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		<title>dick flicks</title>
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		<pubDate>Fri, 03 Sep 2010 07:46:57 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Felix Lüttge</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literarische Dinge]]></category>
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		<description><![CDATA[<div class="tw_button" style=""><a href="http://twitter.com/share?url=http%3A%2F%2Fwww.goldmag.de%2F2010%2F09%2Fdick-flicks%2F&amp;text=dick+flicks&amp;lang=de&amp;count=horizontal" style="" class="twitter-share-button">Tweet</a></div>
<p>Wir schalten jetzt Werbung. Zum Beispiel f&#252;r AT&amp;T, das amerikanische Pendant zu T-Mobile (<em>sc.</em> Knebeltarifanbieter von iPhone-Vertr&#228;gen). Und nat&#252;rlich f&#252;r dieses Buch, von dem man leider immer wieder sagen muss, dass es <em>kein</em> Kinderbuch ist. Sondern, siehe unten, ganz gro&#223;es Kino.</p>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="425" height="344" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowscriptaccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube-nocookie.com/v/MXu8MO7JkvA?fs=1&amp;hl=de_DE&amp;rel=0" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="425" height="344" src="http://www.youtube-nocookie.com/v/MXu8MO7JkvA?fs=1&amp;hl=de_DE&amp;rel=0" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
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		<title>Listige Sprachen?</title>
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		<pubDate>Fri, 27 Aug 2010 22:48:52 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hannes Bajohr</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sonst noch]]></category>

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		<description><![CDATA[<div class="tw_button" style=""><a href="http://twitter.com/share?url=http%3A%2F%2Fwww.goldmag.de%2F2010%2F08%2Flistige-sprachen%2F&amp;text=Listige+Sprachen%3F&amp;lang=de&amp;count=horizontal" style="" class="twitter-share-button">Tweet</a></div>
<p><a href="http://www.goldmag.de/wp-content/uploads/Sprachen_der_Welt.png"><img src="http://www.goldmag.de/wp-content/uploads/Sprachen_der_Welt-150x150.png" alt="" title="Sprachen_der_Welt" width="150" height="150" class="alignleft size-thumbnail wp-image-3970" /></a><a href="http://www.nytimes.com/2010/08/29/magazine/29language-t.html?_r=1" target="_blank">Does Your Language Shape How You Think?</a> In einem sehr sch&#246;nen Artikel versucht das New York Times Magazine in seiner letzten Ausgabe diese Frage zu beantworten und kommt zu interessanten Ergebnissen. Unsere Auffassungen von Geschlecht, Zeit, sogar von Orientierung werden durch den Rahmen der Sprache gepr&#228;gt, in dem wir diese Dinge das erste Mal erfahren. Der Autor, komischerweise ein Guy Deutscher, meint nicht, dass unsere (Landes-)Sprache unser Denken determiniert – schlie&#223;lich k&#246;nnen wir genauso Konzepte verstehen, f&#252;r die es im Deutschen kein Wort gibt, wie wir die eine Zeitform durch eine andere ausdr&#252;cken k&#246;nnen. Deshalb gibt es Fremdw&#246;rter und deshalb irritiert es niemanden, wenn ich sage: »Ich besuche dich morgen.« Aber auch wenn wir alle die Beschr&#228;nkungen unserer Sprachen umgehen k&#246;nnen, sorgen diese doch daf&#252;r, dass sich unsere Sicht der Welt in gewissen Bahnen bewegt.<br />
<!--more--><br />
Deutscher zitiert dabei aber zwei Studien, deren Ergebnisse mich m&#228;chtig irritieren. Dort wurden Deutsche, Franzosen und Spanier gebeten, unbelebten Gegenst&#228;nden m&#228;nnliche oder weibliche Eigenschaften zuzuweisen. Tats&#228;chlich beurteilten die Probanden die Gegenst&#228;nden entsprechend ihres grammatischen Geschlechts: Die Deutschen fanden <em>die</em> Br&#252;cke elegant und weiblich, die Spanier <em>el</em> puente kraftvoll und m&#228;nnlich. Darauf zieht Deutscher (und wahrscheinlich auch die Studien) den Schluss, dass wir Sprecher solcher Sprachen mit Generaobjekten von Kindesbeinen an in einer ganz sch&#246;n wilden Welt voller m&#228;nnlicher und weiblicher Sachen leben, w&#228;hrend der arme Brite in einer »einfarbigen W&#252;ste voller ›its‹ gefangen ist.« Haben diese Zuweisungen einen Einfluss auf unser Verhalten? Deutscher kann sich nicht ganz dazu durchringen, das rundheraus zu behaupten, legt es aber nahe: »It would be surprising if they didn’t.«</p>
<p>Ich habe mit amerikanischen Bekannen gelegentlich dar&#252;ber gestritten, ob die deutsche Sprache weniger oder mehr sexistisch ist als die englische. Wenn man im Englischen sagt (das ist das Beispiel im Text): »I spent yesterday evening with a neighbor«, dann wei&#223; man nicht, welches Geschlecht diese/r Nachbar/in hat – anders als im Deutschen oder Franz&#246;sischen. Das stimmt. Allerdings hei&#223;t das noch nicht, dass das Englische besonders genderneutral ist und sich einfach fein mit der Zuweisung von Geschlechtern zur&#252;ckh&#228;lt. Denn stellt man sich wirklich, solange man keine weiteren Informationen hat, jemanden eine Person als geschlechtslos vor? »Das Nachbar«, bis auf weiteres? Oder gibt es nicht eher ein »default gender«, ein Standardgeschlecht, das man, unbewusst vielleicht, im Sinn hat? Beim Nachbarn mag das noch nicht so auffallen. Aber was ist mit: »Yesterday, I went to the doctor’s«; »the boss fired me«; »the university&#8217;s president gave a speech«? Ist da das Deutsche nicht neutraler, weil klarer, und das Englische – sexistischer, weil es Rollenbilder listig hinter Neutra versteckt? </p>
