muss sich der des japanischen <a href="http://www.aozora.gr.jp/cards/000156/files/1465_16805.html" target="_blank">Originaltextes</a> nicht m&#228;chtige Leser an die deutsche Online-Version halten, die <em>Nemesis, </em>ein sozialistisches Archiv f&#252;r Belletristik, <a href="http://nemesis.marxists.org/kobajaschi-krabbenfischer1.htm" target="_blank">hier</a> bereitstellt. Dort findet sich auch Kobayashis Erz&#228;hlung <em><a href="http://marxists.org/deutsch/archiv/kobayashi/1928/xx/maerz.htm#top" target="_blank">Der 15. M&#228;rz 1928</a></em>, in der &#220;bersetzung eines  deutsch-japanischen Kollektivs von 1931.</p>
<p><small>Foto: Takiji Kobayashi (1903-1933)</small></p>
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		<title>Notizen im Buch im digitalen Zeitalter: Warum sie verschwinden und was sie uns sagen k&#246;nnen</title>
		<link>http://www.goldmag.de/2009/11/notizen-im-buch-im-digitalen-zeitalter-warum-sie-verschwinden-und-was-sie-uns-sagen-koennen/</link>
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		<pubDate>Sun, 22 Nov 2009 15:37:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikolai Preuschoff</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literarische Dinge]]></category>
		<category><![CDATA[Sammeln & Seltenes]]></category>

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		<description><![CDATA[<div class="tw_button" style=""><a href="http://twitter.com/share?url=http%3A%2F%2Fwww.goldmag.de%2F2009%2F11%2Fnotizen-im-buch-im-digitalen-zeitalter-warum-sie-verschwinden-und-was-sie-uns-sagen-koennen%2F&amp;text=Notizen+im+Buch+im+digitalen+Zeitalter%3A+Warum+sie+verschwinden+und+was+sie+uns+sagen+k%C3%B6nnen&amp;lang=de&amp;count=horizontal" style="" class="twitter-share-button">Tweet</a></div>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-2658" title="knolleary_15528875a8" src="http://www.goldmag.de/wp-content/uploads/knolleary_15528875a8.jpg" alt="knolleary_15528875a8" width="220" height="188" />Es ist ja allen klar, dass es in den USA mal wieder schneller abl&#228;uft. Und dass der Fortschritt mal wieder mit 1-2 Jahren Versp&#228;tung in Europa und dann noch sp&#228;ter in Deutschland ankommen wird. Hier n&#228;mlich wird erstmal <em>oberkritisch</em> alles be&#228;ugt, bis man sich dann auch endlich traut. Das war ja schon immer so. Mit den Video-Kassetten. Mit den Comics. Mit den Mobiltelefonen. Mit den <em>Social Networking</em>-Plattformen. Und jetzt halt mit den E-Books. Zu allem &#220;berfluss haben wir ja noch den Buchdruck erfunden, deshalb werden wir sie <em>noch</em> sp&#228;ter bekommen. Aber egal. Irgendwann sind die E-B&#252;cher da, und dann gew&#246;hnen sich pl&#246;tzlich alle daran, und viele werden ihre ollen, vergilbten B&#252;cher auf den Kompost werfen. Oder halt beim n&#228;chsten Umzug auf der Stra&#223;e stehen lassen.</p>
<p>Alle wissen auch, dass dann so was &#228;hnliches passieren wird, wie mit den Schallplatten: Irgendwann wird es ein Buchdruck-Revival geben, und die Zahl der Gedrucktbuchliebhaber wird wieder zunehmen. Kleine Independent-Verlage werden aus dem Boden schie&#223;en und alte, verrostete Druckerpressen vom Schrottplatz holen, wieder flott machen und damit bibliophile Ausgaben im Tiefdruck-Verfahren ins handgesch&#246;pfte Papier pr&#228;gen, und die Seiten wird man seitlich aufschneiden m&#252;ssen, um sie lesen zu k&#246;nnen. Es wird wieder sein wie fr&#252;her, nur irgendwie elit&#228;rer, luxuri&#246;ser und nosthalgischer.</p>
<p><img class="size-full wp-image-2757 alignleft" title="o-williams-signature" src="http://www.goldmag.de/wp-content/uploads/o-williams-signature.jpg" alt="o-williams-signature" width="220" height="135" /></p>
<p>Was dann aber verschwunden sein wird, oder nur noch bei einer Handvoll Sammlern die Runde macht, ist eine Kategorie Buch, der heute kaum jemand Beachtung schenkt: <em>das Buch mit alten Notizen darin</em>. Ein besonderes Beispiel h&#228;lt der Blogger <a href="http://knolleary.net/" target="_blank">Nick O’Leary</a> schon jetzt bereit: eine Ausgabe des Spionage-Thrillers <!--more--><a href="http://knolleary.net/2009/11/12/the-content-assignment/" target="_blank"><em>The Content Assignment</em></a>, von Holly Roth (Penguin Books, 1954). Die Handlung ist im Kalten Krieg angesiedelt und erz&#228;hlt aus Perspektive des britischen Reporters John Terrant wie er der mysteri&#246;sen Ellen Content (haha!) auf der Spur ist, mit der er zuvor eine kurze Affaire wo hatte? Genau: in <strong>Berlin!</strong> O&#8217;Leary sagt, er h&#228;tte das Buch &#252;ber seine Eltern von seiner Gro&#223;mutter bekommen, und vorher habe es einer (ihm unbekannten) Gwladys O Williams geh&#246;rt. Schon diese &#8216;Genealogie&#8217; ist toll (und bei einem E-Book kaum vorstellbar), aber noch besser wird es, weil Ms. O Williams mit Kugelschreiber verstreut im Buch eine Menge Anmerkungen und Kommentare hinterlassen hat…<br />
<img class="alignleft size-full wp-image-2659" title="knolleary_48ac218394" src="http://www.goldmag.de/wp-content/uploads/knolleary_48ac218394.jpg" alt="knolleary_48ac218394" width="420" height="104" /><br />
… die aus dem schn&#246;den Thriller nun ein wertvolles, zeitgeschichtliches Dokument voller Ambivalenzen machen! Und hat Gwladys O Williams nicht recht mit ihren Anmerkungen?<br />
<img class="alignleft size-full wp-image-2661" title="knolleary_de34ddbb25" src="http://www.goldmag.de/wp-content/uploads/knolleary_de34ddbb25.jpg" alt="knolleary_de34ddbb25" width="420" height="141" /><br />
