Alle Beiträge in: „Sonst noch“

26 Jul

Mit Erinnerung die Gegenwart bekämpfen

Von Felix Lüttge


Seit gestern nicht mehr bei Arte+7, seit einer knappen Woche bei YouTube zu sehen: Die Dokumentation Romane made in New York. Die Post-9/11-Literatur, die hier gleichsam als Post-Lost-Generation-Literatur erscheint, kommt darin in Gestalt von fünf AutorInnen zu Wort. Jonathan Franzen, Rick Moodey, Nicole Krauss, Jonathan Safran Foer und Marisha Pessl werden, so die Programmankündigung, als Gefolgsleute Jay MacInerneys und Breat Gaston Ellis’ zur Tradition amerikanischer Literatur, zum Verhältnis von fact und fiction und natürlich zum 11. September befragt. Dass es um all diese Fragen selten geht, dass New York nur im Titel und als Kulisse vorkommt und dass eigentlich nur Jonathan Franzen etwas Interessantes zu sagen hat, sei als Korrekturhinweis wenigstens erwähnt. Aber zumindest Letzteres kann ja auch ganz heilsam sein.

27 Jan

Lesertypen: Der solitäre Leser

Von Felix Lüttge

Manche Menschen fragt man besser nicht, was sie gerade lesen. Julian Smith gehört definitiv dazu und liefert damit einen neuen Beitrag zu unserer Lesertypologie. Dem mobilen Leser steht er, scheint’s, näher als den – nur im Plural auftretenden – kollektiven Lesern. Zu letzteren bildet er eher den Antipoden.

Gefunden bei den Bloggern von OpenCulture, die  es vom New Yorker haben.

25 Jan

Betrübliche Zahlen

Von Hannes Bajohr

Die englischsprachige Welt hat einen Buchmarkt, so groß, dass einem schwindlig wird. Allein in den USA wurden 2008 275.232 Bücher veröffentlicht, mehr als irgendwo sonst. Mit 206.000 Publikationen kommt an zweiter Stelle Großbritannien, wobei hier wohl auch für den Export produziert wird; Deutschland steht erst auf Platz fünf mit vergleichsweise bescheidenen 96.000 Titeln. (Die faszinierende Statistik gibt es hier.)

Eigentlich genug, sollte man meinen, und eigentlich dürfte es kein Buch geben, dass ich mir nicht auf Englisch bestellen könnte. Weit gefehlt. Der Anteil von übersetzen Titeln beträgt ganze 3% des amerikanischen Buchmarkts. Drei. Das ist so wenig, dass sich das übersetzter Literatur gewidmete Portal Three Percent glatt nach diesem Misstand benannt hat. Und selbst diese magere, einstellige Ziffer ist auch noch fast gelogen. Denn: Den ganzen Beitrag lesen »

20 Dez

Literaturkurven

Von Felix Lüttge

Im letzten Jahr erschien bei Suhrkamp ein kleines Buch des Literaturwissenschaflters Franco Moretti. In Kurven, Karten, Stammbäume. Abstrakte Modelle für die Literaturgeschichte fordert er eine Literaturgeschichte, die nicht einzelne Werke in den Blick nimmt, sondern »die reale Vielfalt an literarischen Texten bewußt reduziert [...] und auf einer abstrakteren Ebene verhandelt«. Moretti nennt das Distant Reading und will die Literaturgeschichte methodisch und inhaltlich an die Sozialgeschichte annähern.

Als Moretti an seinem Buch schrieb (die amerikanische Originalausgabe erschien 2005), wusste er vermutlich noch gar nicht, was zeitgleich in den Google Labs ausgeheckt wurde. Eher nebenbei nämlich stellten die Entwickler letzte Woche Google ngram vor. Den ganzen Beitrag lesen »

22 Nov

Lesertypen: Die kollektiven Leser

Von Felix Lüttge

Die hier hatte Stanely Fish wahrscheinlich nicht im Sinn, als er den Begriff der interpretive communities erfand. Mit solchen Mutmachaktionen (“this book’s gonna be a good book”) wird in den USA jedenfalls versucht, Kindern das Lesen schmackhaft zu machen. Dass die Sängerin genauso klingt wie ihre Kollegin an einer anderen Schule soll uns nicht weiter stören. Wir haben ein anderes Problem mit der Aktion: Die lesen ja gar nicht!