<p>Aber nat&#252;rlich gibt es das im Deutschen auch. Etwa, wenn ich sage »Frau M&#252;ller ist mein Nachbar« oder »die Kongressteilnehmer sind Germanisten« (auch, wenn Frauen darunter sind). Man nennt das »generisches Maskulinum«: Der Genus (grammatisches Geschlecht) sticht den Sexus (nat&#252;rliches Geschlecht) aus. Das ist tats&#228;chlich sexistisch (eindeutig im ersten Fall, im zweiten weniger, aber immer noch). Die Sache ist nur: Im Deutschen haben wir die Wahl. Deshalb auch die ganze Aufregung um Binnen-Is und allgemeines Durchgegendere. Wir k&#246;nnen uns aussuchen, ob wir wert darauf legen, Geschlecht deutlich zu machen, oder nicht. (&#220;brigens ein gutes Beispiel f&#252;r das versteckte Geschlecht im Englischen ist die Tatsache, dass es auch dort Versuche gibt, Sprache genderneutraler zu machen: Statt »he« oder »she« hei&#223;t es dann »<a href="http://en.wikipedia.org/wiki/Singular_they" target="_blank">they</a>«, was manchmal zu &#228;hnlich merkw&#252;rdigen Satzstellungen f&#252;hrt, wie das Gendern im Deutschen Texte vor lauter Schr&#228;gstrichen unlesbar macht.) </p>
<p>Nat&#252;rlich ist Deutscher sehr daf&#252;r, die eigene Sprache nicht als Gef&#228;ngnis anzusehen, wie das jahrzehntelang immer wieder am Beispiel der Indianersprachen, die nicht zwischen Subjekten und Verben unterscheiden, getan wurde. Trotzdem scheint er zu meinen, dass Sprachen Neigungen haben, die uns weniger bewusst sind als uns lieb sein sollte. Das ist sicher etwas dran – aber bin ich der (oder die) Einzige, der sich unwohl beim Gedanken f&#252;hlt, das sollte so sein? </p>
<p><em>Bild: <a href="http://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Datei:Sprachen_der_Welt.png&#038;filetimestamp=20060717100830">Wikipedia</a>, Lizenz: <a href="http://commons.wikimedia.org/wiki/GNU_FDL">GNU FDL</a></em></p>
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		<title>Fuck Me, Ray Bradbury</title>
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		<pubDate>Wed, 18 Aug 2010 10:56:36 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Felix Lüttge</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sonst noch]]></category>

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		<description><![CDATA[<div class="tw_button" style=""><a href="http://twitter.com/share?url=http%3A%2F%2Fwww.goldmag.de%2F2010%2F08%2Ffuck-me-ray-bradbury%2F&amp;text=Fuck+Me%2C+Ray+Bradbury&amp;lang=de&amp;count=horizontal" style="" class="twitter-share-button">Tweet</a></div>
<p><object classid="clsid:d27cdb6e-ae6d-11cf-96b8-444553540000" width="425" height="344" codebase="http://download.macromedia.com/pub/shockwave/cabs/flash/swflash.cab#version=6,0,40,0"><param name="allowFullScreen" value="true" /><param name="allowScriptAccess" value="always" /><param name="src" value="http://www.youtube.com/v/e1IxOS4VzKM&amp;color1=0xb1b1b1&amp;color2=0xd0d0d0&amp;hl=de_DE&amp;feature=player_embedded&amp;fs=1" /><param name="allowfullscreen" value="true" /><embed type="application/x-shockwave-flash" width="425" height="344" src="http://www.youtube.com/v/e1IxOS4VzKM&amp;color1=0xb1b1b1&amp;color2=0xd0d0d0&amp;hl=de_DE&amp;feature=player_embedded&amp;fs=1" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true"></embed></object></p>
<p>Parodie darf fast alles und deshalb auch College-Rock. Wie <a href="http://www.youtube.com/watch?v=RfsOrUT1dLM" target="_blank">The Androids</a> einst Madonna den j&#252;ngeren Popsternchen vorzogen, will nun die New Yorker Komikerin <a href="http://www.ucbcomedy.com/talent/view/1584/rachel-bloom" target="_blank">Rachel Bloom</a> von niemand anderem als Ray Bradbury, »the greates Sci-Fi-Writer in history« und Autor von Farenheit 451, etwas wissen. Von dem daf&#252;r richtig.</p>
<p>Vielleicht br&#228;uchten wir in Deutschland auch eine attraktive Humoristin, die so einen Song f&#252;r G&#252;nter Grass aufnimmt. <a href="http://www.sueddeutsche.de/kultur/rezension-des-neuen-grass-weil-eitler-ehrgeiz-juckt-1.989403" target="_blank">Der m&#252;sste sich die Liebeserkl&#228;rungen dann nicht mehr selber schreiben</a>.</p>
<p>Edit: Gro&#223;artig auch die Ohrfeige gegen Kurt Vonnegut bei 2:27.</p>
<p>via <a href="http://www.gefuehlskonserve.de/rachel-bloom-fuck-me-ray-bradbury-18082010.html" target="_blank">Gef&#252;hlskonserve</a>/@<a href="http://twitter.com/literaturcafe/status/21479217145" target="_blank">literaturcafe/</a>@<a href="http://twitter.com/cripple_me/statuses/21478269293" target="_blank">cripple_me</a></p>
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		<title>B&#252;cher vs. Zigaretten</title>
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		<pubDate>Sat, 14 Aug 2010 11:57:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Felix Lüttge</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literarische Dinge]]></category>
		<category><![CDATA[Bücher]]></category>
		<category><![CDATA[Bier]]></category>
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		<category><![CDATA[George Orwell]]></category>