&#8220;Fools&#8221; und &#8220;insulting&#8221; notiert Ms. Williams auf anderen Seiten (&#8220;no-one is safe from her pen&#8221;, merkt dazu wiederum O&#8217;Leary in seinem Blog an), verteidigt auch die &#8220;Russians&#8221;, die vor allem unfair dargestellt seien, um schlie&#223;lich den Satz &#8220;the Americans are our friends&#8221; mit den Worten zu kommentieren: &#8220;Now I wonder&#8221;! Das Beste aber ist ein emp&#246;rtes Zwischenfazit: &#8220;Oh Scottland Yard what a disgrace to Britain you are!&#8221; steht da und ist &#8212; wie zur Bekr&#228;ftigung &#8212; unterzeichnet mit: &#8220;O. Williams&#8221;.<br />
<img class="alignleft size-full wp-image-2660" title="knolleary_a160ccd6aa" src="http://www.goldmag.de/wp-content/uploads/knolleary_a160ccd6aa.jpg" alt="knolleary_a160ccd6aa" width="420" height="228" /></p>
<p class="clear : both">
<p>Die Geschichte geht aber noch weiter und nimmt an Dramatik zu! Nachzulesen bei Nick O&#8217;Leary, <a href="http://knolleary.net/2009/11/12/the-content-assignment/" target="_blank">hier</a>. Toll!</p>
<p>Wer hat auch so ein Buch zu Hause?</p>
<p><small>Fotos: <a href="http://www.flickr.com/photos/knolleary/sets/72157622609249059/" target="_blank">knolleary</a></small></p>
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		<title>Mein Vorbild: Reiner Speck</title>
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		<pubDate>Tue, 21 Jul 2009 20:06:47 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikolai Preuschoff</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literarische Dinge]]></category>
		<category><![CDATA[Sammeln & Seltenes]]></category>

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		<description><![CDATA[<div class="tw_button" style=""><a href="http://twitter.com/share?url=http%3A%2F%2Fwww.goldmag.de%2F2009%2F07%2Fmein-vorbild-reiner-speck%2F&amp;text=Mein+Vorbild%3A+Reiner+Speck&amp;lang=de&amp;count=horizontal" style="" class="twitter-share-button">Tweet</a></div>
<p><strong>Portrait eines K&#246;lner Sammlers, wie es nur wenige gibt</strong></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1629" title="reiner-speck-2" src="http://www.goldmag.de/wp-content/uploads/reiner-speck-2.jpg" alt="reiner-speck-2" width="265" height="284" />Vor Tagen las ich in der <a href="http://www.zeit.de/2009/27/Portraet-Speck" target="_blank">Zeitung</a> &#252;ber Reiner Speck. Seitdem geht er mir nicht mehr aus dem Kopf. Schon die Fotografie (die wir nebenstehend reproduziert haben) hatte es mir angetan. Dr. Speck, in einem karierten Sakko, sitzt in einer ger&#228;umigen Bibliothek (nicht auf dem Bild), in einem Leder-Fauteuil. Die rechte Hand in einem Buch. Zu seinen F&#252;&#223;en: ein gro&#223;er Dobermann/ Dogge/ Gef&#228;hrlicher Schlosshund (da kenne ich mich nicht so aus). Beide blicken l&#228;ssig, Speck aber auch irgendwie unsicher in die Kamera (der Hund an ihr vorbei, vielleicht auf eine Wurst). Specks Augen sind, auf diesem Foto, bemerkenswert schwarz, und er tr&#228;gt einen Schnurrbart wie <a href="http://www.henrikpontoppidan.dk/media/portraetter/proust_1000.jpg" target="_blank">Marcel Proust</a>. Und das ist kein Zufall. Speck ist Sammler &#8212; Sammler und Publizist. &#8220;Gleich zwei Traumberufe&#8221;, dachte ich mir.</p>
<p>Reiner Specks Bibliothek, soweit auf dem Foto zu sehen (bzw. auf unserer Reproduktion leider nicht zu sehen &#8212; wir m&#252;ssen sie uns vorstellen), enth&#228;lt gro&#223;e Bildb&#228;nde, edel gebundene Prachtausgaben und <!--more-->gro&#223;formatige Gesammelte Werke, bis unter die Decke. Vor allem birgt sie noch zwei Unter-Bibliotheken, die zugleich, wie ich gelesen habe, ihre &#8220;Herzkammern&#8221; sind. Deshalb tragen sie auch eigene Namen: die <em>Bibliotheca Proustiana</em> und die <em>Bibliotheca Petrarchesca Reiner Speck</em>. Sie enthalten Seltenes vom italienischen Dichter Francesco Petrarca und Handschriften des franz&#246;sischen Kollegen Proust. Von Petrarca besitzt Speck &#8220;illuminierte Handschriften, k&#246;stliche Drucke&#8221; sowie &#8220;Ausgaben ber&#252;hmter Vorbesitzer&#8221;. Von Proust, so las ich, &#8220;verwahrt Speck mit &#252;ber 80 Briefen des Autors an <a href="http://www.jstor.org/pss/2912042" target="_blank"><em>Tout Paris</em></a> die gr&#246;&#223;te Autografen-Privatsammlung weltweit&#8221;. 1982 gr&#252;ndete Speck zudem die <a href="http://www.marcel-proust-gesellschaft.de/" target="_blank">Marcel-Proust-Gesellschaft</a> und waltet seitdem als ihr <a href="http://www.museenkoeln.de/homepage/default.asp?s=244&amp;kontrast=&amp;schrift=&amp;abb=760" target="_blank">missionarischer</a> Vorsitzender. Zum Ausgleich vielleicht f&#252;r den Proust-Schnurrbart enth&#228;lt Specks Autokennzeichen die Ziffern &#8220;<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/1304" target="_blank">1304</a>&#8221; &#8212; Petrarcas Geburtsjahr. Au&#223;erdem plant Speck eine &#8220;Dr. Speck Literaturstiftung&#8221;, die den idiosynkratischen Ideen anderer Sammler bald ein gemeinsames Dach &#252;ber dem Kopf bieten k&#246;nnte.</p>
