Alle Beiträge in: „Sonst noch“

28 Mai

Stand-Up und Tretboot

Von Florian

Alexander Langer über die Lust am Erzählen

Foto: Lucas TreiseDer Blick ernst, mindestens nachdenklich, voller Tiefe, nie ganz entspannt. Der Kopf füllt das Bild aus, ist manchmal ob der Schwere der Gedanken auf eine Hand gestützt oder leicht angeschrägt, als Geste des ständigen Zweifels. So sieht normalerweise das typische Autorenfoto aus.

Bei Alexander Langer nicht. Ein aktuelles Pressefoto zeigt ihn mitten auf der Straße stehend, im Hintergrund die Flucht der Gebäude, der Blick direkt, das Kinn herausfordernd nach vorn gereckt, neben ihm ein leuchtend weißer Sportwagen mit schwarzem Verdeck. Das will nicht so recht passen zum intellektuellen Habitus, der von vielen Schriftstellern gerne gepflegt und vom Publikum oft erwartet wird. Genauso wenig wie sein Beruf: Freizeitanimateur ist er, am Bodensee.

Ob das Ganze eine Art Gegenprogramm sei, will ich von ihm wissen. Den ganzen Beitrag lesen »

26 Mai

Das Ich als Bilderbeute

Von Elena

Thomas von Steinaecker holt das Bild in den Text

Foto: Joachim UnseldEin Bildabnehmer direkt im Hirn – das ist der diffus personale Erzähler, der die Figuren in Thomas von Steinaeckers Debütroman Wallner beginnt zu fliegen begleitet. Drei Generationen, drei Menschen, die sich auf ihrem Lebensweg in Illusionen verstricken: Der Mittelständler Stefan Wallner, der von seinem Kompagnon aus der gemeinsamen Landmaschinen-Firma gemobbt wird und sich in Wahnvorstellungen verliert; sein jugendlich als Popstar gecasteter Sohn Costin, der als  früh alternder Aufmerksamkeitsjunkie durch Reality- und Talkshows tingelt; und Wendy, von Costin mit einem One-Night-Groupie gezeugt, die als Gender-, Medien- und Postkolonialismusforscherin den akademischen Trends folgt. Wendy scheint „ihrer ganz persönlichen postadoleszenten Wendy-Welt“ zu entkommen, als sie in die Familienhistorie einsteigt und – im Jahr 2070 – ein Buch über die Wallners verfasst, das genauso beginnt wie Steinaeckers Roman: Mit dem Unfalltod ihres Urgroßvaters Günter.

Keine der Figuren hat ein nennenswertes Innenleben – und das ist Programm. Steinaeckers Thema ist die Auflösung der individuellen Handlungssouveränität. Nicht Gedanken, Emotionen oder Willensentscheidungen, sondern mediale Versatzstücke prägen die Persönlichkeit seiner Protagonisten. Alles Echte ist im post-authentischen 21. Jahrhundert in Vorgeformtem erstickt. Costin erscheinen Ereignisse oft wie Szenen aus einem Comic. Als er seine Tochter kennen lernt, spulen die beiden ein Gesten- und Sprachprogramm ab, das Annäherung simuliert. Sex ist in Wallner beginnt zu fliegen ebenso wie im Nachfolger Geister eine Körperübung, in der es pornographische Posen einzunehmen gilt. Den ganzen Beitrag lesen »

12 Mai

Lawrence Lessig am Freitag in Berlin

Von Florian

Lawrence Lessig, Creative-Commons-Gründer und Professor für Verfassungsrecht an der Stanford Law School, wird am Freitag im Rahmen einer Veranstaltung der Heinrich-Böll-Stiftung in den Sophiensaelen einen Vortrag halten: „Copyright Wars — Vergnügen und Unbehagen an der digitalen Kultur“.

Wer Lessig noch nicht kennt und zum Thema Urheberrecht und Internet etwas mehr erfahren möchte, als es der Großteil der aktuellen Feuilletondebatte hergibt, für den könnte die Veranstaltung sicherlich sehr gewinnbringend sein. Aus dem Ankündigungstext:

Derzeit vergeht kaum ein Tag, an dem nicht der Untergang des Abendlandes beschworen wird. […] Dabei liegen schon längst pragmatische Vorschläge auf dem Tisch, wie die gewandelten Konsumptions- und Produktionsbedingungen im Internet durch neue Verkehrsformen abgebildet werden könnten. Prof. Lawrence Lessig, Gründer der Creative-Commons-Initiative und Vordenker der Urheberrechtsevolution, versucht in einer Spezialausgabe der Reihe SPIELSTAND, die amerikanischen Erfahrungen mit den Copyright Wars für die europäische Debatte nutzbar zu machen.