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		<description><![CDATA[<div class="tw_button" style=""><a href="http://twitter.com/share?url=http%3A%2F%2Fwww.goldmag.de%2F2010%2F08%2Fbuecher-vs-zigaretten%2F&amp;text=B%C3%BCcher+vs.+Zigaretten&amp;lang=de&amp;count=horizontal" style="" class="twitter-share-button">Tweet</a></div>
<p><a href="http://www.goldmag.de/wp-content/uploads/books-vs.-cigarettes.jpg"><img class="alignnone size-full wp-image-3903" title="books-vs.-cigarettes" src="http://www.goldmag.de/wp-content/uploads/books-vs.-cigarettes.jpg" alt="" width="420" height="316" /></a>Der Monat ist erst zur H&#228;lfte rum und das Geld schon wieder weg. Eltern oder gewitzte Nichtraucherfreunde raten dann h&#228;misch, mit dem Rauchen aufzuh&#246;ren, das k&#228;me einen nicht nur billiger, sondern sei obendrein gesund.  Mitbewohner oder die anderen Freunde, die zwar rauchen, aber nicht viel lesen, schlagen &#8211; &#228;hnlich h&#228;misch &#8211; vor, man solle weniger B&#252;cher kaufen, das k&#228;me einen nicht nur billiger, sondern spare obendrein viel Arbeit beim n&#228;chsten Umzug. Mal angenommen, man entschlie&#223;e sich nun, einen dieser Ratschl&#228;ge zu befolgen: Welcher spart wirklich mehr Geld?<!--more--></p>
<p>Bei der Entscheidungsfindung hilft George Orwell. Der hat 1946 im <em>Tribune</em> einen kleinen Essay mit dem Titel <em>Books v. Cigarettes</em> geschrieben, in dem er die &#214;konomien des Lesen und des Rauchens miteinander vergleicht. Seinen humanistischen Zeigefinger, der &#252;ber den K&#246;pfen der Fabrikarbeiter schwingt, die zwar einige Pfund f&#252;r einen Tagesausflug nach Blackpool, aber keine zw&#246;lf Pence f&#252;r ein Buch ausgeben wollen, sparen wir uns hier und rechnen einfach mal, seinem Beispiel folgend, nach.</p>
<p>Die B&#252;cher, die Orwell z&#228;hlt und einrechnet, sind die in seiner Wohnung. Ungef&#228;hr die gleiche Menge hat er anderswo gelagert, er will also das Ergebnis seiner Rechnung verdoppeln, um seine ganzen Ausgaben zu erhalten. Orwell berechnet nur die B&#252;cher, die er freiwillig gekauft hat oder gekauft h&#228;tte. Belegexemplare, v&#246;llig zerfledderte Ausgaben, billige Taschenb&#252;cher, Pamphlete oder Magazine l&#228;sst er raus. Auch alte Schulb&#252;cher und &#228;hnliche Textsammlungen, die in dunklen Schrankecken vergammeln, bleiben bei der Rechnung au&#223;en vor. &#220;brig bleiben 442 zu berechnende B&#252;cher in folgender Aufstellung:</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.goldmag.de/wp-content/uploads/t-1.jpg"><img class="size-full wp-image-3897 aligncenter" title="t-1" src="http://www.goldmag.de/wp-content/uploads/t-1.jpg" alt="" width="300" height="153" /></a></p>
<p>Gekaufte B&#252;cher berechnet Orwell mit dem vollen Kaufpreis. Gleiches gilt f&#252;r geschenkte, geliehene und nie zur&#252;ckgegeben B&#252;cher, die er aufrechnet mit solchen, die er selbst verschenkt, verliehen oder nie zur&#252;ckbekommen hat. Rezensions- und Gratisexemplaren misst Orwell den halben Preis zu, denn so hoch sch&#228;tzt er ihren antiquarischen Wert. Und wenn &#252;berhaupt, h&#228;tte er diese B&#252;cher gebraucht gekauft.</p>
<p>Mit gelegentlich gesch&#228;tzten Summen kommt er damit auf folgende Positionen (»s.« steht dabei f&#252;r Shilling (= 12 pence) und »d« f&#252;r Pence):</p>
<p><a href="http://www.goldmag.de/wp-content/uploads/t-21.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-3916" title="t-2" src="http://www.goldmag.de/wp-content/uploads/t-21.jpg" alt="" width="300" height="228" /></a></p>
<p>Seine eingelagerten B&#252;cher gleich berechnet und addiert, kommt Orwell am Ende auf ein Buchverm&#246;gen von ca. £165 15s. bei ca. 900 B&#252;chern. Er veranschlagt 15 Jahre f&#252;r das Sammeln dieser B&#252;cher und errechnet so ein Mittel von £11 und 1s. pro Jahr. Als exzessiver Zeitungsleser, der Orwell ist, addiert er £8 pro Jahr f&#252;r mehrere Zeitungsabonnements und weitere £6 f&#252;r B&#252;cher, die er j&#228;hrlich kauft, aber verliert oder aus anderen Gr&#252;nden nicht berechnen kann. Ungef&#228;hr £25 sind es schlussendlich, die George Orwell von 1931 bis 1946 im Schnitt im Jahr f&#252;rs Lesen ausgibt.</p>
<p>F&#252;r Tabak und ein Bier pro Tag berechnet Orwell £40 j&#228;hrlich, was wohl auch mengenm&#228;&#223;ig eine ganze Menge ist, aber v&#246;llig im Durchschnitt des englischen Alkohol- und Tabakkonsums der 1940er Jahre liegt.</p>
<p>Man kann Orwells Rechnung auch heute machen, nur m&#252;ssen darin geringe Ver&#228;nderungen vorgenommen werden. Die Buchzahl wird halbiert, wir rechnen mit 442 B&#252;chern, denn den Luxus, dieselbe Menge nochmals an einem anderen Ort zu verwahren, d&#252;rften sich die wenigsten Leser leisten k&#246;nnen. Die Buchpreise m&#252;ssen ebenfalls angeglichen werden. F&#252;r neue B&#252;cher wird hier ein Durchschnittspreis von 13 Euro angenommen, f&#252;r antiquarische ein Preis von 6 Euro. Rezensionsexemplare bekommen viel zu wenige, wir lassen sie deshalb weg. Auch rechnen wir nur mit einem Zeitungsabonnement, das, angelehnt an das Studentenabo einer gro&#223;en deutschen Tageszeitung, bei ca. 5,40 Euro pro Woche liegt.</p>
<p>Das ergibt die Rechnung</p>
