31 Dez
Von Nikolai Preuschoff
Das Material, das Wolfgang Hermann in seinem dünnen Prosaband vor dem Leser ausbreitet, ist, glaubt man der kursivgesetzte Vorrede, bereits in den späten Achtzigern, im alten Westberlin entstanden. Heute, gut zwanzig Jahre und einen Staatspreis für Literatur später, gibt der Autor seine frühen literarischen “Versuche” (so der Untertitel) nun im kleinen österreichischen Limbus-Verlag heraus. Willkommener Anlass dürfte der kaum jüngere Jahrestag des Mauerfalls gewesen sein. Den unterschiedlichen Texten nimmt man ihr frühes Entstehungsdatum durchaus ab. Die lose in Kapiteln geordneten Prosaminiaturen, -fragmente, dazu ein “Gedicht” und ein abschließender “Brief aus einer Winterstadt”, bilden keineswegs eine formale Einheit. Was damals schlicht unfertig liegen geblieben sein mag, wird nun Programm: Der Stadt kann man nicht habhaft werden, sie nicht begreifen, deshalb müssen wir uns mit Annäherungen und Fragmenten begnügen. Getragen werden sie von einer verbindenden, melancholischen Stimmung. Einer, möchte man fast sagen, typischen Achtzigerjahre-Innerlichkeit. Mal überzeugt sie und mal gerät sie etwas überzeichnet. Man muss sich wohl — gerade als Berliner! — auf diese subjektiv-melancholischen Bilder und das mitunter surrealistische Pathos einlassen Den ganzen Beitrag lesen »
31.12.09, 17:12 | Kommentar abgeben »
28 Dez
Von Hannes Bajohr
equilibrium /iːkwɪˈlɪbɹɪəm/ n., pl.equilibria /iːkwɪˈlɪbɹɪə/ or equilibriums Gleichgewicht, das
Ein Hinweis für das in mentaler wie physischer Hinsicht das Gleichgewicht sehr herausfordernde Zwischen-den-Jahren: translationparty.com. Die alleinige Bestimmung dieser Seite besteht darin, in feinster Zen-Manier so lange einen einmal eingegebenen englischen Satz ins japanische und wieder zurück zu übertragen, bis beide Sprachen in ein Übersetzungsgleichgewicht eintreten. Dieser Zustand zeichnet sich dadurch aus, dass der sonst so gewalttätige und verstümmelnde Prozess der Übersetzung keinen Schaden mehr anzurichten im Stande ist, das Englische wie das Japanische einander entsprechen, und semantische Harmonie wie konnotative Windstille endlich für Ruhe im Karton sorgen. Den ganzen Beitrag lesen »
28.12.09, 02:12 | 1 Kommentar »
14 Dez
Von Nikolai Preuschoff
Wir leben in einer Zeit ohne Arbeit und ohne Arbeiter! Wohin man schaut, überall sind nur noch Dienstleister, Studenten und Arbeitslose. Die Fabrik, die Zeche, das Werk — wo gibt es sie noch? Längst schwächeln die Gewerkschaften und ist der Begriff des Proletariers zum Schimpfwort verkommen und hat seine einst revolutionäre Strahlkraft eingebüßt. Aber was ist mit dem Arbeiter? Und was mit seiner Literatur? Wo sind die 70er Jahre? Und wo sind die Wissenschaftler, die sie untersuchen? (Vergessen etwa Rüdiger Safranskis Dissertation Studien zur Entwicklung der Arbeiterliteratur in der Bundesrepublik!) Kurz: Wird es nicht Zeit für eine neue Arbeiterliteratur?
Ja, hat die Arbeiterliteratur nicht gerade heute, wo sie frei des Verdachts ist, eine politisch oktroyierte zu sein, eine neue Chance verdient? Gerade weil die ‘echte’ Arbeit heute eine Seltenheit geworden ist? Weil es den ‘echten’ Arbeiter, die ‘echte’ Arbeiterin nicht mehr gibt? Und verkörperte er/sie nicht als einzige(r) glaubhaft den “Kleinen Mann”? Wo ist die Stimme des Kleinen Mannes? Wer arbeitet heute noch mit den eigenen Händen? Wer hat noch Dreck unter den Nägeln? Wer noch Ruß Den ganzen Beitrag lesen »
14.12.09, 22:12 | 32 Kommentare »
11 Dez
Von Hannes Bajohr
Hallo, du olle Postmoderne! Beim Lesen der “9th Annual Years In Ideas” der New York Times – die Ideen des immer noch nicht ganz verflossenen Jahres würdigt, wie die zukunftsweisende Batterie aus Papier oder den nur für PeTA-freie Nachbarschaften tauglichen Glow-In-The-Dark-Dog – traf ich auf ein Phänomen, das mir beim Vorbeigehen an einem Schaufenster eines englischsprachigen Buchladens schon einmal ein verwirrtes Runzeln auf die Stirne trieb: B-Movie-Jane-Austen-Mash-Ups. Dabei scheint es sich, so vermutet die Times, um einen Marketingtrick der die Napster-Panik der frühen Nullerjahre in der eigenen Sparte durchlaufende Buchbranche zu handeln: Man nehme einen Jane-Austen-Roman, der, so das Klischee, eher von Frauen (und da wohl auch eher in Filmform) goutiert wird, und vermische ihn (früher hieß das Cut-Up, dann irgendwann Mash-Up) mit dem laut Statistik eher männerdominierten Genre des Zombie-Splatter-Gore-Formats und mache hernach einen Reibach. Den ganzen Beitrag lesen »
11.12.09, 19:12 | 4 Kommentare »
28 Nov
Von Nikolai Preuschoff