<p>Seit Wochen schon ist Reiner Speck mein Vorbild. Aber wer ist eigentlich <a href="http://www.andreas-boettcher-portrait.de/cont/HTML/01_POR/01_023.HTM" target="_blank">Reiner Speck</a>? Und mehr noch: Wie wird man Reiner Speck? (Ein <a href="http://www.tagesspiegel.de/kultur/literatur/Bildband-Global-Collectors;art138,2850461" target="_blank">&#8220;Global Collector&#8221;</a>, wie man heutzutage wohl sagt.) Wie vieles wei&#223; ich nicht &#252;ber ihn. Zuviel. H&#228;tte ich doch Medizin studieren sollen, um als Arzt praktizieren zu k&#246;nnen, wie Speck es tat? Wie sieht der Alltag eines Sammlers und Publizisten aus? Surft Reiner Speck im Internet? Wie kann man seine Berufe erlernen? Geht Reiner Speck in die Disco? Oder nur ins Antiquariat? Ist es blasphemisch, das zu fragen? Vielleicht bl&#246;delt er ja auch gerne <a href="http://www.flickr.com/photos/26576892@N07/3456763916/" target="_blank">mit seinen Freunden im Park</a>? (Sicher kennt er dieses <a href="http://classes.bnf.fr/portrait/grande/aj64.htm" target="_blank">Foto</a>.) Wie kommt man an eine weltweit gr&#246;&#223;te private Autographen-Sammlung? Wie hei&#223;t sein Hund, und welche Rasse ist das genau? (Vielleicht braucht er ihn zur Bewachung der Sammlung?) Wie unterscheidet sich der Reiz einer Prachtausgabe von dem einer Ausgabe mit ber&#252;hmten Vorbesitzern? Und wie &#252;berbr&#252;ckt man 600 Jahre zwischen Petrarca und Proust? Ob Petrarca eifers&#252;chtig ist, weil Speck mit Proust-Gesellschaft und Oberlippenbart den Franzosen sichtlich bevorzugt? Hat Reiner Speck einige B&#252;cher &#252;brig, die er nicht mehr braucht? Darf ich die vielleicht haben? Kann man ihn irgendwo kennen lernen?</p>
<p>Die wichtigen Fragen an Reiner Speck wurden, so scheint mir, noch nicht gestellt. Sie werden mich weiter qu&#228;len.</p>
<p><small>Zeichnung: N. Preuschoff</small></p>
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		<title>Tipps f&#252;r den armen Leser</title>
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		<pubDate>Wed, 15 Jul 2009 11:49:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>goldmag</dc:creator>
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		<category><![CDATA[Sammeln & Seltenes]]></category>

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		<description><![CDATA[<div class="tw_button" style=""><a href="http://twitter.com/share?url=http%3A%2F%2Fwww.goldmag.de%2F2009%2F07%2Ftipps-fuer-den-armen-leser%2F&amp;text=Tipps+f%C3%BCr+den+armen+Leser+&amp;lang=de&amp;count=horizontal" style="" class="twitter-share-button">Tweet</a></div>
<p><strong>Eine antiquarische Stadtteilforschung in Friedrichshain</strong></p>
<p><em>Ein Gastbeitrag von Alex Dubilet</em></p>
<p><img class="alignleft size-full wp-image-1553" title="buchladen-fuer arme 1_22" src="http://www.goldmag.de/wp-content/uploads/buchladen-1_22.jpg" alt="buchladen-fuer arme 1_22" width="261" height="307" />Um 1700 gab es in Berlin nur eine Buchandlung (so der Historiker Jonathan Israel in seinem Werk &#8220;Radical Enlightenment&#8221;, das vom Aufstieg der modernen, rationalistischen Philosophie, und insbesondere des Cartesianismus und Spinozismus handelt). Heute, Gott sei Dank, haben wir mehr Buchandlungen! Tats&#228;chlich scheint es, als ob jeder Berliner Bezirk ein paar Dutzend von ihnen h&#228;tte. Also bin ich aufgebrochen, um in all diesen Bezirken all diese Buchandlungen zu besuchen und zu erforschen &#8212; allerdings nur die Antiquariate und Gebrauchtbuchl&#228;den, denn ich habe nicht so viel Geld. Und au&#223;erdem kann man nicht die &#8220;Gesamelten Werke&#8221; von Lenin (ungef&#228;hr 45 B&#228;nde) auf Russisch f&#252;r 25 Euro in einer normalen Buchhandlung finden. Zuerst war ich in Friedrichshain (ich weiss nicht warum, da ich in Kreuzberg wohne, wo es mehr als genug Antiquariate gibt: Einen &#220;berblick &#252;ber Kreuzberg werde ich das n&#228;chtes Mal liefern, falls mein R&#252;cken und meine F&#252;&#223;e die unglaublich harten Berliner Steine &#252;berleben &#8212; und das ist nicht sicher). Mein Gesamteindruck von Friedrichshain vorab: Es gibt eine hohe Quantit&#228;t, aber nicht genug bezahlbare Qualit&#228;t. Hier sind meine Resultate im Einzelnen:<!--more--></p>
<p><strong>Antiquariat in Friedrichshain, Wissenschaftliches Antiquariat</strong>, Niederbarnimstr. 13, nahe Boxhagener Str.: Jedes Buch in den insgesamt drei R&#228;umen kostet 2.50 € (drei f&#252;r 6 €), und die Auswahl ist interessant. Mein Fang beinhaltet drei B&#252;cher (und hat den Beifall meines Redakteurs gefunden): 1. George Christoph Lichtenberg &#8220;Werke&#8221; (Aphorismen, Briefe, Aufs&#228;tze, Essays) in einem Band, 2. Die Werke von E.T.A. Hoffmann in einem Band, aus der &#8220;Bibliothek deutscher Klassiker&#8221; (mehr als 1000 Seiten von Hoffmann f&#252;r nur 2 €, dass hei&#223;t, jede Hoffmannseite kostete mich nur <a href="http://www.google.com/search?q=2%2F1000&amp;ie=utf-8&amp;oe=utf-8&amp;aq=t&amp;rls=org.mozilla:de:official&amp;client=firefox-a" target="_blank">1/5 Cent</a>!), 3. Und eine kleine Ausgabe von Schleiermacher &#252;ber Religion, von Reclam. Das Antiquariat ist allerdings nur am Nachmittag ge&#246;ffnet.<br />
Auswahl: ✌ Preis: ✌</p>
<p><strong>Der Steppenwolf </strong>in der Simplonstr. ist recht klein, und die B&#252;cher sind nicht teuer. Obwohl die Auswahl besonders im Bereich Literatur und Philosophie nicht schlecht ist, finden sich die besten B&#252;cher in einem privaten Raum dahinter, den die Kunden nicht betreten d&#252;rfen. Schade!<br />
Auswahl: ☹ Preis: ☝</p>