<p><a href="http://www.goldmag.de/wp-content/uploads/t-3.jpg"><img class="aligncenter size-full wp-image-3899" title="t-3" src="http://www.goldmag.de/wp-content/uploads/t-3.jpg" alt="" width="300" height="143" /></a></p>
<p>Das Zeitungsabo (280 Euro/Jahr) addiert, liest man in 15 Jahren f&#252;r ungef&#228;hr 8 969 Euro (Was noch g&#252;nstig gerechnet ist. Wer studiert schon 15 Jahr lang?), das sind j&#228;hrlich im Schnitt ca. 598 Euro, die man f&#252;r Buchstaben auf Papier ausgibt.</p>
<p>Die Zigarettenrechnung geht schneller. Wir l&#252;gen uns selbst in die Tasche und behaupten, eine halbe Schachtel am Tag zu rauchen, die uns jedes Mal 4,60 Euro kostet. Das macht nicht ganz 183 Schachteln im Jahr und somit 841,80 Euro f&#252;r Tabak. Die Sache ist eigentlich schon entschieden. Der Vollst&#228;ndigkeit halber addieren wir aber noch den deutschen Durchschnittsbierkonsum der, <a href="http://www.main-netz.de/nachrichten/vermischtes/dpa/vermischtes/art7123,1157368" target="_blank">wie eine Studie k&#252;rzlich feststellte</a>, bei 500 Flaschen pro Jahr liegt. Den halben Liter kann man in einer Berliner Kneipe mit einem Preis von 3 Euro veranschlagen, was 1 500 Euro Jahresausgaben f&#252;r Bier ergibt.</p>
<p>Noch einmal in aller Deutlichkeit:</p>
<p>Jahresausgaben f&#252;r Vielleser: 598 Euro</p>
<p>Jahresausgaben f&#252;r Raucher: 841,80 Euro</p>
<p>Jahresausgaben f&#252;r Trinker: 1 500 Euro</p>
<p>Wir kommen also zum selben Ergebnis wie George Orwell. Lesen ist das billigste Vergn&#252;gen.</p>
<p><small>Foto: <a href="http://www.flickr.com/photos/cell105/" target="_blank">cell105</a></small></p>
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		<title>Victorian Fight Club</title>
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		<pubDate>Sat, 07 Aug 2010 08:56:35 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Felix Lüttge</dc:creator>
				<category><![CDATA[Sonst noch]]></category>

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		<description><![CDATA[<div class="tw_button" style=""><a href="http://twitter.com/share?url=http%3A%2F%2Fwww.goldmag.de%2F2010%2F08%2Fvictorian-fight-club%2F&amp;text=Victorian+Fight+Club&amp;lang=de&amp;count=horizontal" style="" class="twitter-share-button">Tweet</a></div>
<p>Es ist ja immer so eine Sache mit dem Verwursten von Dingen, die man anderswo gelesen hat. Aber manchmal kann man einfach nichts daf&#252;r, dass jemand anders schneller war. Oder es passt einfach so gut. Also los!</p>
<p><em>We were no longer good society </em>hei&#223;t der Fake-Trailer, den Emily Janice Card und Keith Paugh gedreht haben. Wie schon bei den <a title="“It is a truth universally acknowledged that a zombie in possession of brains must be in want of more brains.”" href="http://www.goldmag.de/2009/12/it-is-a-truth-universally-acknowledged-that-a-zombie-in-possession-of-brains-must-be-in-want-of-more-brains/">Zombie-Mash-Ups</a> der Jane-Austin-Verfilmungen musste Austins Roman <em>Stolz und Vorurteil</em> (1813) f&#252;r die Kreativit&#228;t der jungen Wilden herhalten. Dieses Mal wird&#8217;s mit David Finchers <em><span style="font-style: normal;">Fight Club </span></em>vermengt, ein bisschen politisches Bewusstsein dazu und dann ist es die Gewalt, die die jungen Frauen aus dem viktorianischen Phlegma befreit, das die »good society« f&#252;r sie vorgesehen hat.</p>
<p><object width="425" height="344"><param name="movie" value="http://www.youtube.com/v/r2PM0om2El8&amp;hl=de_DE&amp;fs=1?rel=0"></param><param name="allowFullScreen" value="true"></param><param name="allowscriptaccess" value="always"></param><embed src="http://www.youtube.com/v/r2PM0om2El8&amp;hl=de_DE&amp;fs=1?rel=0" type="application/x-shockwave-flash" allowscriptaccess="always" allowfullscreen="true" width="425" height="344"></embed></object></p>
<p>Bei <a href="http://jezebel.com/" target="_blank">Jezebel</a> kommt&#8217;s an. »THIS NEEDS TO BE REAL RIGHT NOW. I&#8217;M WAITING« hei&#223;t es unter dem Video in den Kommentaren.</p>
<p>via <a href="http://www.taz.de/1/netz/netzkultur/artikel/1/blut-auf-der-bluse/" target="_blank">taz</a> / <a href="http://jezebel.com/5595473/welcome-to-jane-austens-fight-club" target="_blank">Jezebel</a></p>
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		<title>Brandenburger Fliegens&#228;ulenkr&#252;ppel</title>
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		<pubDate>Mon, 02 Aug 2010 15:20:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Hannes Bajohr</dc:creator>
				<category><![CDATA[Stadt aus Gold]]></category>

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		<description><![CDATA[<div class="tw_button" style=""><a href="http://twitter.com/share?url=http%3A%2F%2Fwww.goldmag.de%2F2010%2F08%2Fbrandenburger-fliegensaeulenkrueppel%2F&amp;text=Brandenburger+Fliegens%C3%A4ulenkr%C3%BCppel&amp;lang=de&amp;count=horizontal" style="" class="twitter-share-button">Tweet</a></div>
<p><img alt=""  src="http://www.stadtbahn-blog.de/wp-content/gallery/stadtbahn_blog_de_anti-scratch-kratzschutz-u2/Anti-Scratch-Kratzschutz-U2_1128.JPG" class="alignnone" width="440" height="330" />Es gibt Dinge, deren Vorhandensein man glaubt als einziger Mensch auf der Welt entdeckt zu haben, bis man sich die M&#252;he macht, mal wen anders darauf anzusprechen. Dann merkt man schnell, dass man eben nicht der einzige war, der es bemerkt hat, sondern vielmehr einer unter vielen, die glaubten, die einzigen zu sein. <!--more--></p>
