
Was wurde im Vorfeld gemunkelt und gezetert. Wie viele Argumente fielen den Frankfurt-Fans nicht ein: Tradition, Kultur, man solle sich nicht so modischen Trends beugen usw. Florian Illies, bekanntermaßen ein Freund der Provinz, besserwusste in der ZEIT, “warum Berlin keine neue Heimat für den Suhrkamp Verlag sein kann”. Völliger Quatsch. Denn es gibt doch keinen besseren Zeitpunkt als jetzt, da Frankfurt von seinen maroden Banken nach unten gezogen wird, dieses sinkende Schiff zu verlassen (s. Grafik). Jetzt, so scheint es, wo das goldene Kalb des Casino-Kapitalismus entzaubert und vom Sockel gestoßen ist, kann Berlin, ohne Börse, nur mit Schulden, auf einmal wieder glänzen.
Gut, Suhrkamp wird Frankfurt nicht komplett den Rücken kehren, und in Berlin hatte der Verlag auch vorher schon eine repräsentative Dependance. Aber mal abgesehen von den guten Argumenten, die tatsächlich für Berlin sprechen, und die Ulla Unseld-Berkéwicz heute im FAZ-Interview nochmal Revue passieren lässt, gibt’s jetzt erstmal Grund zur Freude. Bittesehr, ungebrochen und lokalpatriotisch! Benjamin! Scholem! Brecht! Weiss! — allet alte Berliner! Kommen die jetze nich alle wieder nach Hause? Janz klar: die Stadt wird joldener.
Zeichnung: Nikolai Preuschoff. Zu sehen sind (von links nach rechts): Nelly Sachs, Samuel Beckett, Peter Weiss, Hermann Hesse, Walter Benjamin, Thomas Bernhard, Theodor W. Adorno