<p><strong>Das Antiquariat Matthias Wagner</strong> in der W&#252;hlischstr. 22 hat die beste Buchauswahl in Friedrichshain. Aber sobald die Auswahl an B&#252;chern sich bessert, steigen die Preise. So auch hier. Das scheint mir ein Paradox zu sein. Dieses Paradox (man m&#252;sste richtiger von einer &#8216;Tendenz&#8217; sprechen, aber aus Sicht des Antiquariat-Detektivs handelt es sich um ein gemeines Paradox, das die Ungerechtigkeit des Universum zeigt) blockiert die Antiquariats-Utopie: ein bezaubernder Ort mit endlosen W&#228;nden von B&#252;chern, die nicht nur au&#223;erordentlich, sondern auch kosteng&#252;nstig sind, und darauf warten, gekauft zu werden.<br />
Auswahl: <img src='http://www.goldmag.de/wp-includes/images/smilies/icon_surprised.gif' alt=':o' class='wp-smiley' /> ) <img src='http://www.goldmag.de/wp-includes/images/smilies/icon_surprised.gif' alt=':o' class='wp-smiley' /> ) Preis: ☣</p>
<p><strong>Die Franz-Mehring-Buchhandlung</strong> (Frankfurter Allee 65) war &#228;u&#223;erst merkw&#252;rdig. Sie verkauft neue und gebrauchte B&#252;cher, aber die Auswahl an neuen Philosophie-B&#252;chern enthielt nur ca. 20 schwarz-blaue B&#228;nde von Adornos Werken im Surkamp Verlag &#8212; und das war alles! In der antiquarischen Philosophie-Abteilung gab es ein paar gute B&#252;cher, aber sie waren recht teuer (z.B. Feuerbachs &#8220;Von Bacon zu Spinoza&#8221; f&#252;r 15 €, oder Leibniz &#8220;1683-1687, Schriften und Briefe&#8221; f&#252;r 25 €!) In diese Buchhandlung sollte man eigentlich nur gehen, um Karikatur- und Satirik-B&#252;cher zu kaufen, denn hier gibt es viele B&#252;cher aus dem Eulenspiegel-Verlag (jedes kostet zwischen f&#252;nf und acht €), von <a href="http://88.191.63.134/photos/roseoud/187520010/_3047/46.jpg" target="_blank">Felix Vallotton</a>, <a href="http://germanhistorydocs.ghi-dc.org/images/30013097-r%20copy.jpg" target="_blank">Bruno Paul</a>, <a href="http://www.payer.de/religionskritik/karikatur309.gif" target="_blank">Karl Holtz</a>, <a href="http://www.dhm.de/lemo/objekte/pict/ju000992/index.jpg" target="_blank">Walter Trier</a>, <a href="http://www.freepedia.co.uk/The%20Web%20Site%20Backup/Cartoonists/ARTsimp3.jpg" target="_blank">Rudolf Wilke</a>, <a href="http://glareanverlag.files.wordpress.com/2008/04/cartoon029.jpg" target="_blank">Adolf Oberl&#228;nder</a> und anderen. Diese Karikaturen waren sch&#246;n &#8212; aber nicht sch&#246;n genug, deshalb:<br />
Auswahl: ☠☠ Preis: ☠☠</p>
<p><strong>Das Café Tasso Antiquariat</strong> (Frankfurter Allee 11) ist ein sch&#246;nes Café und Antiquariat. Hier kostet jedes Buch nur einen Euro, und es ist voll mit B&#252;chern, f&#252;r die man nicht mehr als einen Euro bezahlen w&#252;rde. Aber der Laden wird zum Paradies, wenn man zum Beispiel russisch-deutsche ingenieur- oder agrarwissenschaftliche W&#246;rterb&#252;cher sucht. Die Kuriosit&#228;ten hier beinhalten vier Exemplare von Herders Lesebuch “F&#252;r unsere Zeit” („unsere Zeit“ bedeutet in diesem Fall: DDR, 1978), f&#252;nf Ausgaben von Lenins „<a href="http://www.buchfreund.de/covers/8870/19480.jpg" target="_blank">Materialismus und Empiriokritizismus</a>“ (das schon wieder aktuell erscheint, weil <a href="http://www.youtube.com/watch?v=lphTYbpxXiI" target="_blank">Slavoj Zizek</a> es <a href="http://www.lacan.com/zizstalin.htm" target="_blank">sehr sch&#228;tzt</a>) sowie zahllose B&#228;nde von Emile Zola. F&#252;r einen Euro &#8212; da kann man nicht klagen! Und wo kann man schon Lenins Werke auf Russisch finden! Und, nat&#252;rlich, <a href="http://www.worldsocialism.org/spgb/mar03/lenin-and-stalin.jpg" target="_blank">&#8220;Fragen zum Leninismus&#8221; von Onkel Joe</a>. Auswahl: ☭♻♻ Preis:1 € = ✌☺</p>
<p><strong>Das Sparbuch</strong> in die Finowstr., s&#252;dlich der Frankfurter Allee, hat sehr, sehr viele billige B&#252;cher (jedes Buch kostet hier immer nur einen Euro), und die Auswahl ist insgesamt besser oganisiert. Man kann zum Beispiel eine gebundene <strong>Prachtausgabe (!)</strong> von &#8220;Kunst und Literatur&#8221; vom alten Freund/Feind <a href="http://www.freeinfosociety.com/media/images/956.jpg" target="_blank">Lenins</a> <a href="http://www.danwymanbooks.com/iskra18sup.jpg" target="_blank">Georgi Walentinowitsch Plechanow</a> darin finden! Ein Paradies f&#252;r alle! Auswahl: ♻♻♻ Preis: 1 € = ✌</p>
<p><strong>Zusammenfassung:</strong></p>
<p>Friedrichshain hat sich, wie mir scheint, auf “Jedes Buch ein Euro”-Antiquariate spezialisiert. In allen Buchhandlungen habe ich die gleichen DDR-Verlage gesehen. Diese Antiquariate sind perfekt, wenn man alte und &#252;belriechende Ausgaben von Adalber Stifter, Wilhelm Raabe oder Conrad Ferdinand Meyer finden m&#246;chte. Wenn man allerdings zu viel Zeit in ihnen verbringt, k&#246;nnte einem sehr langweilig werden &#8212; und wenn man von seinem Leben und ‚Sein’ zu sehr gelangweilt ist, wird man, wie Heidegger gesagt hat, sich wie ein Tier f&#252;hlen! Die Friedrichshainer Gebrauchtbuchl&#228;den sind gut, um Trash zu finden. Aber immer auch wirklich billig!</p>
<p>Und so muss ich meine Suche nach guten und g&#252;nstigen Ausgaben von Eckhart, Leibniz, Hegel, Feuerbach und Benjamin fortsetzen. Velleicht werde ich n&#228;chstes Mal Erfolg haben, velleicht werde ich aber wieder nur 1-Euro-Reliqien finden. Bis n&#228;chste Woche!</p>
<p><small>Zeichnung: N. Preuschoff</small></p>
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		<title>Der Simmel und sein Autobus</title>
		<link>http://www.goldmag.de/2009/01/der-simmel-und-sein-autobus/</link>
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		<pubDate>Fri, 02 Jan 2009 22:04:22 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Anne-Dore</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sammeln & Seltenes]]></category>