In New York, so berichtet der BLDG-Blog, wird der Platz für Gold langsam knapp. Da sich der Gold-Preis in den letzten zehn Jahren vervierfacht habe, kaufen die Leute immer mehr der Edelmetall-Barren und horten sie — und zwar in solchen Mengen, dass der Speicherplatz in den Tresorräumen jetzt offenbar an seine Grenzen geraten ist. Von “Flotten gepanzerter Lastwagen”, berichtete das Wall Street Journal, die mit Goldbarren und Münzen beladen Midtown Manhattan verließen. Die Bank HSBC habe beschlossen, die Barren der Kleinanleger zu verlegen, um Platz für große institutionelle Kunden zu machen. Aber leichter gesagt als getan! Eine derartige Aktion, so die First Post, könne leicht in eine “militärische Operation” ausarten. “I have never seen any relocation like this,” soll der Direktor der Edelmetall-Handelsgesellschaft FideliTrade gesagt haben Den ganzen Beitrag lesen »
28.11.09, 20:11 | 4 Kommentare »
23 Nov
Von Günne
Herta Müller liest heute ab 20:00 Uhr in Tübingen, und diese Lesung wird live im Internet übertragen.
Weitere Infos: http://www.osiander.de
(via lesekreis)
23.11.09, 16:11 | Kommentar abgeben »
22 Nov
Von Nikolai Preuschoff
Es ist ja allen klar, dass es in den USA mal wieder schneller abläuft. Und dass der Fortschritt mal wieder mit 1-2 Jahren Verspätung in Europa und dann noch später in Deutschland ankommen wird. Hier nämlich wird erstmal oberkritisch alles beäugt, bis man sich dann auch endlich traut. Das war ja schon immer so. Mit den Video-Kassetten. Mit den Comics. Mit den Mobiltelefonen. Mit den Social Networking-Plattformen. Und jetzt halt mit den E-Books. Zu allem Überfluss haben wir ja noch den Buchdruck erfunden, deshalb werden wir sie noch später bekommen. Aber egal. Irgendwann sind die E-Bücher da, und dann gewöhnen sich plötzlich alle daran, und viele werden ihre ollen, vergilbten Bücher auf den Kompost werfen. Oder halt beim nächsten Umzug auf der Straße stehen lassen.
Alle wissen auch, dass dann so was ähnliches passieren wird, wie mit den Schallplatten: Irgendwann wird es ein Buchdruck-Revival geben, und die Zahl der Gedrucktbuchliebhaber wird wieder zunehmen. Kleine Independent-Verlage werden aus dem Boden schießen und alte, verrostete Druckerpressen vom Schrottplatz holen, wieder flott machen und damit bibliophile Ausgaben im Tiefdruck-Verfahren ins handgeschöpfte Papier prägen, und die Seiten wird man seitlich aufschneiden müssen, um sie lesen zu können. Es wird wieder sein wie früher, nur irgendwie elitärer, luxuriöser und nosthalgischer.

Was dann aber verschwunden sein wird, oder nur noch bei einer Handvoll Sammlern die Runde macht, ist eine Kategorie Buch, der heute kaum jemand Beachtung schenkt: das Buch mit alten Notizen darin. Ein besonderes Beispiel hält der Blogger Nick O’Leary schon jetzt bereit: eine Ausgabe des Spionage-Thrillers Den ganzen Beitrag lesen »
22.11.09, 16:11 | 6 Kommentare »
18 Nov
Von Marijke

Bücher aus dem hochroth Verlag kauft man am besten abends
Die schlanken Büchlein, auf deren schwarzen Covern durch einen ausgestanzten Kreis das Logo des hochroth Verlags zu sehen ist, haben Wiedererkennungswert – die meisten der Autorennamen sind eher unbekannt. Der junge Verlag, der im Oktober 2008 von Marco Beckendorf (27, Regionalwissenschaftler) gegründet wurde, hat sich Zweierlei zum Ziel gesetzt. Nachdem große Verlage ihre Lyrikreihen eingestellt haben, möchte er für Nachwuchspoeten eine Plattform jenseits der Literaturzeitschriften sein. Den Sprung in das hochroth-Programm geschafft haben bereits Sven-André Dreyer oder Konstantin Hanack. Aber auch verstorbene und bereits in Vergessenheit geratene – vor allem expressionistische – Autoren wie Alfred Lichtenstein oder Albert Ehrenstein sollen hier wieder dem Leserpublikum zugänglich gemacht werden. Den ganzen Beitrag lesen »
18.11.09, 22:11 | 3 Kommentare »
15 Nov
Von Anne-Dore
Eigentlich haben wir dieses Mal alle gewonnen. Ursula Krechel, Sprecherin der Jury, schickte nämlich eine Belobigung vorweg: An uns. Das Publikum. Wir hätten nicht unter Niveau gelacht, seien aufmerksam und kultiviert gewesen. Da lachten wir doch alle erfreut (natürlich nicht unter Niveau).
Die offiziellen Preise der Jury, dieses Mal gleichrangig vergeben, gingen an:
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15.11.09, 20:11 | 3 Kommentare »
15 Nov
Von goldmag
Berlin, 15.11.2009 – WABE, 12:00 Uhr. Der 17. open mike geht weiter. Zwei Leseblöcke, acht Autorinnen und Autoren. Die Beiträge in der Lesereihefolge, kommentiert von GOLD.
Alle Wettbewerbstexte zum Nachlesen in der Anthologie des allitera-Verlags.
Diensthabende GOLD-Redakteurinnen: Vanessa, Marijke, Elena
15.11.09, 20:11 | Kommentar abgeben »