Hegemann/Airen – Skandal oder normal?
Unter den vielen, vielen Beiträgen zu den Plagiatsvorwürfen gegenüber Helene Hegemann fand ich vor allem zwei Interviews interessant:
- Helene Hegeman im Interview bei Welt-Online
- „Strobo“-Verleger Frank Maleu im Interview bei Spreeblick
Beim Lesen sind mir zwei Sachen aufgefallen: Frank Maleu ist alles in allem sehr entspannt und würde gerne „die Kirche im Dorf lassen“. Und Hegemann verzieht sich nicht reuig in die Ecke, sondern verteidigt recht selbstbewusst, warum ihre Art, mit anderer Leute Texten umzugehen, für sie selbstverständlich ist (von der fehlenden Quellenangabe einmal abgesehen):
Wenn da die komplette Zeit über reininterpretiert wird, dass das, was ich geschrieben habe, so ein Stellvertreterroman für die Nullerjahre ist, muss auch anerkannt werden, dass der Entstehungsprozess mit diesem Jahrzehnt und den Vorgehensweisen dieses Jahrzehnts zu tun hat, also mit der Ablösung von diesem ganzen Urheberrechtsexzess durch das Recht zum Kopieren und zur Transformation.
Sollten die beiden Parteien das Thema ohne Anwalt, Textschwärzungen und böse Worte regeln, wäre das ein auffälliger Kontrast zur laufenden Urheberrechtsdebatte, wo manche am liebsten die Verwendung jedes Halbsatzes mit einem Aktenzeichen versehen würden.
Die Frage an die mitunter erstaunlich diskussionsfreudigen Goldleser: Ist der Fall Hegemann/Airen ein Skandal – oder eher ganz normal?
Fröhliches Diskutieren!


Wir leben in einer Zeit ohne Arbeit und ohne Arbeiter! Wohin man schaut, überall sind nur noch Dienstleister, Studenten und Arbeitslose. Die Fabrik, die Zeche, das Werk — wo gibt es sie noch? Längst schwächeln die Gewerkschaften und ist der Begriff des Proletariers zum Schimpfwort verkommen und hat seine einst revolutionäre Strahlkraft eingebüßt. Aber was ist mit dem Arbeiter? Und was mit seiner Literatur? Wo sind die 70er Jahre? Und wo sind die Wissenschaftler, die sie untersuchen? (Vergessen etwa Rüdiger Safranskis Dissertation Studien zur Entwicklung der Arbeiterliteratur in der Bundesrepublik!) Kurz: Wird es nicht Zeit für eine neue Arbeiterliteratur?
Hallo, du olle Postmoderne! Beim Lesen der
Am Wochenende in Berlin: der 17. open mike – Internationaler Wettbewerb junger deutschsprachiger Prosa und Lyrik. Die Teilnehmer: 21 Autorinnen und Autoren bis 35 Jahre, die noch keine eigene Buchpublikation vorweisen können. Ihr Ziel: den open mike und damit ihre Einlasskarte für den Literaturbetrieb zu gewinnen. Die Bedingung: In 15 Minuten die Jury (Ursula Krechel, Kathrin Röggla, Jens Sparschuh) und das Publikum von der eigenen literarischen und performerischen Qualität überzeugen. Live vor Ort: GOLD.
Wenn heute wieder ein Großteil der westlichen Welt dem heidnischen Brauch irischer Auswanderer nacheifert, der um 1830 in die USA gebracht wurde, wo er sich seither zum reinsten Konsumschlager entwickelt hat, wird es Zeit (zumal, wenn man selbst auf keine Halloween-Party eingeladen ist) für neue “Links gegen Herbstdepressionen”: “Links gegen Herbstdepressionen — noch mehr”!