		<category><![CDATA[Sonst noch]]></category>

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		<description><![CDATA[<div class="tw_button" style=""><a href="http://twitter.com/share?url=http%3A%2F%2Fwww.goldmag.de%2F2009%2F01%2Fder-simmel-und-sein-autobus%2F&amp;text=Der+Simmel+und+sein+Autobus&amp;lang=de&amp;count=horizontal" style="" class="twitter-share-button">Tweet</a></div>
<p><img src="http://www.goldmag.de/wp-content/uploads/autobus1.jpeg" alt="autobus1.jpeg" />Wenn ihm mal wieder einer Trivialit&#228;t vorwarf, hatte er eine selbstbewu&#223;te Antwort: &#8220;In Deutschland bedeutet Erfolg das Abonnement auf schlechte Kritiken.&#8221;</p>
<p>Hm. Na ja. Ob das bei seinen B&#252;chern nicht ein bisschen zu optimistisch interpretiert war?</p>
<p>Jetzt ist Johannes Mario Simmel gestorben, und ich habe einen Moment gestutzt, weil ich pl&#246;tzlich an das einzige Buch denken musste, das ich von ihm gelesen habe. Das war lange bevor ich seinen Namen mit Eichenholzfurnier und Fernseherschrankwand und Vitrinen und Wirtschaftswunderfamilien mit geh&#228;kelten Gl&#228;seruntersetzern in Verbindung brachte, also lange, bevor ich eine rein sekund&#228;r angelesene Haltung zu ihm entwickelt hatte.</p>
<p>Das Buch, das ich von ihm gelesen habe, hie&#223; &#8220;Ein Autobus gro&#223; wie die Welt&#8221;. Das Buch ist ab acht, ich war vielleicht neun, als ich es aus der Stadtbibliothek auslieh.<!--more--></p>
<p>Es geht um eine Gruppe von Kindern, die auf dem Weg irgendwohin sind, vielleicht in ein Ski-Schullandheim,  jedenfalls hatten sie ein Ziel, das sie nicht so einfach erreichen konnten, weil (Konflikt!) eine Lawine heruntergegangen war und die Stra&#223;e versperrt hatte. Alle sitzen fest, es gibt Tr&#228;nen und &#196;ngstliche und Aufschneider, und dann legt man (p&#228;dagogisch wertvoll!) den Reiseproviant zusammen und ein dicker Junge mit Riesen-Fresspaket lernt, was Teilen hei&#223;t. Einer wird schlimm krank (Drama!), die Erwachsenen marschieren los und holen Hilfe und sp&#228;ter (Happy End!) sind alle froh und gesund und haben was gelernt.</p>
<p>Es war kitschig und auch ein bisschen trivial. Ich habe gerade nachgesehen: Bei <a href="http://www.amazon.de/Ein-Autobus-gro%C3%9F-wie-Welt/dp/3426111349/ref=sr_1_1?ie=UTF8&amp;s=books&amp;qid=1230934132&amp;sr=8-1" target="_blank">amazon</a> gibt es das Buch ab 0,01 Euro zu kaufen. Ich habe es aber gemocht, sehr sogar, und wenn ich daran denke, dass ich es damals unter der Bettdecke bis zur letzten Seite verschlungen habe, bin ich froh, dass ich damals noch keine Feuilletons gelesen habe und das mit der Eichenholzfurnierliteratur noch nicht wu&#223;te und vollkommen haltungsfrei den Simmel damals einfach richtig gut finden konnte.</p>
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		<title>Sammeln &amp; Seltenes: Rare Mangas Man Gatarous</title>
		<link>http://www.goldmag.de/2008/08/sammeln-seltenes-rare-mangas-man-gatarous/</link>
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		<pubDate>Sun, 31 Aug 2008 18:47:15 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikolai Preuschoff</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Sammeln & Seltenes]]></category>

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		<description><![CDATA[<div class="tw_button" style=""><a href="http://twitter.com/share?url=http%3A%2F%2Fwww.goldmag.de%2F2008%2F08%2Fsammeln-seltenes-rare-mangas-man-gatarous%2F&amp;text=Sammeln+%26+Seltenes%3A+Rare+Mangas+Man+Gatarous&amp;lang=de&amp;count=horizontal" style="" class="twitter-share-button">Tweet</a></div>
<p><img src="http://www.goldmag.de/wp-content/uploads/mangataro-1.jpg" alt="mangataro-1.jpg" height="265" width="175" />Also. Ich will ja nicht dick auftragen, aber Man Gatarou kennt, au&#223;erhalb Japans, wirklich niemand. Google nicht, Wikipedia nicht, Amazon nicht. Auch nicht der gut sortierte Comic-Laden um die Ecke oder die japanische Buchhandlung in Hamburg oder Paris. Das kann man gerne nachpr&#252;fen (und ich lasse mich da auch gerne eines Besseren belehren [1]). Somit wird das hier, sobald ich es fertig geschrieben habe, der erste informative Man-Gatarou-Eintrag im Netz sein, der in lateinischen Buchstaben verfasst ist.</p>
<p>Man Gatarou (eigentlich <a href="http://ja.wikipedia.org/wiki/%E6%BC%AB%E2%98%86%E7%94%BB%E5%A4%AA%E9%83%8E" target="_blank">漫☆画太郎</a>) ist Comic- oder, richtiger gesagt, Manga-Zeichner. Daher sein Pseudonym: Manga-Taro (wobei der ☆ im Namen fester Bestandteil dieses Pseudonymns zu sein scheint).  Die drei B&#228;nde, die ich hier vorstellen m&#246;chte, sind zwischen &#8216;96 und &#8216;97 als Band 1, 2 und 3 der Reihe <em>Hell Koshien</em> bei <em>Jump Comics</em> erschienen. Ich habe sie geschenkt bekommen. <!--more-->Und seitdem hole ich sie immer dann wieder hervor, wenn ich jemand von der Vielseitigkeit der japanischen Manga-Kultur &#252;berzeugen m&#246;chte. Der Freund, selbst ein gro&#223;er Man☆Gatarou-Fan, hat sie damals antiquarisch erstanden; und anders bekommt man sie bis heute nicht. Die B&#252;cher sind im typischen, kleinen Taschenbuch-Format gehalten, rund 200 Seiten dick und schwarz-wei&#223; gedruckt. Gelesen werden sie, wie die meisten japanischen Printerzeugnisse, von rechts nach links.</p>