<p>Ein Beispiel sind die <em><a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Mouches_volantes" target="_blank">Mouches volantes</a></em> (»fliegende Fliegen«) genannten »Bazillen«, die man manchmal auf seinem Auge wahrnimmt, wenn man ins Licht schaut: Wie Gei&#223;eltierchen huschen sie dem Blick fort und ziehen langsam die Netzhaut entlang. Weil sie einem so nah sind, sozusagen <em>in</em> einem selbst, kommt man erst sp&#228;t dazu, andere zu diesem Ph&#228;nomen zu befragen. Tut mans, dann ist man nicht mehr der einzige und freut sich entweder &#252;ber die unverhoffte Kameradschaft oder ist betr&#252;bt, die Erfahrung teilen zu m&#252;ssen. </p>
<p>Nicht ganz so nah, also auf der Netzhaut (aber fast) ist ein anderes vor dem Auge Flimmerndes, das mich jetzt bestimmt schon seit zwei Jahren sehr viel mehr &#228;rgert, als so ein paar eingebildete Fliegen. Es ist die sogenannte »Anti-Scratching-Foil«, die auf den Fenstern der Berlin U-Bahnen angebracht ist. Scratching, lieber unurbaner Leser, ist in diesem Fall keine Schallplattenkunst, sondern die Freizeitt&#228;tigkeit verschiedentlich Gelangweilter, mit einem Glasschneider oder den roten, Nothammer genannten, f&#252;r Havarief&#228;lle vorbehaltenen Glaszertr&#252;mmerungswerkzeugen aus Bussen die Fenster von Bahnen mit Tags zu versehen. »<a href="http://de.wikipedia.org/wiki/Scratchiti" target="_blank">Scratchiti</a>« hei&#223;t das laut Wikipedia, was ich ihr nicht glaube. Jedenfalls ist das Ganze strafbar nach § 303 und § 304 StGB und die Ersetzung kostet eine Menge Geld, weshalb die BVG dazu &#252;bergegangen ist, Schutzfolien auf die Fenster aufzukleben, so dass nicht mehr das Glas, sondern nur noch die Folie ersetzt werden muss. </p>
<p>Weil aber auch die BVG etwas auf sich h&#228;lt und eine Grafikabteilung hat, wurden die Folien per Aufdruck versch&#246;nert. Zur WM waren es, viele erinnern sich, Fu&#223;b&#228;lle. Die n&#228;chste Generation zierten Brandenburger Tore. Womit wir endlich beim Punkt w&#228;ren. Sieht man nun beim U-Bahn-Fahren aus dem Fenster, schweben einem wie Fliegen stets die Tore vor der Fresse rum. Was nicht weiter schlimm w&#228;re, beg&#228;nne man sich nicht in die grafische Gestaltung des abgebildeten Objektes zu vertiefen. Dann n&#228;mlich f&#228;llt einem auf, dass die Grafikabteilung der BVG wohl doch eher aus dem sechzehnj&#228;hrigen Sohn des Direktors zu bestehen scheint, jedenfalls &#252;ber keinerlei Ahnung von Perspektive verf&#252;gt. Von den sechs S&#228;ulen des Brandenburger Tores sind sage und schreibe vier falsch gezeichnet: Am schlimmsten bei der zweiten S&#228;ule von links (siehen oben), aber auch die beiden mittleren S&#228;ulen, deren Unterkanten eigentlich nur aus einer graden Linie bestehen m&#252;ssten, wurden grotesk und eklatant schief gemalt. </p>
<p>Schlimm dabei ist vor allem, dass es nicht nur um ein Tor geht, sondern um Myriaden davon: Denn pro Fenster sind etwa 30 dieser Tore aufgeklebt; eine Bahn des Typs HK-06 hat 24 Fenster (die auch beklebten T&#252;ren nicht mitgez&#228;hlt), was bei nur einer einzigen Bahn 2880 falsche S&#228;ulen macht! Hochgerechnet auf die 1288 Fahrzeuge der BVG macht das 3.709.440 perspektivisch mi&#223;gebildete Pfeiler, woraufhin man sich erstmal setzen muss.</p>
<p>Die Sache nun ist, dass ich immer der Meinung war, diese Inkongruenz sei nur mir aufgefallen. Was nat&#252;rlich nicht stimmte. Aber als ich dar&#252;ber neulich mit einer Bekannten sprach, in einer dieser Bahnen sitzend, war mir, als w&#252;rde ich ein gut geh&#252;tetes Geheimwissen teilen &#8211; eben wie das der Augentierchen, das eigentlich jedem bekannt sein d&#252;rfte. Wir jedenfalls nickten uns wissend einander zu und blickten weiter durch die mit Brandenburger Fliegens&#228;ulenkr&#252;ppeln vor Vandalismus gesch&#252;tzten Scheiben, von denen unsere Mitreisenden vielleicht alles, vielleicht aber auch nichts wussten. </p>
<p><em>Bild via: <a href="http://www.stadtbahn-blog.de/2008-11/anti-scratching-folien-in-der-u2-typ-hk" target="_blank">stadtbahn-blog</a></em></p>
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		<title>Ransmayrs Reisen</title>
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		<pubDate>Sun, 18 Jul 2010 03:08:56 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Elena</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literaturbetrieb]]></category>
		<category><![CDATA[Rezensionen]]></category>

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<p><strong>Peter Szondi-Vortrag 2010 &#8211; Christoph Ransmayr schultert in „Atlas eines &#228;ngstlichen Mannes“ die Welt</strong></p>
<p><a href="http://www.goldmag.de/wp-content/uploads/atlas_wuestenfux_pixelio.jpg"><img class="size-full wp-image-3856   alignleft" title="Atlas und die B&#252;cherwelt" src="http://www.goldmag.de/wp-content/uploads/348144_R_B_by_wuestenfux_pixelio_kleinhochklein.jpg" alt="" width="126" height="221" /></a></p>
