Es gibt Leute, die gehen wirklich fahrlässig mit ihren Sachen um. Sie lassen ihr Fahrrad unangeschlossen vor dem Bäcker stehen, ihren Koffer unbeaufsichtigt am anderen Ende des Zugabteils oder ihr Notebook unangeschlossen in der Bibliothek. Meistens haben sie dann unerhörtes Glück, und es wird ihnen tatsächlich überhaupt nie etwas gestohlen.Es sind Leute, die gewissermaßen an das Gute im Menschen glauben. Eine Bekannte von mir zum Beispiel fuhr monatelang mit ihrem alten Fahrrad durch Berlin, ohne es jemals anzuschließen. Sie hatte lediglich einen Zettel angebracht, auf dem stand: „Bitte nicht klauen, ich habe kein Geld für ein Schloss”. Und es hat funktioniert.
Trotzdem gehören die meisten Menschen wohl zu den Normalvorsichtigen. Sie schließen ihr Fahrrad ab, achten auf ihren Koffer in der Bahn und haben ihr Notebook immer unter der Achsel klemmen. Eventuell haben sie auch eine Haftpflichtversicherung. Oder sie haben irgendwo noch eine Hausratsversicherung, beziehungsweise denken sie das, und wenn dann doch mal eingebrochen oder das Fahrrad vorm Bäcker oder das Notebook in der Bibliothek gestohlen wird – was in Berlin ja häufiger vorkommt – ist die Versicherung leider unnütz oder abgelaufen.
Dann ärgern sich die Normalvorsichtigen, und das mit Recht: schließlich waren sie ja nicht absolut unvorsichtig. Sie hatten ja eine Versicherung. Oder sie waren ja nur zwei Minuten beim Bäcker oder den Müll runterbringen oder auf dem Klo in der Bibliothek. Aber das bisschen Vorsicht hat leider nichts genützt und das Schicksal mit voller Wucht auf die Achillesferse geschlagen. Weshalb sie im Grunde genommen auch gleich total unvorsichtig hätten sein können.
Aber man muss deshalb nicht zwangsläufig zum total Unvorsichtigen werden. Es gibt ja noch die Übervorsichtigen. Die, die das Böse sozusagen hinter jeder Bäckerei und in jedem Zugabteil wittern. Einige sind so vorsichtig, weil bei ihnen mal eingebrochen worden ist, als sie noch klein waren. Andere sind ganz grundsätzlich paranoid. Diese Menschen jedenfalls schließen ihre Wohnungstür mehrmals von innen ab. Sie bringen ein oder zwei zusätzliche Schlösser an. Sie haben Versicherungen, Alarmanlagen, bergeweise Sicherheitskopien auf dem Dachboden, im Keller und bei ihren Eltern. Und sie haben Überwachungskameras montiert, im Flur und auf dem Balkon im ersten Stock.
Ein anderer Bekannter wollte seine kaputte Waschmaschine loswerden. Ohne viel Aufhebens zu machen, stellte er sie am helllichten Tag vor seine Haustür. Auch er befestigte einen Zettel, auf dem stand: „Bitte stehen lassen – ich ziehe um”. Innerhalb von fünf Minuten war die Waschmaschine verschwunden. Auch das hat funktioniert.