<p><img src="http://www.goldmag.de/wp-content/uploads/mangataro-3.jpg" alt="mangataro-3.jpg" height="275" width="175" />In Band 1 (kl&#228;rende Anmerkung vorneweg: Japanisch kann ich nicht lesen, nur die Bilder; ein paar der lautmalenden <a href="http://www.japanorama.com/hira_ref.html" target="_blank">Hiragana</a>- und <a href="http://www.japanorama.com/kata_ref.html" target="_blank">Katakana</a>-Zeichen sind aber durchaus verst&#228;ndlich) geht es um ein College-Baseball-Mannschaft (Baseball ist ja, noch vor Sumo, der beliebteste Sport in Japan). Mit einem Mal muss diese gegen ein bewaffnetes Team von Zombies oder Monstern antreten. Zum Gl&#252;ck hat das Sch&#252;ler-Team, das sp&#228;ter noch vom Schuldirektor und einem Sportlehrer (s. Cover Bd. 2) tatkr&#228;ftig unterst&#252;tzt wird, einen richtig guten Werfer-Helden (s. Cover Bd. 1), der im w&#246;rtlichen Sinne explosive B&#228;lle werfen kann. Der weitere Handlungsverlauf ist nicht besonders wichtig, haupts&#228;chlich bekommen beide Seiten st&#228;ndig B&#228;lle ins Gesicht, verlieren Z&#228;hne und Hosen, kotzen oder werden auf verschieden Arten zerfetzt. Am Ende gewinnen die Sch&#252;ler, aber so klar ist das auch nicht.</p>
<p>In Band 2 wird diese Geschichte fortgesetzt bzw. sie wird &#228;hnlich nocheinmal erz&#228;hlt, nur dass diesmal auch eine Art Werwolf auftritt. Es zeichnet sich also bereits ab, dass die Wiederholung – wie auch in den anderen B&#252;chern Man☆Gatarous –  hier als ein wichtiges &#228;sthetisches Mittel zur Anwendung kommt. Konkret sieht das so aus, dass sich ein und dieselbe Bildfolge, die sich meist nur &#252;ber zwei Seiten erstreckt, wieder und wieder mit nur geringen Abwandlungen wiederholt. Die Erz&#228;hlung selbst ger&#228;t auf diese Weise nat&#252;rlich recht kurz, auf der anderen Seite gewinnt sie gewisserma&#223;en dadurch an Komplexit&#228;t, dass f&#252;r den Leser offenbleibt, was sich nun tats&#228;chlich ereignet oder was nur getr&#228;umt oder was evtl. vom Erz&#228;hler doch noch wieder korrigiert wird.  Eingebettet in den zweiten Band ist au&#223;erdem eine Geschichte, in der ein kleines M&#228;dchen, eine Gro&#223;mutter und ein Koch im Mittelpunkt stehen. Alles scheint sich um eine Schale mit Suppe zu drehen, mit der das M&#228;dchen st&#228;ndig durch die Gegen rennt, wohl auf der Flucht vor dem Koch. Am Ende verhaut das M&#228;dchen den Koch, und die Gro&#223;mutter liegt tot im Bett.</p>
<p><img src="http://www.goldmag.de/wp-content/uploads/mangataro-2.jpg" alt="mangataro-2.jpg" height="271" width="175" />Band 3 kn&#252;pft da an, wo Band 2 aufgeh&#246;rt hat. Nur scheint der Beginn st&#228;rker auf das Leben in der Schule, fernab des Sportplatzes zu fokussieren. Ein offenbar durchgeknallter Lehrer liest vor der Klasse aus Aufgabenheften vor, um dann mit voller Wucht Backpfeifen zu verteilen, so dass es den pausb&#228;ckigen Sch&#252;lern den Rotz nur so aus den Nasen schleudert. Laufender Rotz und dicke Backen scheinen, neben runtergezogenen Hosen, ein Leitmotiv Gatarous zu sein. Dies also nun wiederholt sich einige Male, bevor es auf den Sportplatz geht. Dort muss ein irgendwie v&#246;llig nackter Sch&#252;ler den Ball zu einer Mumie werfen, die mit dem Baseballschl&#228;ger bereit steht. Der Sch&#252;ler wirft, doch der Ball explodiert und entpuppt sich als Nagel-Bombe, die den Sch&#252;ler ziemlich fies erwischt und was vom K&#252;nstler entsprechend drastisch dargestellt wird (s. Cover Bd. 3). Der bereits aus dem ersten Band bekannte Zombie-Anf&#252;hrer sitzt auf der Bank und schaut sich die Szene lachend an. Das ganze wird jetzt noch ein paar Mal wiederholt und variiert. Am Ende verfolgt den bereits von den N&#228;geln getroffene Sch&#252;ler zusammen mit dem gleichfalls arg l&#228;dierten Sportlehrer ein gro&#223;er, fliegender Baseballschl&#228;ger mit Raketenantrieb; sie rennen davon, stolpern dann jedoch &#252;ber einige gerade aus einer umkippenden Kiste fallende Baseball-B&#228;lle. Doch gerade bevor sie die riesige Schl&#228;ger-Rakete erreicht, wird diese seitlich von einem gro&#223;en Baseball getroffen. Es kommt zur Explosion, Sch&#252;ler und Lehrer sind in letzter Sekunde gerettet. &#220;ber ihren K&#246;pfen auf dem Stadion-Dach sehen wir nun den Retter: Es ist der Werfer-Held, den wir bereits aus dem ersten Band kennen.</p>
<p>Man☆Gatarou wurde 1971 in der Pr&#228;fektur <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Shizuoka" target="_blank">Shizuoka</a> geboren und besuchte die <a href="http://ja.wikipedia.org/wiki/%E6%A8%AA%E6%B5%9C%E5%B8%82%E7%AB%8B%E9%87%91%E6%B2%A2%E9%AB%98%E7%AD%89%E5%AD%A6%E6%A0%A1" target="_blank">Kanazawa Yokohama City High School</a>. Seine Werke sind selbst in Japan wohl nur den Fans des Genres bekannt –  und werden vermutlich ganz auch nur von diesen verstanden. Andere seiner Titel lauten (in etwa): <em>Zhen Reisen unvollst&#228;ndige Version</em> Bd. 1-3, <em><a href="http://www.amazon.co.jp/%E3%81%BE%E3%82%93%E3%82%AB%E3%82%B9-%E6%BC%AB%E2%98%86%E7%94%BB%E5%A4%AA%E9%83%8E/dp/4778320255/ref=pd_sim_b_njs_4" target="_blank">Er ist ein Kunde Comics</a></em> oder schlicht: <em><a href="http://www.amazon.co.jp/%E4%B8%96%E3%81%AB%E3%82%82%E5%A5%87%E5%A6%99%E3%81%AA%E6%BC%AB%E2%98%86%E7%94%BB%E5%A4%AA%E9%83%8E-2-%E3%83%A4%E3%83%B3%E3%82%B0%E3%82%B8%E3%83%A3%E3%83%B3%E3%83%97%E3%82%B3%E3%83%9F%E3%83%83%E3%82%AF%E3%82%B9-%E6%BC%AB-%E7%94%BB%E5%A4%AA%E9%83%8E/dp/4088773713/ref=sr_1_4?ie=UTF8&amp;s=books&amp;qid=1220189562&amp;sr=1-4" target="_blank">Seltsame Malerei</a></em>. Nur unwesentlich bekannter d&#252;rfte die Verfilmung des soeben vorgestellten Stoffes sein, f&#252;r die Man☆Gatarou das Drehbuch schrieb: <a href="http://www.imdb.com/title/tt0384832/fullcredits#writers" target="_blank"><em>Battlefield Baseball</em></a> (Beispiele finden sich <a href="http://www.youtube.com/watch?v=eMTZMjnbxGQ&amp;NR=1" target="_blank">hier</a> und <a href="http://www.youtube.com/watch?v=jYz_wfsW8HE&amp;NR=1" target="_blank">hier</a> &lt;– Vorsicht, Beispiel 2 ist ca. FSK 16).</p>