<p>Die Welt ist f&#252;r Christoph Ransmayr eine unendliche Anh&#228;ufung von Geschichten. Zwischen (Ant)Arktis und &#196;quator findet der &#246;sterreichische Autor den Stoff f&#252;r seine Prosaminiaturen, die er im “Atlas eines &#228;ngstlichen Mannes” gesammelt hat. “Bilder der Welt” nennt Ransmayr die Episoden, deren Reihenfolge immer neu zusammengesch&#252;ttelt werden kann. Mit einer Lesung aus dem noch unver&#246;ffentlichten Manuskript bestritt der 56-J&#228;hrige den Peter Szondi-Vortrag 2010 an der Freien Universit&#228;t Berlin. <!--more--></p>
<p>Jede der Geschichten im Atlas beginnt mit der Formel “Ich sah&#8230;”, die den radikal subjektiven Blick des Erz&#228;hlenden markiert. Einen einsamen Golfer am Nordpol stellt Ransmayr den Zuh&#246;rern in eineinhalb Stunden ebenso vor wie eine US-amerikanische Christensekte, die in New Mexico jeden Karfreitag eines ihrer Mitglieder kreuzigt – falls es den Cops nicht gelingt, sie davon abzuhalten. Ransmayrs Reisen f&#252;hren ihn an die Fl&#252;sse Indiens, zur Buckelwal-Beobachtung siebzig Seemeilen vor die Dominikanische Republik, zum Stierkampf nach Sevilla.</p>
<p>Unz&#228;hlige Episoden, beobachtend herausgetrennt aus dem Gewebe der Welt. Der Blick des Erz&#228;hlenden schweift ab. Authentisch und unmittelbar wirkt dadurch das Geschilderte. Verfolgt der Erz&#228;hler in Indien anfangs noch den Kampf zweier Hunde, wird er einen Moment sp&#228;ter vom Anglergl&#252;ck eines kleinen M&#228;dchens abgelenkt. Als er sich wieder den Tieren zuwenden will, sind sie verschwunden. Die F&#252;lle des Geschehens &#252;berfordert, der allm&#228;chtige Erz&#228;hler ist Vergangenheit.</p>
<p>Mit einer zweiten, gegenl&#228;ufigen Textbewegung schafft der Autor einen weiteren Abstand zum unmittelbaren Geschehen: Der als subjektiv inszenierte Blick wird durch Faktenrecherche und Fachtermini objektiviert. Wenn der Erz&#228;hler die rituelle indische Totenverbrennung beschreibt &#8211; das Aufplatzen der Ged&#228;rme, das Absprengen der Gliedma&#223;en &#8211; steigert sich der Text in einen Furor der Details, der das Gesehene im Nachhinein pr&#228;zisiert und &#252;berformt erscheinen l&#228;sst. Der Atlas wird so auch zum Lehrbuch.</p>
<p>Neben Beobachtung und Beschreibung tritt im “Atlas eines &#228;ngstlichen Mannes” auch die Bewertung. Ransmayr schildert einen Tauchgang nahe der dominikanischen Silver Bank. Die “wei&#223;en Wolkenf&#228;uste der Tropen” korrespondieren mit der “schneeigen Gischt”, der Erz&#228;hler wird zum epischen Heros, wenn er um sich “f&#252;nf schnorchelnde Schwimmer, meine Gef&#228;hrten” wei&#223;. Statt einer Schlacht hat der Held eine Begegnung mit ‘dem Anderen’ zu bestehen: Neben ihm taucht eine Walkuh zum Luftholen auf.</p>
<p>In den Augen des gigantischen S&#228;ugetiers, das dem auf der Wasseroberfl&#228;che treibenden Winzling mit einer kaum merklichen Bewegung ausweicht, meint die Autorfigur eine “tiefe Gleichg&#252;ltigkeit” zu erkennen. Sie vermittelt ihm das “Gef&#252;hl, ich m&#252;sste mich aufl&#246;sen”. Dem&#252;tig erkennt er, dass die Welt auch ohne ihn vollst&#228;ndig ist. Das Subjekt ist verzichtbar. So bricht bei Ransmayr das Zentrum zusammen, von dem das Erz&#228;hlen ausgeht &#8211; und paradoxerweise ist dem Interpretierenden die Welt genau in diesem Moment vollst&#228;ndig verf&#252;gbar. Es ist noch immer das Textsubjekt selbst, das seine Verzichtbarkeit behauptet. Eine souver&#228;ne Geste der Entmachtung.</p>
<p>Der Erz&#228;hler, &#252;berforderter Chronist und kosmische Randerscheinung, schultert seine unbew&#228;ltigbare Aufgabe wie der Titan Atlas das Gewicht der Welt. Vielleicht l&#228;dt er sich dabei manches Mal zu viel auf. Wer eine Corrida in Sevilla beschreibt, misst sich mit einem literarischen Vorg&#228;nger wie Hemingway. Ransmayr, um die originelle Perspektive auf einen kulturellen Topos bem&#252;ht, findet Erwartbares. Er konstruiert auch hier wieder eine Konfrontation zwischen Mensch und Tier, die er effektvoll auf dem H&#246;hepunkt abbricht: Der Stier, “unaufhaltsam”, rennt ein letztes Mal gegen den berittenen Rejoneador an, der die Lanze zum Todessto&#223; erhoben h&#228;lt.</p>
<p>Vor das Bild schiebt sich, fast penetrant, immer wieder die Erz&#228;hlerstimme. Sie imaginiert f&#252;r den Bullen ein “friedvolles Dasein auf den Weiden seiner Herkunft” und seziert die strenge, t&#228;nzerischen Regeln gehorchende Todesarbeit des Torero, bis f&#252;r die Vorstellungskraft des Zuh&#246;renden kaum mehr Raum ist. Alles ist ausbuchstabiert, die hermeneutische Arbeit wir dem Lesenden abgenommen.</p>
<p>Ber&#252;hrend hingegen ist die Prosaminiatur &#252;ber den Insassen einer Irrenanstalt in Griechenland, der vielleicht verr&#252;ckt, vielleicht aber auch ein Opfer der Milit&#228;rdiktatur ist, das die Junta im Hospital verschwinden lie&#223;. Der Mann schreit, wimmert, lallt in unverst&#228;ndlichen Lauten und verstummt in einem offenbar genau festgelegten Rhythmus, dessen Gestaltungsregeln dem Erz&#228;hler verborgen bleiben. Das befremdliche Ritual ist der kleine, komprimierte Rest Leben, den sich der Gefangene bewahrt.</p>
<p>&#220;bersetzt hat sich die Isolierung des Individuums auch in eine k&#246;rperliche Bewegung: Der Gefangene sitzt in einer kleinen Schatteninsel. Fast automatisch rutscht er dem Schatten nach, der Sonne ausweichend und ihr zugleich gehorchend wie der Zeiger einer Sonnenuhr. Immer n&#228;her r&#252;ckt er so an das Geb&#228;ude der Heilanstalt heran, bis sein Schattenfleck mit dem Dunkel um den Bau herum verschmilzt. Entsetzt hebt das verst&#246;rte Wesen zu schreien an, schreit unaufh&#246;rlich, bis zwei Pfleger es ins Geb&#228;udeinnere schleifen. Der Erz&#228;hler kann nur vermuten: Der Gefangene hat den eigenen Schatten verloren, “f&#252;hlte sich in Ewigkeit gefangen”. Dem zerscherbten Individuum mag nun “alles f&#252;r immer”, ausweglos erscheinen.</p>