11 Nov

Typo Talks

Von Felix Lüttge

Legendäre Filmdialoge als Typographie-Animation. Big Lebowski scheint so etwas wie der Klassiker der Typo-Filme zu sein. Ganz groß aber auch die szenischen Beschreibungen aus Star Wars:

Gefunden Im Blog von Andrian Kreye.

07 Nov

Lesertypen: Der mobile Leser

Von Felix Lüttge


Es gibt sie wirklich, diese Bücher, die man nicht aus der Hand legen kann, bis man sie ganz gelesen hat. Sie sind leider selten geworden. Dieser Umstand hat einen neuen Lesertypen geboren: Den Leser, der, wenn er so ein seltenes Buch erst mal in der Hand hält, sich von nichts in der Welt abbringen lässt, es bis zur letzten Seite zu lesen. In die Liste Mobilitätsleser gehören neben dem Herrn im Video der Busfahrer aus Portland, Oregon und sein Kindle sowie dieses Kunstwerk aus Buch, Kindle, Handy und Autobahn.

via OpenCulture

28 Okt

Tschick

Von Anne-Dore

Herrndorf CoverMan könnte – wenn man denn eine Literaturreferenz heranziehen wollte, was eigentlich nicht nötig ist – den Roman “Tschick” von Wolfgang Herrndorf den “Fänger im Roggen” des Sommers 2010 nennen. Das ist einfach große Schreibkunst, wie Herrndorf es schafft, den Leser (egal ob Mann, Frau, jung, alt oder uralt) in die Gedankenwelt eines Vierzehnjährigen hineinzuziehen. Ein Roadmovie aus Berlin Marzahn und Brandenburg, mit hellblauem Lada Niva, zwei Pubertierenden und dem uncoolen Soundtrack “Pour Adeline” – großartig, oder, wie der Protagonist Maik Klingenberg sagen würde: “endkomisch”.

Wenn man allerdings weiß, wie es um den Autor steht, ist es die traurigste Lektüre des Jahres. Nachzulesen in seinem Blog. Ein Blick in seine Schreibwerkstatt, eine Vorbereitung auf den Tod. Da fehlen einem die Worte.

09 Okt

Balkongespräche: Inger-Maria, ein Jahrzehnt später

Von Anne-Dore

Es war im letzten Jahrhundert, Inger-Maria Mahlke trug jedenfalls noch Pferdeschwanz. Wir waren noch nicht lange aus der Schule raus, Anfang 20 oder so, und wir trafen uns auf einer Schreibwerkstatt der Neuen Gesellschaft für Literatur. Tagelang saßen wir im Freizeiterholungsheim Wuhlheide herum, rauchten, redeten, tranken viel und schliefen wenig, es war herrlich. Danach schrieb ich darüber mein erstes, wirklich gedrucktes Artikelchen für eine Berliner Tageszeitung, es hatte den grauenhaften Titel “Die Schmerzen der ersten Kritik”. Ich hatte Inger-Maria dafür befragt. Sie ist und bleibt, so kann man das wohl sagen, damit meine allererste Zeitungsheldin:

(…) Die Lübeckerin Inger-Maria Mahlke war am Freitag Abend noch sehr unsicher, wie ihre Texte ankommen würden. „Bisher haben nur Freunde und Familie meine Sachen gesehen“, sagte die Politikstudentin der FU Berlin, „die finden eigentlich immer alles gut.“ Von den Gleichgesinnten erhoffte sie sich dagegen konstruktive Kritik. Positiv fand sie, dass sie keinen näher kannte: „Es ist bestimmt leichter, jemanden zu kritisieren, zu dem man keine enge Bindung hat. (…) Den ganzen Beitrag lesen »

04 Okt

Erlebnispark Neuere Deutsche Literatur

Von Felix Lüttge

Übermorgen beginnt die Frankfurter Buchmesse. Im Vorfeld beweist die Stadt Frankfurt am Main eine ganze Menge Humor. Sie hat den Titanic-Mitherausgeber Oliver Maria Schmitt beauftragt, Typisches aus der Stadt in kurzen Videos vorzustellen. Nach Clips über die Frankfurter Würstchen und die  Wasserhäuschen geht es nun um das alte Suhrkampgebäude. Das alles hat mit den sonst so bierernsten Selbstpräsentationen deutscher Städte natürlich wenig gemein.

(via @litaffin)