<p>Abschlie&#223;end sei vielleicht noch darauf hingewiesen, dass man Gatarous Mangas aus dem Kontext des japanischen <a href="http://www.flickr.com/photos/x-girl/13459955/" target="_blank">Manga-Universum</a> verstehen sollte, in dem sie sicherlich ein Extrem, aber eben nur das eine Extrem bilden (Beispiele <a href="http://web.uni-frankfurt.de/fb10/jubufo/mangainfo/werke/bilder/fy/abb6.jpg" target="_blank">hier</a>, <a href="http://i217.photobucket.com/albums/cc50/justizzentrum/therealdealanimemeagapicture-1.jpg" target="_blank">hier</a> und <a href="http://www.amazon.co.jp/%E3%81%8B%E3%82%93%E3%81%AA%E3%81%8E-REX-COMICS/dp/4758060657/ref=sr_1_4?ie=UTF8&amp;s=books&amp;qid=1220207971&amp;sr=1-4" target="_blank">hier</a>).</p>
<p><small>Man Gatarou: <em>Hell Koshien</em>, Jump Comics, Tokyo, 1996-1997, antiquarisch in Japan ca. 400 ￥ / Vol.</small></p>
<p>[1] Folgenden Link habe ich nun doch noch gefunden: <a href="http://childismine.com/manga/2008/05/27/nature-boy-zoo-ichi-ch01-by-man-gatarou-pierre-taki/" target="_blank">Hier</a> gibt es noch einen informativen Man☆Gatarou-Beitrag, der sich um <em>Nature Boy Zoo-Ichi</em> dreht. Und, noch besser: Der Autor bietet das erste Kapitel obendrein zum Download an – in einer englischen &#220;bersetzung, die er offenbar selbst besorgt hat!</p>
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		<title>Sammeln &amp; Seltenes: Lindworskys Seelenleben</title>
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		<pubDate>Fri, 09 Nov 2007 11:02:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikolai Preuschoff</dc:creator>
				<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>
		<category><![CDATA[Sammeln & Seltenes]]></category>

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		<description><![CDATA[<div class="tw_button" style=""><a href="http://twitter.com/share?url=http%3A%2F%2Fwww.goldmag.de%2F2007%2F11%2Fsammeln-seltenes-lindworskys-seelenleben%2F&amp;text=Sammeln+%26+Seltenes%3A+Lindworskys+Seelenleben&amp;lang=de&amp;count=horizontal" style="" class="twitter-share-button">Tweet</a></div>
<p>Johannes Lindworsky versucht eine Einf&#252;hrung in die Psychologie und will nebenher katholische und moderne Philosophie ins Einvernehmen bringen.</p>
<p><a href="http://www.goldmag.de/wp-content/uploads/lindworsky_seelenleben.jpg" alt="Lindworsky Seelenleben" target="_blank"><img src="http://www.goldmag.de/wp-content/uploads/lindworsky_seelenleben.jpg" alt="Lindworsky Seelenleben" height="234" width="160" /></a>Das Buch oder B&#252;chlein, das ich um das Jahr 1999 an einem Stand der Freiburger Heilsarmee f&#252;r vermutlich eine Mark kaufte, tr&#228;gt den Titel <em>Das Seelenleben des Menschen</em>. Der Titel hat mich sofort fasziniert. Sowas w&#252;rde man irgendwo in der Esoterik-Ecke vermuten, Unterkategorie Reinkarnation. Lindworsky aber bietet eine <em>Einf&#252;hrung in die Psychologie</em> (so der Untertitel). &#8220;Einigerma&#223;en unerh&#246;rt&#8221;, dachte ich. Gelesen habe ich seitdem allerdings nicht wirklich darin.</p>
<p>Das liegt wohl daran, dass mir der Name Lindworsky, der das Buch vor 73 Jahren verfasst hat, nirgendwo sonst mehr unterkam. Tats&#228;chlich kennt heute niemand mehr Johannes Lindworsky (1875-1939), der als Professor der Psychologie an der deutschen Universit&#228;t Prag lehrte. Nicht einmal die Wikipedia. <!--more--></p>
<p>Dabei ist Lindworsky als Person durchaus interessant. Er hat bei dem Psychologen und Philosophen Oswald K&#252;lpe (1862-1915) in M&#252;nchen studiert, der seinerseits in Leipzig ein Sch&#252;ler von <a href="http://plato.stanford.edu/entries/wilhelm-wundt/" target="_blank">Wilhelm Wundt</a> gewesen ist. Au&#223;erdem wird K&#252;lpe, Gr&#252;nder der &#8220;W&#252;rzburger Schule&#8221; der sogenannten &#8220;Denkpsychologie&#8221;, mit dem seit 2004 ausgelobten <a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Oswald-K%C3%BClpe-Preis" target="_blank">Oswald-K&#252;lpe-Preis</a> geehrt. Den erhalten Wissenschaftler, die mit experimentellen Methoden h&#246;here geistige Prozesse erforschen. Lindworsky nun promovierte 1915 bei ebenjenem K&#252;lpe an der Ludwig-Maximilians-Universit&#228;t. Zum Thema hatte er sich, getreu der &#8220;W&#252;rzburger&#8221; Forschungsdoktrin, <em>Die Gestaltungsweisen des syllogistischen Denkens</em> gew&#228;hlt. 1923 folgte dann <em>Der Wille. Seine Erscheinung und seine Beherrschung. Nach den Ergebnissen der experimentellen Forschung</em>.</p>
<p>Zu diesem auf Selbstdisziplinierung hindeutenden Titel von 1923 passt, dass Lindworsky Jesuit gewesen ist. (1) Als Band IX einer katholischen, von dem Philosophen und Moraltheologen Theodor Steinb&#252;chel (1888-1949) im Bonner Peter Hanstein Verlag herausgegebenen Reihe erschien denn auch das <em>Das Seelenleben des Menschen</em>. Die Reihe bem&#252;ht sich darum, das anerkannte auch die zeitgen&#246;ssische Kritik, die katholisch-scholastische Tradition mit moderner Philosophie zu verbinden. Eine Sammelrezension im <a href="http://www.journalofphilosophy.org/" target="_blank"><em>Journal of Philosophy</em></a> (Vol. 34, Nr. 12, 1937, S. 330-332), die auch Hans Meyers <em>Das Wesen der Philosophie und die philosophischen Probleme</em> sowie eine <em>Einf&#252;hrung in die Erkenntnistheorie und Logik </em>von Joseph Engerts aus derselben Reihe vorstellt, erkl&#228;rt, leider, ausgerechnet Lindworskys Versuch zu dem am &#8220;wenigsten fruchtbaren&#8221;.</p>