<p>Hier findet Ransmayr eine Ebene, die das Erlebte zwischen Sehen und Verstehen in der Schwebe h&#228;lt. Der Verlust der Identit&#228;t wird in ein eindringliches Bild gebannt, vorsichtig und einf&#252;hlsam umkreist. Dieser Mensch ist nicht interpretierbar, seine radikal subjektive Geschichte will sich nicht mitteilen. Die Schilderung ist von staunenswerter Komplexit&#228;t, hallt lange nach. Abseits der g&#228;ngigen Reiseziele findet sich das Unerh&#246;rte, der unbekannte Text. Davon, so w&#252;nscht man sich, soll der ‘&#228;ngstliche Mann’ beherzt noch viel, viel mehr auflesen.</p>
<p><em>Bild: © wuestenfux / PIXELIO</em></p>
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		<title>Dichten mit Google?</title>
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		<pubDate>Sat, 17 Jul 2010 15:59:21 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikolai Preuschoff</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literarische Dinge]]></category>
		<category><![CDATA[Sonst noch]]></category>
		<category><![CDATA[Apps]]></category>
		<category><![CDATA[Google]]></category>
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		<category><![CDATA[lyrik]]></category>

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<p>was sagte</p>
<p>was sagte anelka<br />
was sagte anelka zu seinem trainer<br />
was sagte anelka zu domenech<br />
was sagte nicolas anelka<br />
was sagte materazzi zu zidane<br />
was sagte rene zu daniel<br />
was sagte horst k&#246;hler<br />
was sagte k&#246;hler<br />
was sagte anelka in der kabine<br />
was sagte der franzose zum trainer</p>
<p>*</p>
<p>Dieses Gedicht war heute eine echte Entdeckung f&#252;r mich. Es gef&#228;llt mir sehr gut. Es ist ein Fussball-, ein WM-Gedicht, voller Tragik, Verzweiflung, gro&#223;er Gef&#252;hle und Aktualit&#228;t. Man k&#246;nnte es auch &#8220;Fragen eines zweifelnden Fans&#8221; nennen, z. B. Es hat einen eigenen Rhythmus. Genial ist, wie beil&#228;ufig, spielerisch die Politik in die Welt des Sports hineingebracht wird (&#8220;was sagte horst k&#246;hler / was sagte k&#246;hler&#8221;).</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.goldmag.de/wp-content/uploads/Dichten-mit-Google-2010-07-17-I.png"><img class="size-full wp-image-3798 aligncenter" title="Dichten mit Google 2010-07-17 &quot;Was sagte…&quot;" src="http://www.goldmag.de/wp-content/uploads/Dichten-mit-Google-2010-07-17-I.png" alt="" width="421" height="346" /></a></p>
<p>Das Gedicht ist sozusagen von Google. Generiert aus Suchanfragen, die Google beim Eintippen der eigenen dann vorschl&#228;gt. Die Frage des Urheberrechts stellt sich hier nat&#252;rlich ganz neu. A propos Urheberrecht: Auf d<span style="text-decoration: line-through;">D</span>ie  Idee, auf diese Weise Verse zu generieren, <span style="text-decoration: line-through;">stammt von</span> brachte mich Matthew Simmons, der am gestrigen Freitag einen  &#228;hnlichen Versuch unter der &#220;berschrift <a href="http://htmlgiant.com/author-news/a-friday-poem/" target="_blank"><em>&#8220;A Friday Poem?&#8221;</em></a> bei den Htmlgiants vorstellte. <!--more--></p>
<p>Und hier noch ein sehr sch&#246;nes (von mir bzw. Google):</p>
<p>wie nennt man</p>
<p>wie nennt man eine schlecht brennende lampe in der umgangssprache<br />
wie nennt man pferde die schiffe vom ufer aus mit einer leine ziehen<br />
wie nennt man eine selbst geschriebene lebensgeschichte<br />
wie nennt man die einwohner von ghana<br />
wie nennt man das abrupte stoppen aus dem galopp<br />
wie nennt man den regierungschef die regierungschefin in sachsen<br />
wie nennt man den &#252;bergang vom pferder&#252;cken zum pferdeschweif<br />
wie nennt man das karpalgelenk noch<br />
wie nennt man die ureinwohner amerikas<br />
wie nennt man die einwohner von honduras</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.goldmag.de/wp-content/uploads/Dichten-mit-Google-2010-07-17-II.png"><img class="size-full wp-image-3799 aligncenter" title="Dichten mit Google  2010-07-17 &quot;Wie nennt man…&quot;" src="http://www.goldmag.de/wp-content/uploads/Dichten-mit-Google-2010-07-17-II.png" alt="" width="421" height="306" /></a></p>
<p>Und zum Abschluss noch ein romantisches Gedicht, das zwar orthografisch etwas fehlerhaft ist, aber in ersch&#252;tternder Weise ein paar gro&#223;e Fragen aufwirft. (Absurd, wenn man &#252;berlegt, was die Leute so glauben, was Google alles beantworten k&#246;nne.)</p>
<p>wie sagt man</p>
<p>wie sagt man noch<br />
wie sagt man was<br />
wie sagt man noch de<br />
wie sagt man doch<br />
wie sagt man anders<br />
wie sagt man einer frau dass man sie liebt<br />
wie sagt man einem jungen das man ihn liebt<br />
wie sagt man nochmal<br />
wie sagt man danke<br />
wie sagt man jemanden dass man ihn liebt</p>