Freitag, 15.05.09, 19 bis 21h, Sophiensaele

via

02 Mai

Kurzgeschichte von J.G. Ballard bei Guardian.co.uk

Von Florian

Der Guardian veröffentlichte vor ein paar Tagen eine weitgehend unbekannte Kurzgeschichte des kürzlich verstorbenen James Graham Ballard: The Dying Fall. Gut 13 Tsd. Zeichen, nachzulesen auf der Guardian-Website.

Three years have passed since the collapse of the Tower of Pisa…

(via)

24 Apr

Nur ein Eindruck

Von Florian

Beim Überfliegen von Zeitungsartikeln aus dem Themenkomplex, “Urheberrecht”, “Piratebay”, “Google”, usw. kommt es mir so vor, als seien die dort vertretenen Meinungen typische “Verlegermeinungen”. Ich meine damit eine Haltung, die Rücksicht nimmt auf das Geschäftsmodell des eigenen Mediums, eben jene Belange, die ich eigentlich als eine Sache des Verlegers, nicht so sehr des einzelnen Journalisten sehen würde. Natürlich ist es nachvollziehbar, dass auch dem Journalisten daran gelegen ist, dass der Laden, in dem er sitzt, auch wirtschaftlich einigermaßen läuft. Aber ist das primär sein Auftrag? Den ganzen Beitrag lesen »

19 Apr

JG Ballard, 1930-2009

Von Florian

Man muss mitunter recht lange Bestellzeiten in Kauf nehmen, wenn man in Deutschland an die Romane des Briten James Graham Ballard kommen will. Wer sie in der deutschen Übersetzung lesen möchte, muss sich mit einer gebrauchten Ausgabe zufrieden geben, da hierzulande zur Zeit kein einziger Roman von ihm aufgelegt wird. Immerhin sind seine Short Stories in zwei Sammelbänden (Die Stimmen der Zeit / Vom Leben und Tod Gottes) bei Heyne zu bekommen. Sein deutscher Biograph Joachim Körber nannte ihn einen “Visionär des Phantastischen”. Ich bin sicher, es gäbe noch eine Menge anderer treffender Bezeichnungen, aber sicherlich keine knappe, knackige, auf die er sich reduzieren ließe. Heute früh ist er, offenbar nach langer Krankheit, gestorben.

16 Apr

Bücher die weit rumgekommen sind (ohne sie zu lesen)

Von Günne

In ein paar Wochen fahr ich in Urlaub. So weit so uninteressant. Aber die Frage ist doch: Was nehme ich mit zum lesen? Das soll jetzt kein Post werden über Bücher, die ich mir oder der Welt empfehle sondern hier geht es um Bücher, die ich mir oder der Welt empfohlen habe und die ich auch brav in den Urlaub mitgenommen habe, die ich dann aber doch doof fand und nicht gelesen habe. Bücher also, die weit rumgekommen sind und wirklich was erlebt haben, die aber nicht gelesen wurden. Den ganzen Beitrag lesen »

14 Apr

LAN 09. Drei Tage junge Literatur und Musik.

Von Florian

Es wird höchste Zeit, hier endlich mal auf das zweite LAN-Festival hinzuweisen. Noch knapp sechs Wochen sind es bis zum letzten Mai-Wochenende. Wie schon vor zwei Jahren treten an drei Tagen 18 Autoren ans Podium und eine gute Handvoll Musiker auf die Bühne. Mehr Informationen gibt es auf der neuen LAN-Website und außerdem demnächst bei Goldmag. Wir freuen uns, dass wir dieses Jahr, zusammen mit Kook, wieder als Veranstalter dabei sind.

12 Apr

Frohe Ostern!

Von Anne-Dore

Hat sich vielleicht irgend jemand gefragt, wo die vielen Duracell-Hasen abgeblieben sind?

01 Apr

Statusmeldung

Von Günne

Ich lese zur Zeit gerade mal nix. Also gar nichts. Keinen Roman, kein Fachbuch, keine Zeitung. Komischer und interessanter Zustand.
Wenn das noch ein paar Tage so geht… Ich weiß eben nicht. Muss ich mir dann Sorgen machen?