<p>Das ungel&#246;ste Problem Lindworskys ist es vermutlich, auf nur 68 Seiten in Psychologie, Philosophie und Religion zugleich einf&#252;hren zu wollen und, nebenbei, auch noch alles in einer Gesamtdarstellung zu verbinden. Die <em>Vorbemerkung</em> gibt einen Eindruck dieses aus heutiger Sicht naiv zu nennenden Vorhabens. In den kompliziert m&#228;andernden S&#228;tzen, die Lindworskys Stil auszeichnen, hei&#223;t es:</p>
<blockquote><p>Die moderne Philosophie bem&#252;ht sich, Einzelwissenschaft, Fachwissenschaft zu werden. Somit verzichtet sie darauf, ihre Einzelergebnisse in eine Gesamtdarstellung der Philosophie, die vor allem die allgemeinsten, gr&#246;&#223;ten Linien einer Welt- und Lebensauffassung sammeln und sie begr&#252;nden will, aufgenommen zu sehen; um so lieber, wenn diese Einzelergebnisse doch nur als Exzerpt, schlie&#223;lich gar als Exzerpt eines Exzerpts erscheinen k&#246;nnen. Hingegen ist sie der Meinung, das Bild des menschlichen Seelenlebens, wie sie es jetzt auf Grund ihrer Forschungen entwerfen k&#246;nne, weiche nicht wenig von dem ab, das sich sowohl der Laie unserer Zeit wie auch (&#8230;) der Philosoph der Vorzeit gestaltet hat, und diese Abweichungen seien theoretisch wie praktisch bedeutsam. Darum ist es Aufgabe dieser Abteilung unseres Gesamtwerkes, jenes neue Bild des menschlichen Seelenlebens in groben Strichen zu zeichnen.</p></blockquote>
<p>Die Ann&#228;herung zwischen moderner und katholischer Philosophie (bzw. Psychologie), die Lindworsky versucht, ger&#228;t in der Folge zu einem St&#252;ckwerk, dessen Einzelepisoden zwischen mit r&#252;hrend-bem&#252;hter Didaktik vorgetragener Banalit&#228;t und komplett Unverst&#228;ndlichem changieren. So gibt es ein Kapitel zum &#8220;Erkenntnisleben&#8221;, zum &#8220;Kunsterleben und Kunstschaffen&#8221;, zum &#8220;F&#252;hlen des Menschen&#8221;, zum &#8220;menschlichen Willensleben&#8221; (womit Lindworsky nat&#252;rlich an seine Arbeit von 1923 anschlie&#223;t), zur &#8220;Religion&#8221;. Lindworsky geht weniger systematisch als vielmehr spekulativ und suggestiv zu Werke. So springt er von empirischen psychologischen Befunden zu metaphysischen Konsequenzen: Auf den Paragraphen &#252;ber &#8220;Reproduktion der Vorstellung: Physiologisches Ged&#228;chtnis&#8221; folgt der Paragraph &#8220;Metaphysische Folgerung: die Unsterblichkeit der Seele&#8221;. Und auf die Bemerkungen zu den &#8220;Leistungen des Denkens&#8221; folgen &#8220;Bemerkungen &#252;ber mystisches Erkennen&#8221;.</p>
<p>Lindworsky hat, auf diese Weise, in seinem Bestreben, der Verbindung der Disziplinen, leichtes Spiel: Denn wenn das, woran die Psychologie experimentell forscht, n&#228;mlich die Seele oder das &#8220;Seelenleben&#8221;, der metaphysischen Folgerung nach unsterblich ist, wird die Psychologie &#8211; voilà! &#8211; im Handumdrehen zu einer theologisch-metaphysischen Wissenschaft.</p>
<p>Recht r&#252;de geht es dann auf den letzten sechs Seiten zu, wenn Lindworsky &#252;ber die &#8220;Richtungen der Psychologie&#8221;, das hei&#223;t seine Kollegen herzieht. Der Behaviorismus beispielsweise sei nur entstanden, weil &#8220;die Amerikaner (&#8230;) sich nun sehr fr&#252;h f&#252;r die experimentelle Psychologie begeistert&#8221; und &#8220;sie in Deutschland studiert&#8221; hatten, &#8220;von wo sie auch die neuen Probleme und Methoden hin&#252;berbrachten&#8221;. &#8220;Allein infolge ihrer philosophischen Abh&#228;ngigkeit vom englischen Sensismus und infolge ihrer eigenen Mentalit&#228;t fanden sie sich mit dieser Methode auf dem Gebiet der der h&#246;heren Funktionen nicht zurecht.&#8221; Und zu allem &#220;berflu&#223; erfuhren sie &#8220;um dieselbe Zeit (&#8230;), da&#223; man in den Schulen der russischen Physiologen Bechterew und Pawlow neue wertvolle objektive Methoden der Beobachtung der Dr&#252;senreflexe einf&#252;hrte&#8221;. Aus diesen wilden Pauschalisierungen schlu&#223;folgert Lindworskys &#8212; aus heutiger Sicht ja nicht ganz falsch: Der Behaviorismus werde bald an der eigenen &#8220;An&#228;mie sterben&#8221;.</p>
<p>1934, als <em>Das Seelenleben des Menschen</em> erschien, war &#252;brigens auch das Jahr, in dem die Deutsche Universit&#228;t in Prag die historischen Universit&#228;tsinsignien der Karls-Universit&#228;t, unter Aufsicht des Schulministeriums, an die tschechische Universit&#228;t <a href="http://www.radio.cz/de/artikel/77230" target="_blank">&#252;bergeben</a> musste. Lindworsky verschied, 74j&#228;hrig, bereits f&#252;nf Jahre sp&#228;ter und noch bevor die deutschen Besatzer am 17. November 1939 s&#228;mtliche Hochschulen in Tschechien schlossen, die deutsche Universit&#228;t dem Schulministerium in Berlin unterstellten und zu einer Reichsuniversit&#228;t erkl&#228;rten.</p>
<p><small>(1) Herbert Oswald &#220;hlein: <em>Johannes Lindworsky. Ein Jesuit als Experimentalpsychologe</em>, Passau, 1987.</small></p>
<p><small>Johannes Lindworsky: Das Seelenleben des Menschen. Eine Einf&#252;hrung in die Psychologie, Bonn 1934, antiquarisch 6-8 €.</small></p>
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