<p style="text-align: center;"><a href="http://www.goldmag.de/wp-content/uploads/Dichten-mit-Google-2010-07-17-III.png"><img class="size-full wp-image-3800 aligncenter" title="Dichten mit Google  2010-07-17 &quot;Wie sagt man…&quot;" src="http://www.goldmag.de/wp-content/uploads/Dichten-mit-Google-2010-07-17-III.png" alt="" width="421" height="317" /></a></p>
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		<title>Neues vom B&#252;cherturm</title>
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		<pubDate>Thu, 01 Jul 2010 12:51:43 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Nikolai Preuschoff</dc:creator>
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<p>Aus der Reihe: B&#252;cher im Digitalen Zeitalter</p>
<p><a href="http://www.goldmag.de/wp-content/uploads/1006-Buecherturm-P1130656.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-3766" title="1006 Buecherturm P1130656" src="http://www.goldmag.de/wp-content/uploads/1006-Buecherturm-P1130656.jpg" alt="" width="412" height="555" /></a></p>
<p>Wie versprochen bringt <em>goldmag</em> exklusive Neuigkeiten vom B&#252;cherturm, der in der Kreuzberger Graefestra&#223;e vor dem Antiquariat <a href="http://www.zvab.com/profile/10967u.jsp" target="_blank">Umbras  Kuriosit&#228;tenkabinett</a> der Witterung ausgesetzt ist. Aufnahmen von Februar und M&#228;rz dieses Jahres sind weiterhin <a href="http://www.goldmag.de/2010/03/buecherturm/" target="_blank">hier</a> zu begutachten.</p>
<p><a href="http://www.goldmag.de/wp-content/uploads/1006-P1130660.jpg"><img class="alignleft size-full wp-image-3767" title="1006 Buecherturm Ende Juni" src="http://www.goldmag.de/wp-content/uploads/1006-P1130660.jpg" alt="" width="245" height="324" /></a></p>
<p>Inzwischen ist es gr&#252;n geworden um den B&#252;cherturm. Ranken ziehen sich an den Buchr&#252;cken hinauf, und die Baumkrone spendet jetzt Schatten, wodurch m&#246;gliche Sch&#228;den durch das dieser Tage stark einfallende Sonnenlicht verringert werden. Dennoch zeichnen sich auch die Verfallsspuren immer deutlicher ab: Alle B&#252;cher sind von Feuchtigkeit mehr oder weniger aufgedunsen. Die Deckel der mittig ausgestellten Folianten w&#246;lben sich und fallen ab. Schwarzer Schimmel ist an vielen Schnittkanten deutlich auszumachen. <em>goldmag</em> fragt: Wie ernst ist die Lage der B&#252;cher?</p>
<p>&#220;berhaupt nicht ernst, das ist die gute Nachricht: Der Turm steht weiterhin sicher auf seinem Zementsockel, die B&#252;cher halten zusammen.</p>
<p><small>Fotos: N. Preuschoff</small></p>
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		<title>Es reimt ein Mann in Wimbledon</title>
		<link>http://www.goldmag.de/2010/06/es-reimt-ein-mann-in-wimbledon/</link>
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		<pubDate>Tue, 22 Jun 2010 16:32:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Felix Lüttge</dc:creator>
				<category><![CDATA[Literarische Dinge]]></category>
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		<category><![CDATA[tennis]]></category>
		<category><![CDATA[wimbledon]]></category>

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		<description><![CDATA[<div class="tw_button" style=""><a href="http://twitter.com/share?url=http%3A%2F%2Fwww.goldmag.de%2F2010%2F06%2Fes-reimt-ein-mann-in-wimbledon%2F&amp;text=Es+reimt+ein+Mann+in+Wimbledon&amp;lang=de&amp;count=horizontal" style="" class="twitter-share-button">Tweet</a></div>
<p>&#220;ber James Joyce sagte man, er sei ein gro&#223;er Fan des Sports gewesen. Auch von Samuel Beckett wei&#223; man das, er spielte recht passabel Cricket. Beide haben dann aber lieber mit dem Dichten angefangen. &#220;brigens hat Beckett niemals und Joyce nur am Rande &#252;ber Sport geschrieben.</p>
<p>Intensiver verbindet <a href="http://www.mattharvey.co.uk/" target="_blank">Matt Harvey</a> die Disziplinen und schreibt seit gestern und bis zum 4. Juli jeden Tag ein Gedicht &#252;ber das Tennisturnier in Wimbledon. Die <em>S&#252;ddeutsche Zeitung </em>hat Harvey interviewt, der, wie man in der heutigen Ausgabe lesen kann, auch schon &#252;ber Liebe, Teebeutel, Tomaten und Nacktheit gereimt hat und jetzt offizieller Wimbledon-Poet ist. Auf ›Wimbledon‹, sagt Harvey, reime sich ›simpleton‹, »wenn man es weich ausspricht.« Mit ›Roger Federer‹ sei das schwieriger, f&#252;r ihn, den Profi, aber kein Problem. Reimproblemen begegnet Harvey abgebr&#252;ht: »Es ist nicht unbedingt n&#246;tig, dass ich einen Reim finde. Wenn nicht, pack ich den Namen in die Mitte einer Gedichtzeile, das geht auch.« Und er ist obendrein ein Kenner der modernen Lyrik, scheint aber kein Freund davon zu sein: »Viele moderne Gedichte reimen sich heute ja gar nicht mehr, aber ich bin da ein bisschen altmodisch.« Au&#223;erdem reimt er, ganz in der Tradition der viktorianischen Schriftsteller, lieber &#252;ber die einfachen Leute beim Turnier als &#252;ber die Tennisprofis. Susanne Klaiber, die Harvey interviewt hat, entlockt ihm denn auch die ersten beiden Verse eines Gedichtes &#252;ber Balljungen:</p>
<blockquote><p>Tact-enabled procedure perfecters<br />
Designer labeled towel collectors</p></blockquote>
<p>Daf&#252;r musste Klaiber &#252;brigens Harveys Agentin &#252;berreden, denn die wollte erst nur eine Zeile zur Ver&#246;ffentlichung freigeben. Aber dann w&#228;re ja der Reim dahin gewesen.</p>
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